landtag.nrw.de ↗

André Kuper

08.03.2023 Sitzungen 18/24

Vielen Dank, Frau Kollegin Schneider. – Für die Landesregierung spricht nun Minister Laumann. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, dass wir uns in diesem Haus fast alle darüber einig sind, dass für die Frage der Gewinnung von Fachkräften – vor allen Dingen von Menschen, die wir zurzeit noch nicht in Deutschland haben und gerne als Fachkräfte hätten – wichtig ist, dass dieses Land ein weltoffenes Land mit einer Willkommenskultur bleibt. Ich meine, dass Ihr Antrag ein bisschen die Sprache spricht, diese Willkommenskultur äußerst kritisch zu sehen. Der zweite Punkt ist: Wir müssen natürlich auch sehen, dass wir die hier lebenden Menschen für unseren Arbeitsmarkt gewinnen. Da haben wir sehr viel vor. Selbstverständlich richtet sich das in allererster Linie an Menschen, die – egal aus welchem Grund – Landtag heute in diesem Land leben. Da haben wir noch eine Menge zu tun. Wir müssen besser werden, was die Berufsanerkennungen angeht. Wir hatten im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen nur 10.000 Berufsanerkennungen, davon 7.000 allein im Gesundheitsbereich. Das bedeutet, dass in anderen Bereichen noch eine Menge passieren muss. Es ist nämlich auch eine Vergeudung von Fachkräften, sich schwer damit zu tun, ausländische Abschlüsse und auch informelle Fähigkeiten anzuerkennen, sodass die Leute dann unterhalb ihrer Qualifikationen beschäftigt werden. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU) Dieses Grundproblem haben wir in den vergangenen Jahren erlebt. Wir arbeiten zurzeit sehr intensiv daran, hier auf jeden Fall besser zu werden. Es gibt eine weitere offene Flanke. Wir haben – das muss man ganz offen aussprechen – zu viele Kinder, die unsere Schulen ohne Schulabschluss verlassen. Wir müssen versuchen, diese Menschen auf den Weg einer dualen Ausbildung zu bringen. Das ist ein weiterer Schwerpunkt, den wir setzen wollen. Das müssen wir sehr viel konsequenter machen als in der Vergangenheit. Ich glaube auch, dass wir – neben der Zuwanderung, die wir zurzeit aufgrund des Krieges in der Ukraine und wegen anderer Fluchtbewegungen sehr stark haben – auch gezielt Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben müssen, um den bei uns bestehenden Fachkräftemangel zu beseitigen. Man muss ganz offen zugeben: Wir werden zum Beispiel ohne die Rekrutierung von ausländischen Pflegefachkräften aufgrund der Demografie unsere Probleme in der Pflege nicht lösen können. Deswegen muss auch eine solche Zuwanderung gezielt möglich sein, finde ich. Zum Schluss will ich sagen, dass man eines immer bedenken muss: Gute Arbeit und gutes Wohnen gehören zusammen. Man ist nur attraktiv, wenn man den Menschen beides bieten kann: gute Arbeit und für die Familie bzw. für sich selber akzeptables Wohnen. Deswegen ist es auch wichtig, dass der Ausbau der öffentlichen und der privaten Infrastruktur in unserem Land mit dem Wachstum der Bevölkerung, das wir zurzeit wegen der Zuwanderung haben, mithält. Die Landesregierung arbeitet an jeder Stelle daran, das zu erreichen. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Alle Reden von André Kuper Protokoll ↗