Franziska Müller-Rech
Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal freue ich mich sehr, dass Sie das Thema der Girls’ and Boys’ Academies wieder aufgegriffen haben. Das ist ein sehr schönes Projekt, das wir in der vergangenen Legislaturperiode mit Schwarz-Gelb auf den Weg gebracht haben, und es ist richtig, dass wir heute darüber sprechen. (Vereinzelt Beifall von der FDP) Wir haben damals gefordert, die Zukunftstage weiterhin zu fördern, um es Mädchen und Jungen zu ermöglichen, Geschlechterrollen zu durchbrechen und einen beruflichen Einblick unabhängig von vorgefertigten Rollen zu ermöglichen. Frau Stamm hat zu Recht auf die Diskussion dazu in der letzten Legislaturperiode verwiesen. Das möchte ich auch gerne tun. Ich freue mich, dass die damalige Ablehnung der Grünen nun einen Sinneswandel erfahren hat und Sie dieses Projekt unterstützen. (Beifall von der FDP) Die Ausweitung der Girls’ and Boys’ Academies auf weitere Kommunen haben wir jedoch längst beschlossen. Dies wurde nur, wie es schon angeklungen ist, aufgrund der Coronapandemie bislang Landtag ausgesetzt. Deswegen hat es mich etwas gewundert, dass wir dazu einen eigenen Antrag brauchen, wenn es doch gereicht hätte, einfach einen Termin für die zweite Staffel zu bestimmen. (Jochen Ott [SPD]: Tja!) Das gibt uns jetzt aber die Möglichkeit, einige weitere Vorschläge zu machen. Genau das liegt Ihnen mit unserem Änderungsantrag vor. Zunächst einmal teilen wir, wie gesagt, die Meinung, dass die Berufswahl noch zu sehr anhand vorgefertigter Rollen erfolgt. Dem müssen wir entgegenwirken und vor allem neue Perspektiven eröffnen, und zwar am besten so früh es geht. Denn bei der Berufsorientierung sollte nicht das Geschlecht ausschlaggebend sein, sondern das individuelle Talent, das Interesse, die Fähigkeiten sollten im Mittelpunkt stehen, ganz unabhängig davon, wo man herkommt, welches Geschlecht man hat oder was einen sonst so durchs Leben treibt. (Beifall von der FDP) Es geht aber nicht nur um das Auflösen von veralteten Denkmustern, sondern auch um den Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, und das, wie schon gesagt, mit Blick auf den Arbeitsmarkt und den Fachkräftemangel. Mit unserem Änderungsantrag wollen wir noch wichtige Aspekte ergänzen und vor allem den Blick weiten. Vielleicht liegt ein Missverständnis vor, wenn Sie meinen, wir wollten hier etwas verengen. Das versuche ich jetzt gerne aufzuklären. Erstens. Es ist richtig, einen Fokus auf das Handwerk zu legen. Das ist sicherlich besonders betroffen von starren Rollen, insbesondere Geschlechterrollen. Aber es geht auch um weitere Branchen. Deswegen war es mir so wichtig, Frau Kollegin Hanses, dass wir das aufweiten und explizit die SAGHE-Berufe berücksichtigen, also die Soziale Arbeit, die Gesundheit, die Pflege, die Hauswirtschaft und die Erziehung. In den Bereichen arbeiten im Moment nur 20 % Männer. Diese Ergänzung ist mir wichtig, um genau dem Rechnung zu tragen, Frau Kollegin, und das etwas aufzuweiten. – Schade, sie hört gerade nicht zu. (Beifall von der FDP) Wenn nur 20 % der Beschäftigten in den sozialen Berufen – Pflege, Gesundheit, Hauswirtschaft und Erziehung – männlich sind, kann das nur mit überkommenen Geschlechterrollen zusammenhängen. Das heißt, es geht nicht nur darum, dass wir Frauen stärker in MINT-Berufe und ins Handwerk bekommen – das ist auch ein wichtiges Thema –, sondern wir müssen auch Männer in einer bislang eher untypischen Berufswahl bestärken. 29.03.2023 Zweitens reicht es uns nicht, dass lediglich so blumig Verbesserungen vorgeschlagen werden, sondern das muss verbindlich erfolgen. Deswegen braucht es auch finanzielle Bekenntnisse. Die fordern wir heute mit unserem Änderungsantrag ein. Damit Gesellschaft und Arbeitswelt nicht alleingelassen werden, brauchen wir also ein zusätzliches Förderprogramm zur Weiterentwicklung der Academies. Drittens möchte ich noch mal auf die Pilotkommunen zurückkommen. Ich habe jetzt von vielen Seiten das Bekenntnis gehört, dass das Projekt ausgeweitet und in die Fläche gebracht werden soll. Ja, aber das wird nicht alleine dadurch gelingen, Frau Kollegin Wendland, dass wir durch unsere Wahlkreise ziehen und dafür werben. Es braucht auch ein Commitment der Landesregierung. Das fordern wir hiermit ein. (Beifall von der FDP) Ich komme zum Schluss. Wir sind uns darin einig, dass es wichtig ist, die Geschlechterrollen zu durchbrechen und den Jugendlichen die berufliche Vielfalt vor Augen zu führen. Dabei müssen wir jedem betroffenen Arbeitsfeld die gleiche Aufmerksamkeit schenken, die Umsetzung der Förderung sichern, vor Ort für das Projekt werben, aber diesen wichtigen Academies auch die finanzielle Absicherung mitgeben. Deswegen möchte ich noch mal dafür werben, unseren Änderungsantrag zu unterstützen. Stimmen Sie doch gerne einfach zu, und lassen Sie uns die Girls’ and Boys’ Academies so weiterentwickeln, wie sie es verdient haben. – Danke schön. (Beifall von der FDP)
