Jonathan Grunwald
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Große Teile Ihrer Schilderung, liebe Kollegen der FDP, kann ich sofort unterschreiben. ChatGPT und KI-gestützte Anwendung haben disruptive Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, insbesondere auf unseren Bildungsbereich. In einem wesentlichen Punkt unterscheiden wir uns aber. Im Unterschied zu Ihnen bin ich optimistisch, dass wir in Nordrhein-Westfalen sehr gut für die bevorstehenden Entwicklungen aufgestellt sind. Erst vergangene Woche haben wir uns als CDU-Landtagsfraktion im größten Start-up-Inkubator des Landes mit Technologieexperten zu Chancen und Risiken der neuen Anwendung ausgetauscht. Wissen Sie, was uns dort berichtet wurde? In Nordrhein-Westfalen wurden bereits erste Start-ups gegründet, die Anwendungssoftware entwickeln, die auf der ChatGPT-Schnittstelle aufsetzt. Wir sind Innovationsland, und CDU und Grüne sind stolz auf unsere Gründerinnen und Gründer. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Zudem ist nicht ausgemacht, dass ChatGPT den Markt monopolisieren wird. Auch Alphabet, Meta und das Heidelberger Unternehmen Aleph Alpha verfügen über ähnliche KI-Modelle. Die FAZ berichtete am 20. Februar, die KI von Aleph Alpha habe im Vergleichstest annähernd gleiche Ergebnisse wie die von OpenAI erzielt. Mit dem Bürgerassistenten „Lumi“ besteht bereits ein anwendungsorientiertes Kommunikationstool, das – anders als ChatGPT – Aussagen mit kuratierten Quellen belegt. Auch das IT-Systemhaus der Bundeswehr, das BWI in Meckenheim bei uns in Nordrhein-Westfalen, arbeitet bereits mit dieser in Deutschland entwickelten Technologie. Ihre Frage, wo ein deutsches ChatGPT bleibe, erübrigt sich daher. Volkswirtschaftlich wird es viel wichtiger sein, dass unsere Unternehmen in Nordrhein-Westfalen in der Lage sind, die Schnittstellen der KI-Programme für ihre Geschäftsmodelle zu nutzen, damit Geld zu verdienen, Arbeitsplätze zu schaffen und den digitalen Raum zu gestalten. Damit uns das gelingt, haben die CDU-geführten Landesregierungen seit 2017 Fakten geschaffen. Mit der Plattform KI.NRW verstärken wir den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, um Forschungsergebnisse aus Nordrhein-Westfalen in unternehmerische Tätigkeiten zu überführen. So geht „KI made in NRW“. Landtag (Beifall von der CDU) Erst vor wenigen Monaten haben Ministerpräsident Hendrik Wüst und Ministerin Ina Brandes mit dem Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz einen neuen Hotspot der KI-Forschung in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Allein hier investieren wir in den nächsten fünf Jahren gemeinsam mit dem Bund 126 Millionen Euro, um unser Land zum Anlaufpunkt für die klügsten Köpfe aus der gesamten Welt zu machen. So geht „KI made in NRW“. (Beifall von der CDU) Ergänzend dazu nehmen wir weitere fünf Millionen Euro in die Hand, um das Center for Advanced Internet Studies, das CAIS, in Bochum zum Institut für Digitalisierungsforschung auszubauen. Damit schaffen wir eine interdisziplinäre Spitzeneinrichtung, die alle Facetten des technologischen Wandels betrachtet und analysiert. Und auch so geht „KI made in NRW“. Liebe Kolleginnen und Kollegen der FDP, die Liste ließe sich unter anderem durch die Förderlinie „Künstliche Intelligenz/Maschinelles Lernen“, dem Förderformat „KI-Starter“, dem Graduiertenkolleg „Data-NInJa“ oder den fünf vom Land kofinanzierten Digitalhubs fortführen. Einige Grundlagen dafür hat unser letzter Digitalminister Prof. Andreas Pinkwart gelegt. Auch deshalb bin ich etwas über den besorgten Unterton in Ihrem Antrag verwundert, liebe Kollegen der FDP. Freuen Sie sich doch lieber, dass jedes fünfte Start-up in Deutschland seinen Sitz mittlerweile in Nordrhein-Westfalen hat. (Beifall von der CDU) In keinem anderen Flächenland gibt es pro Kopf mehr Start-ups als bei uns in Nordrhein-Westfalen. Die Zukunftskoalition von CDU und Grünen redet nicht nur von KI. Nein, wir handeln und setzen uns für einen proaktiven Umgang mit Künstlicher Intelligenz ein. Ich bin deswegen auch Bildungsministerin Dorothee Feller dankbar, die einen ausführlichen Handlungsleitfaden für Schulen zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz vorgestellt hat. Das verdeutlicht, dass wir uns chancenorientiert positionieren, um unsere Zukunftsfähigkeit zu wahren. Nicht verbieten, sondern befähigen und anwenden: Das ist unsere Strategie im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Dazu gehört eine Stärkung der MINT-Bildung an unseren Schulen und auch an außerschulischen Lernorten wie dem Deutschen Museum und dem MakerSpace in Bonn. So begeistern wir für Künstliche Intelligenz. Das ist zentral; denn ein gut ausgebildetes Verständnis für mathematische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge wird unsere Schülerinnen und Schüler befähigen, Algorithmen zu verste-09.03.2023 hen, zu bedienen und selber zu programmieren. Wir werden daher für eine dauerhafte Absicherung des Projektes „Zukunft durch Innovation“, dem europaweit größten MINT-Netzwerk, allein im Jahr 2023 10 Millionen Euro in die Hand nehmen. Nicht zuletzt unterstreichen wir unseren proaktiven Umgang mit KI durch unseren Antrag heute Nachmittag „Chancen von Künstlicher Intelligenz im Bildungswesen und Forschung nutzen und Herausforderungen souverän begegnen“, den Kollege Raphael Tigges vorstellen wird. Werte Kolleginnen und Kollegen! Sie sehen: Für die schwarz-grüne Zukunftskoalition steht KI ganz oben auf der politischen Agenda. Lassen Sie uns daher gemeinsam daran arbeiten, die Chancen von KI für unsere Wirtschaft und für unsere Gesellschaft nutzbar zu machen – zur Sicherung von Wachstum und Wohlstand, aber auch zur Sicherung der Demokratie und unseres Wertesystems. – Ich freue mich auf die weiteren Beratungen im Ausschuss und danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
