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Katharina Gebauer

CDU 10.03.2023 Sitzungen 18/26

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das 10.03.2023 Thema „Sternenkinder“ ist sehr sensibel und betrifft mehr Menschen und Familien, als allgemein bekannt ist. Es ist Realität für viele Menschen in unserem Land. Wir dürfen die Betroffenen in solch einer herausfordernden Situation nicht mit ihrer Trauer und Verzweiflung alleinlassen. Es ist ein Schicksalsschlag, der verarbeitet werden muss. Diese emotionale Zeit sollte so gut wie möglich begleitet werden. Glücklicherweise wird heute in der Gesellschaft offener über das Thema gesprochen, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. < Dennoch ist das nicht genug. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass mehr über die Risiken von Fehl- und Totgeburten gesprochen und besser aufgeklärt wird, denn sie sind Teil der Lebenswirklichkeit. Da insbesondere die Daten zu Fehlgeburten auf Schätzungen beruhen, ist eine breite und valide Datengrundlage notwendig. Hier ist die Dunkelziffer viel zu hoch. Manche Studien sprechen von jeder sechsten Frau, die betroffen sei. Der Berufsverband der Frauenärzte spricht von jeder dritten Frau vor der zwölften Schwangerschaftswoche. Das Robert Koch-Institut hat für das Jahr 2017 aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes, der Krankenhausstatistik und der Berechnung der natürlichen Bevölkerungsentwicklung 39,5 Fehlgeburten auf 1.000 Geburten errechnet. Viele Fehlgeburten, die in einem sehr frühen Stadium stattfinden, werden klinisch nicht behandelt und fließen daher nicht in die Statistik ein. Die Ursachen können aber nur erforscht werden, wenn eine genaue Übersicht vorliegt. Unbestreitbar ist, dass die Zahl der Fehlgeburten zu hoch ist. Die Forschung muss deswegen verlässliche Zahlen erfassen und anschließend auswerten. Nach vielen Jahren des Rückgangs stagnierte die Zahl der Totgeburten seit 2007. Seit 2010 steigt sie jedoch wieder an; der Zuwachs liegt in Deutschland bei erschreckenden 24 %. Das durchschnittliche Alter von Frauen bei der ersten Geburt steigt auf 30,5 Jahre. Allein das höhere Alter kann jedoch keine Erklärung sein, denn die Zahl der Totgeburten ist in allen Altersgruppen gestiegen. Mit einer besseren Datenlage, die auch weitere Faktoren berücksichtigt, die die Schwangerschaft beeinflussen können, gelingt es uns hoffentlich, diese Zahl zu senken. Hinter jeder der 3.420 Totgeburten im Jahr 2021 stehen trauernde Eltern und trauernde Familien. Mütter, Väter und Familien bauen zu ihrem ungeborenen Kind bereits während der Schwangerschaft eine starke und emotionale Bindung auf. Kommt es dann zu einer Fehl- oder Totgeburt, brauchen sie Zeit und Landtag einen Ort zum Trauern. Sie müssen Abschied nehmen und ihren Schmerz verarbeiten können. Auch Väter und nahe Angehörige müssen dabei stärker in den Fokus genommen werden. Insgesamt müssen Betroffene die Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Mit der Entlassung aus dem Krankenhaus haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf ein Entlassmanagement, das die Versorgung der Betroffenen nach dem Krankenhausaufenthalt umfasst. Zusätzlich besteht ein Anspruch auf eine ambulante Regelversorgung sowohl durch Ärzte als auch durch Hebammen. Eltern stehen im Todesfall ihres Kindes einige Tage Sonderurlaub zu. So können sie sich von ihrem Kind verabschieden und haben Zeit, zu trauern. Eine ähnliche Regelung sollte für Sternenkinder geschaffen werden. Eine zweiwöchige Freistellung für die Betroffenen ist der herausfordernden Situation angemessen. Hier ist allerdings der Bund gefragt. Sobald die Bundesregierung entsprechende Vorschläge vorlegt, wird die Landesregierung sie wie immer konstruktiv begleiten und sich im Bundesrat einbringen. Es muss auch über einen Mutterschutz bei Fehlgeburten nachgedacht werden, denn die körperlichen und seelischen Belastungen können je nach Situation unterschiedlich sein. Das Wichtigste ist, dass Frauen ein Angebot bekommen, das sie bei Bedarf und nach Wunsch schützt, aber nicht verpflichtend ist. Denn jede Fehlgeburt und ihre Verarbeitung sind ein individueller Prozess. Eine Umsetzung der heute diskutierten Vorschläge kann den Verlust eines Kindes nicht wiedergutmachen, die Schmerzen nicht lindern. Diese Vorschläge können den Eltern aber hoffentlich einen würdigen Abschied von ihrem Kind ermöglichen und ihnen die Trauerphase erleichtern, die nach einem solchen Schicksalsschlag notwendig ist. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch zu diesem wichtigen Thema im Fachausschuss. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP)

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