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Dorothee Feller

08.03.2023 Sitzungen 18/24

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich, dass das Konzept der Familiengrundschulzentren und somit ein Projekt der Ruhr-Konferenz aus der vergangenen Legislaturperiode Ihre Zustimmung findet. Sie bezeichnen es in Ihrem Antrag richtigerweise als Erfolgsmodell. Dem ist ohne Einschränkung zuzustimmen. Familiengrundschulzentren fördern soziale Teilhabe und tragen zur Bildungsgerechtigkeit bei – und somit auch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Bildung muss Teilhabe für alle ermöglichen, damit jeder ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Die Familiengrundschulzentren in Nordrhein-Westfalen fördern dies. Sie sind offen für alle Fami-Landtag lien und gehen auf die individuellen Bedürfnisse der jungen Menschen und ihrer Familien ein. Die Idee für Familiengrundschulzentren ging von einzelnen Kommunen aus und orientierte sich an der erfolgreichen Arbeit der Familienzentren an Kindertageseinrichtungen. 2020 begann eine systematische Förderung durch das Land an zunächst 50 Standorten im Rahmen des Landesprogramms „kinderstark – NRW schafft Chancen“. In nur drei Jahren ist die Zahl der geförderten Familiengrundschulzentren auf insgesamt 113 gestiegen, davon 40 Zentren an zwölf Standorten in Förderung des Ministeriums für Schule und Bildung und 73 Zentren im Rahmen der Förderung durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration. Im Haushalt 2023 des Schulministeriums ist über die Förderung der bestehenden Standorte hinaus ein Ausbau vorgesehen, um den Transfer in die Fläche voranzutreiben. Die Förderrichtlinie für bis zu 15 neue Standorte ist zurzeit in der Vorbereitung. Auch die Förderung des MKJFGFI ermöglicht Kommunen mit einem Jugendamt bereits jetzt, weitere Familiengrundschulzentren auf Grundlage des Aufrufs „kinderstark – NRW schafft Chancen“ einzurichten, wenn sie dies in ihrer kommunalen Strategie zur Bekämpfung der negativen Folgen von Kinderarmut als sinnvoll erachten. In jedem Familiengrundschulzentrum werden standortbezogene Angebote entwickelt, die niederschwellig zugänglich sind und sich an den Bedürfnissen und Erfordernissen der Familien vor Ort orientieren. Dabei können Partnerinnen und Partner aus dem Sozialraum einbezogen werden. Die Angebote umfassen Beratungs- und Informationsveranstaltungen, Angebote der Familienbildung, Workshops und Kurse zum Beispiel in den Bereichen Gesundheitsprävention, kulturelle Bildung, Integration oder Sport. Familiengrundschulzentren unterstützen auch besonders die Übergänge von der Kita in die Grundschule und später dann zu weiterführenden Schulen. Gerade dieser Blick auf die Übergänge ist uns sehr wichtig. Ebenso wichtig ist die Idee der Familiengrundschulzentren als Begegnungsort. Grundschulen werden auch durch die Aktivitäten der Familiengrundschulzentren zu Lern- und Lebensorten, an denen Kinder und Eltern sich gerne aufhalten. Sie bieten einen Raum der Begegnung. Mit bereits existierenden Angeboten im Sozialraum werden gerade Familien, die wir bisher nicht erreicht haben, noch besser erreicht. Auch dies zahlt letztlich in eine gute Bildung aller Kinder ein. Familiengrundschulzentren sind dort, wo die Menschen sind. Sie sind im Lebensumfeld der Menschen 08.03.2023 gut erreichbar, und so leisten die Standorte auch einen aktiven Beitrag zur Weiterentwicklung der Quartiere und stärken den Gedanken der Öffnung zum Sozialraum. Dabei geht es nicht um den Aufbau einer zusätzlichen Struktur, sondern darum, insbesondere präventive Angebote und die verschiedenen Fachkräfte im Quartier an einer Schule zu bündeln. Als Familienzentren werden Grundschulen so zu einer zentralen Anlaufstelle für alle Familien, weit über das schulische Lernen hinaus. Durch das Familiengrundschulzentrum wächst auch das multiprofessionelle Team der Schule. Schule und Jugendhilfe, Schulleitung, OGS-Leitung, Schulsozialarbeit – das Team des Familiengrundschulzentrums bringt alle zusammen. Das bedeutet, dass alle sich eng austauschen und miteinander kooperieren. Die Kommunen nehmen in diesem Prozess eine wichtige Rolle ein. Durch die Einrichtung kommunaler Koordinierungsstellen für die Familiengrundschulzentren, die durch die Landesförderung unterstützt werden, werden in den Kommunen ämterübergreifende Kooperationen gefördert. Die Landesregierung hat die Bedeutung und die Chancen dieses Modells erkannt und entwickelt die Familiengrundschulzentren konsequent weiter. Die 40 Familiengrundschulzentren in der Förderung des Ministeriums für Schule und Bildung werden weitergeführt. Der im SPD-Antrag formulierten Forderung der Loslösung der Förderung von der Jährlichkeit sind wir bereits nachgekommen. Die Förderrichtlinie ist entsprechend angepasst. Das verbessert die Planungssicherheit der Kommunen. Die zuständigen Fachreferate im Ministerium für Schule und Bildung und im Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration sind im engen fachlichen Austausch zur inhaltlichen Ausgestaltung der Familiengrundschulzentren, unter anderem in einer gemeinsamen Steuergruppe. Auch externer Sachverstand aus Wissenschaft und Praxis wird als wichtiger Beitrag zur Qualitätsentwicklung einbezogen. Eine Kopplung an den Schulsozialindex ist bei der Weiterentwicklung der Förderbedingung des Ministeriums für Schule und Bildung für neue Standorte vorgesehen. Die Notwendigkeit, alle Grundschulen langfristig zu Familiengrundschulzentren auszubauen, wie es in Ihrem Antrag gefordert wird, sehen wir allerdings nicht. Es stände auch im Widerspruch zu einer Kopplung an den Schulsozialindex. Wir werden uns mit den vorhandenen Ressourcen vielmehr auf solche Grundschulstandorte konzentrieren, an denen die vorhandenen Herausforderungen und damit die Unterstützungsbedarfe besonders groß sind. Landtag Da gerade in einigen Reden die Verbindung zur IQB-Studie hergestellt worden ist: Wir sind dabei, Maßnahmen im Ministerium zu entwickeln, um auf die Ergebnisse der IQB-Studie reagieren zu können. Diese gelten aber für alle Grundschulen. Sie sind nicht an Familiengrundschulzentren gekoppelt, sondern wir müssen alle Grundschulen in den Blick nehmen, sodass die Basiskompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler an den Grundschulen deutlich verbessert werden. Ich bin mir sicher, dass wir im zweiten Quartal das Konzept auch im ASB vorstellen können. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Protokoll ↗