Dietmar Panske
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Drohender Fachkräftemangel oder demografische Entwicklung – für den einen oder anderen mag das immer nur ein Blick auf Statistiken oder Schlagwörter in Debatten und Diskussionen sein. Für die Wirtschaft ist der Fachkräftemangel aber real. Er ist ein Bremsklotz für Wachstum, ein Risiko für das Geschäftsmodell und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Fachkräftemangel jeden Tag auffangen müssen, irgendwann auch gesundheitsbelastend. Egal, was trägt, eines ist sicher: Es ist bittere Realität. Es sind die Handwerksmeister, die weder Gesellen noch Auszubildende finden, Krankenhäuser und Seniorenheime, die händeringend nach Pflegerinnen und Pflegern suchen. Es ist die Gastronomie, die keine Köche und Kellner findet. Busse und Bahnen fallen aus, weil weder Busfahrer, Lokführer oder Zugbegleiter zur Verfügung stehen. Das geht bis hin zu Speditionen, in denen sich die Waren stapeln, die nicht transportiert werden können, weil sie keine Fahrer haben. Wir könnten diese Liste – da sind wir uns einig – noch unendlich fortsetzen. Dabei – und das ist mit Blick auf die kommenden Jahre das Fatale – gehen die sogenannten Babyboomer in den nächsten vier, fünf, sechs, sieben Jahren erst in Rente. Damit stehen weitere Probleme an. Daher ist konsequentes Handeln umso wichtiger, da wir mittlerweile nicht nur einen Fachkräftemangel, sondern auch einen Arbeitskräftemangel haben, und das auf dem Stand, dass wir fast die höchsten Zahlen an sozialversicherungspflichtigen Jobs in Nordrhein-Westfalen haben. Es ist an der Zeit, alle Potenziale auf dem Arbeitsmarkt zu heben. Ein kleiner Baustein kann die Berufsausbildung für junge Geduldete sein, die sogenannte 3+2-Regelung: drei Jahre Ausbildung und im Anschluss daran zwei sichere Jahre Beschäftigung als Fachkraft. Das sind die Grundgedanken der sogenannten 3+2-Regelung. Meine Damen und Herren, wir können es beklagen, es wird aber nicht helfen: Die Geburtsjahrgänge, die folgen, sind kleiner geworden und damit die Menge derer, die für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Daher ist ein Teil der Lösung auch Zuwanderung – Zuwanderung von Menschen, die entweder schon ausreichend qualifiziert sind oder Zuwanderung in Landtag den Arbeitsmarkt von denjenigen, die schon Gast bei uns sind, die wir entsprechend qualifizieren müssen. Dazu gehören auch die Menschen, die über eine Aufenthaltsduldung verfügen, Menschen, die unsere Sprache lernen oder bereits gelernt haben, die gezeigt und bewiesen haben, dass sie sich in unsere Gesellschaft integrieren können, aber auch integrieren wollen, Menschen, die für sich selber sorgen wollen, und Menschen, die sich einbringen möchten, insbesondere mit ihrer Arbeitskraft. Mit der 3+2-Regelung haben wir ein klasse Instrument mit einem echten und wichtigen Win-win-Effekt. 3+2 hilft den Betrieben und Firmen, Auszubildende zu finden und zu wissen, dass sie im Anschluss daran motivierte, gute Arbeitskräfte zur Verfügung haben. 3+2 hilft den Geduldeten, sich eine gesicherte Existenz aufbauen zu können. Ja, der Weg ist teilweise mühsam. Wir müssen flankieren und unterstützen durch Sprachkurse und mehr Qualifizierungsmaßnahmen. Daher muss alles darangesetzt werden, dass wir die bestehenden – 3+2 ist ja kein neues Instrument – Rahmenbedingungen ausschöpfen, damit Menschen Zugang zum Arbeitsmarkt finden, dass wir noch intensiver beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen – und das vor einer Ausbildung, aber auch während einer Ausbildung – und dass wir mit der Wirtschaft, den Kammern und den Berufsverbänden die Verfahren und das gemeinsame Engagement noch verbessern und intensivieren, damit wir da noch effektiver werden. Kurzum: Wir wollen Hemmnisse aus dem Weg räumen. Wir wollen fördern, wir wollen fordern, aber wir wollen auch ermöglichen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Und wir wollen den Betrieben und den Unternehmen Sicherheit geben, denn das ist ein wesentlicher Punkt. Sie werden das vermutlich alle von Unternehmensbesuchen kennen, dass die Betriebe sagen: Gebt uns Sicherheit, aber gebt uns auch die Sicherheit, wenn wir zugewanderte Menschen ausbilden, dass wir sie nachher als Fachkräfte zur Verfügung haben. Aber wir wollen auch diejenigen belohnen, die sich anstrengen, die fleißig sind, nicht nur rein fachlich, sondern auch als engagierte Mitmenschen vor Ort, ob es in Vereinen oder in Nachbarschaften ist. Hier leistet der Faktor „Arbeit“ einen wesentlichen Baustein bei der Integration. Daher lassen Sie uns die Chancen nutzen. Ich hoffe, Sie stimmen diesem Antrag zu. – Danke schön. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
