Dr. Martin Vincentz
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich glaube, jeder, der Kinder hat, weiß, wie viel Freude diese Kinder schon vor der Geburt auslösen – ob man dem Bauch beim Wachsen zuschaut, ob man den ersten Herzschlag im Ultraschall sieht, ob man die erste haptische Rückkoppelung hat, wenn da ein kleines Fäustchen boxt oder ein Füßlein tritt. Umso eher kann man sich dann vorstellen, was für ein immenser Verlust es ist, wenn so ein Kind verloren geht, wenn es nicht zur Welt kommt, wenn all diese Planspiele, die man als Eltern im Kopf hat, nicht realisiert werden und das kleine Kinderzimmerchen zum Beispiel leer bleibt. Umso irritierender ist es auch, dass noch bis in die 80er-Jahre diese Kinder, die als Fehlgeburten eben nicht zur Welt gekommen sind, im medizinischen Müll gelandet sind, weil man wissenschaftlich der Meinung war, es wäre besser, wenn sich Mütter nicht damit auseinandersetzen, was mit dem Kind passiert, nicht Abschied nehmen und am besten das Kind nicht mehr sehen. Ich bin sehr froh, dass sich Wissenschaft immer wieder hinterfragt, es nicht immer „Follow the Science“ hieß und man nicht immer dem Mann in dem weißen Kittel geglaubt hat. Wir sind heute an einer ganz 10.03.2023 anderen Stelle, und es ist eben nicht mehr Usus, dass Kinder einfach so entsorgt werden. In den letzten 40 Jahren hat sich auf diesem Gebiet schon viel ergeben. Es gibt viele Kommunen, die beispielsweise entgegenkommend Orte der Andacht auf Friedhöfen eingerichtet haben. Aber es gibt noch viel zu tun, denn das ist noch nicht so weit verbreitet. Auch wenn es hier an dieser Stelle hinsichtlich der Zuständigkeiten nicht unbedingt für alles der richtige Ort ist, sondern viel Kommunal- und Bundespolitik einfließt, ist es gut, dass wir hier darüber sprechen. Denn –das ist für ein entwickeltes Land, für eine Industrienation relativ einzigartig – wir erleben in letzter Zeit eine Zunahme ausgerechnet dieser Fehl- und Totgeburten; dieser Sternenkinder. Ich denke, kein entwickeltes Land kann es einfach so hinnehmen, dass es dort zu einem Anstieg kommt, wo wir doch in den letzten Dekaden so verwöhnt waren, dass es eigentlich eine stetige Abnahme der Zahlen gab. Es ist etwas Beruhigendes für jeden Menschen, wenn man sieht: Es geht immer weiter zurück, und die Kinder haben eine immer größere Chance, ins Leben zu kommen. Wenn es jetzt zu einem Anstieg kommt, ist der Staat gefragt – und zwar alle Ebenen, ob dringend rechtlich zuständig oder nicht –, genauer hinzuschauen, woran es liegt, dass es mehr dieser Sternenkinder gibt. Von daher bin ich dankbar, dass die FDP diesen guten Antrag eingebracht hat. Meine Fraktion überweist ihn gern an den Ausschuss, und wir sind gespannt, was die weitere Behandlung dieses Antrags mit sich bringt. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
