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Dr. Martin Vincentz

AfD 08.03.2023 Sitzungen 18/24

Sehr geehrter Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte auf Common Ground beginnen und mich dann auf AfD-Distanz zu Ihnen begeben. Sie kennen das ja bereits. Los geht es also mit dem Common Ground. Es gibt immer mehr Branchen, in denen es einen ausgesprochenen Fachkräftemangel gibt. Das sehen wir alle so, denke ich. Ich hoffe, dass wir das alle so sehen. Auch der demografische Wandel wird diesen Trend eher noch verschärfen. Ich glaube, auch das ist allgemeiner Konsens hier im Raum. Auch wenn sich Frau Ministerin Neubaur wirklich bemüht, die Arbeitsplätze dahin zu verlagern, wo es noch Fachkräfte gibt, also ins Ausland, dürfte es nicht unbedingt im Interesse Nordrhein-Westfalens sein, dort mitzugehen. Also: Fachkräfte hier. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? „Stehlen“ ist da ein sehr gutes Stichwort. Denn es gibt mittlerweile sehr viele wissenschaftliche Ausarbeitungen, die zeigen, wozu Braindrain in der Dritten Welt oder anderen Regionen der Welt tatsächlich führt, nämlich dazu, dass man viele Länder, gerade Länder, denen es vielleicht nicht so gut geht, um dringend benötigte Fachkräfte bringt und Aufstiegschancen gerade in diesen Ländern raubt. Das hat sich mittlerweile auch im linken Bereich des Plenums herumgesprochen. Daher ist man auch dort – verschiedenen Ausführungen kann man es entnehmen – gegenüber dem Braindrain sehr zurückhaltend geworden und hat die Migration eher noch einmal ausgeweitet. Deutschland soll sich gar nicht mehr aussuchen, wer zu uns kommt; wir sollen gar nicht nach den Interessen Deutschlands selektieren, sondern sollen sie alle aufnehmen. Wozu das führt, sehen wir unter anderem daran, dass Deutschland jetzt auf ungefähr 84 Millionen Menschen wächst. Allerdings wächst interessanterweise trotz ungesteuerter Fachkräfteeinwanderung auch die Fachkräftelücke. Geradezu verschärft hat Landtag sich in einigen Bereichen der Fachkräftemarkt, beispielsweise in den Kitas und in den Schulen. Die vornehmlich jüngeren Menschen, die zu uns kommen und die vielleicht unser System irgendwann einmal entlasten können – bei gelingender Integration; bei den Beispielen, die Sie in der Vergangenheit geliefert haben, darf man durchaus bezweifeln, dass das gelingt –, belasten aktuell das System. Gerade diese jüngeren Menschen führen dazu, dass in diesen schwierigen Zeiten noch mehr Fachkräfte gebraucht werden. Wir haben heute ausgiebig unter anderem über den Lehrermangel und den Ausfall an Stunden in der Schule gesprochen. Was liegt also am nächsten? Wenn wir einmal darüber nachdenken, woher wir am ehesten Fachkräfte bekommen könnten, müssten wir doch eigentlich in einer Debatte damit anfangen, diejenigen überhaupt einmal hierzubehalten, die hier im System als Fachkräfte ausgebildet werden. Allerdings wandern immer mehr Deutsche nach ihrem Studium oder ihrer Ausbildung ins Ausland ab. Es sind immerhin 150.000 jedes Jahr, zumeist gut ausgebildete Deutsche, die abwandern – ein Wanderungssaldo, der in dieser Art und Weise auch nicht mehr eingeholt werden kann. Umfragen unter diesen Menschen, die abwandern, zeigen, dass ein Großteil davon durchaus bereit wäre, wieder zurückzukehren, wenn sich die Standortfaktoren in Deutschland verbessern würden, wenn man mehr auf ihre Interessen eingehen würde. Was läge also näher, das zu tun, bevor man in die Ferne schaut und versucht, außereuropäische Migration anzuregen und irgendwie zu kanalisieren, oder im europäischen Kontext darüber nachdenkt, wie man vielleicht anderen Ländern … Auch in Europa gibt es ärmere Länder. Griechenland ist ein gutes Beispiel. Von dort migrieren beispielsweise viele Ärzte und behandeln dann hier Menschen. Es gibt auch in Griechenland viele Menschen, die behandelt werden müssen, sodass es nicht unbedingt ratsam ist, dort die griechischen Ärzte abzuwerben. Es wäre viel lohnenswerter, darüber nachzudenken, wie wir deutsche Ärzte, die ansonsten in die Schweiz oder nach Skandinavien migrieren, hierbehalten können oder auch davon überzeugen können, aus diesen Ländern zurückzukommen. Dazu haben wir Ihnen heute einen Antrag vorgelegt, der Sie dazu auffordert, gerade an dieser ersten, an dieser einfachsten Stelle tätig zu werden, nämlich einheimische Fachkräfte hierzuhalten oder die, die es bereits ins Ausland verschlagen hat, wieder zurückzuholen, und zwar durch ein attraktives Angebot, insbesondere in Nordrhein-Westfalen. Denn der Schlüssel der nächsten Jahrzehnte liegt darin, ob wir es tatsächlich schaffen, diese wachsende Fachkräftelücke, die sich allein schon aufgrund des demografischen Wandels ergibt, abzu-08.03.2023 federn. Damit fangen wir am besten vor Ort an, und zwar mit heimischen Fachkräften. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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