Christian Loose
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Immer mehr Kunden greifen im Supermarkt zu Billigprodukten – auch bei den Süßwaren. Klar; die Inflation ist hoch, das Geld der Bürger ist knapp. Was viele Kunden aber nicht wissen: Preiswerte Gummibärchen enthalten häufig Zucker aus Brasilien, aus Zuckerrohr, während viele Markenhersteller die regionale Wirtschaft stärken und Zucker von deutschen Bauern einsetzen. Das gilt insbesondere für einen Süßwarenhersteller in Bonn am Rhein. Dieser setzt auf die direkte Kooperation vor Ort und verwendet für die Herstellung seiner Gummibärchen Zucker von naheliegenden Zuckerfabriken. Diese wiederum verarbeiten die Zuckerrüben von heimischen Rübenbauern. Das ist ein echter Gewinn für die Bauern, für NRW und für den Umweltschutz. Doch wie lange kann sich der Markenhersteller diesen Luxus noch leisten? Wir müssen zudem die Frage stellen: Wollen wir unsere heimischen Zuckerrübenbauern stärken oder lieber den Rohrzucker aus Südamerika, der über die Weltmeere geschippert wird? Übrigens wird für diese Plantagen in Südamerika allzu häufig der Regenwald abgeholzt. Nachhaltig ist das nicht. Jetzt will die SPD den Zuckerherstellern vermeintlich helfen, indem sie die nächste Subvention aus dem Hut zaubert. Doch dieser Antrag ist realitätsfern. (Zuruf von René Schneider [SPD]) Die SPD hat mit dem vorliegenden Antrag die ökonomischen Zusammenhänge überhaupt nicht begriffen. Sie jagen unbeirrt einer klimaneutralen Zuckerproduktion hinterher, ohne die Sorgen, Ängste und Nöte der Zuckerhersteller und insbesondere der Rübenbauern wirklich verstanden zu haben. Landtag (Kirsten Stich [SPD]: Unglaublich!) Ja, der Zuckerverband fordert eine solche Subvention für die Verwendung von Rübenschnitzeln zur Energieerzeugung. Doch die Einnahmen wären ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nicht nur der Zuckerverband, sondern vor allen Dingen der Bauernverband hat viele wichtigere Forderungen, die wirklich helfen könnten. Der Bauernverband fordert zum Beispiel die angemessene Nutzung von Düngemitteln. Doch Sie alle verweigern das. Der Bauernverband fordert die volle Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen. Doch Sie alle verweigern das und wollen die Bauern dazu zwingen, 4 % ihrer Fläche stillzulegen. Der Bauernverband fordert die angemessene Nutzung von Pflanzenschutzmitteln. Doch Sie alle verweigern das. Gerade die Pflanzenschutzmittel wären für die Rübenbauern wichtig. Denn das Zuckerrübenbeizen ist notwendig, um die Blattlaus zu bekämpfen. Ein Blattlausbefall kann schnell 30 bis 40 % der Ernte vernichten. Wir brauchen also keine zusätzlichen Subventionen, um ihrer Klimareligion zu huldigen. Wir brauchen einfach nur anständige Bedingungen für den Anbau der landwirtschaftlichen Produkte. Anscheinend gehen diese guten Bedingungen für eine starke Landwirtschaft nur noch mit der AfD. (Beifall von der AfD – Kirsten Stich [SPD]: Ja, klar! Hier geht ja alles nur noch mit der AfD!) Wie wichtig solche Bedingungen sind, Frau Kollegin, zeigt sich am Beispiel der Zuckerfabrik in Warburg. Diese wurde vor über drei Jahren geschlossen. Der Betrieb aus dem Jahr 1882 hatte zwei Weltkriege überstanden. Die Fabrik stützte sich auf eine enge Verbindung zur regionalen Landwirtschaft. Rund 800 Landwirte bauten Zuckerrüben für das Werk an. Jährlich wurde bis zu einer halben Million Tonnen Zuckerrüben verarbeitet. Als Nebenprodukte entstanden Rübenschnitzel, Trockenschnitzel, Carbokalk sowie Melasse in Bioqualität für Kunden in ganz Deutschland. Alles wurde genutzt, nachhaltig und regional. Das war echter Umweltschutz. Doch wie so viele Fabriken wurde auch diese geschlossen – höchst effizient und doch nicht mehr rentabel. Stattdessen kommt der Zucker aus Brasilien. Ein letzter Punkt: Die Rübenschnitzel werden doch schon jetzt energetisch genutzt. Denn sie sind wertvolles Futter für Rinder, Schweine und auch die lieben Pferde. All diese Tiere verbrennen die Energie der Rübenschnitzel, wachsen und gedeihen. Das ist Bio pur, der Kreislauf der Natur. Besser geht es nicht. Für Freiheit, Wohlstand und Vernunft. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD) 27.01.2023
