Thorsten Schick
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Und ausnahmsweise sage ich auch: Meine sehr geehrten Ehrengäste auf der Tribüne! Am 6. Februar erschütterten zwei Beben der Stärke 7,8 und 7,5 den Südosten der Türkei und den Nordwesten Syriens. Es war eines der verheerendsten Erdbeben des 21. Jahrhunderts weltweit. Um sich die Dimension dieser Katastrophe einmal vorzustellen: Dieses Beben hätte fast gast Deutschland erschüttert. Wenn das Epizentrum in Braunschweig gewesen wäre, hätte eine Zone der Zerstörung von Münster bis Berlin gereicht. Dort hätte es schwerste Schäden gegeben. Selbst in Hamburg und München wären die Erdstöße noch zu spüren gewesen. Diese Dimension führt uns die Dramatik dieses Erdbebens vor Augen. Mehr als 50.000 Menschenleben hat die Naturkatastrophe bereits gefordert. Es gibt mehr als 100.000 Verletzte. Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Im Namen meiner Fraktion, aller hier 09.03.2023 Anwesenden und auch ganz persönlich bekunde ich allen Angehörigen und Freunden unser tief empfundenes Mitgefühl. Wir stehen fest an Ihrer Seite. (Beifall von allen Fraktionen) Niemand weiß, wie viele Tote noch unter den Trümmern liegen und vielleicht auch nie gefunden werden. Allein in der Türkei wurden nach offiziellen Angaben mehr als 173.000 Gebäude zerstört. Um auch diese Zahl einmal einzuordnen: Die größte Stadt unseres Bundeslandes, also Köln, hat 170.000 Wohngebäude. Zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei gibt es seit Jahrzehnten eine besondere Verbundenheit. Rund eine Million Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Nordrhein-Westfalen. Viele von ihnen sind als sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in den 60er-Jahren zu uns gekommen. Sie haben mit Fleiß und harter Arbeit zum Wohlstand unseres Bundeslandes wesentlich beigetragen. Sie haben in Nordrhein-Westfalen ihre zweite Heimat gefunden, Familien gegründet, Kinder großgezogen und Freundschaften geknüpft. Jeder von uns hat Freunde, Kollegen und Nachbarn, die familiäre Wurzeln in der Türkei haben. Wir alle haben mitbekommen, wie Türkinnen und Türken nach dem Erdbeben voller Angst auf Lebenszeichen von ihren Lieben in der Türkei gehofft haben, viele leider umsonst. Menschen, die so eng verbunden sind, sollten sich bei so großen Schicksalsschlägen beistehen, eng füreinander da sein. Wir in Nordrhein-Westfalen helfen gerne. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP – Vereinzelt Beifall von der AfD) Was häufig vergessen wird: Das Erdbeben hat auch Syrien getroffen. Wir wissen nur leider etwas weniger darüber. Es ist ein Land, das seit zwölf Jahren in einem fürchterlichen Bürgerkrieg versinkt. Dieser Bürgerkrieg hat mehr als eine halbe Million Menschenleben gefordert, und mehr als 13 Millionen Syrerinnen und Syrer haben ihre Heimat verlassen. Viele haben eine sichere Zuflucht vor dem Krieg in Nordrhein-Westfalen gefunden. Auch sie haben Verwandte und Freunde, die tot oder vermisst sind. Die Bereitschaft zur Hilfe ist überwältigend. Am Flughafen Köln/Bonn wurden Spenden der Bevölkerung gesammelt und mit einem Güterzug in die Türkei transportiert. Es waren zu viele Spenden, um sie mit einem Lkw in die Türkei zu transportieren. Diese Hilfsbereitschaft hat es überall im Land gegeben. Am vergangenen Samstag habe ich eine Spendenveranstaltung der türkischen Gemeinden im Märkischen Kreis besucht. Rund 10.000 Menschen haben ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht und ein großes Zeichen gesetzt. Durch den Verkauf von Spei-Landtag sen und Getränken wurden weit mehr als 100.000 Euro gesammelt. Das sind nur zwei von vielen Beispielen aus Nordrhein-Westfalen und Deutschland. Ich sage ganz großen Dank für dieses großartige Engagement. (Beifall von allen Fraktionen) Noch am Erdbebentag haben sich die ersten Hilfsorganisationen aus Nordrhein-Westfalen auf den Weg in die Türkei gemacht. Noch immer sind Teams vor Ort. In der vergangenen Woche hat der Ministerpräsident Hilfskräfte in die Staatskanzlei eingeladen, um sich persönlich ein Bild zu machen und ihnen für ihren Einsatz zu danken. Es waren bewegende Bilder, als sie zurück nach Deutschland kamen und am Flughafen von vielen Menschen herzlich in Empfang genommen wurden. Heute sind hier Vertreterinnen und Vertreter von ihnen auf der Tribüne zu Gast. Ich möchte Ihnen stellvertretend unseren ganz, ganz großen Dank ausrichten. Richten Sie diesen bitte auch Ihren Kolleginnen und Kollegen aus! (Beifall von allen Fraktionen) Auch die Landesregierung übernimmt dort, wo es möglich ist, Verantwortung. Ich danke dem Ministerpräsidenten ausdrücklich dafür, dass er bereits am ersten Tag der Katastrophe zu Spenden aufgerufen hat. Ich danke, dass es die Finanzverwaltung Unternehmen und Vereinen einfacher macht, Spenden zu sammeln. Ich danke, dass die Landesregierung Maßnahmen prüft, um Visaverfahren zu beschleunigen und bestehende Visa zu verlängern. Zum Abschluss möchte ich den Opfern dieser Katastrophe unsere Solidarität aussprechen. Wir stehen fest an der Seite der Betroffenen und ihrer Familien. (Beifall von allen Fraktionen)
