Anna Kavena
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Fast 30 Millionen Menschen engagieren sich laut Bundesinnenministerium für das Gemeinwohl, davon knapp 1,4 Millionen in den nordrhein-westfälischen Sportvereinen. Dennoch beklagen immer mehr Vereine, dass die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement abnimmt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Vorweg die wichtigste Botschaft: Der Amateurfußball hat kein Gewaltproblem. (Beifall von der SPD und Hedwig Tarner [GRÜNE] – Vereinzelt Beifall von der CDU) Eine niedrige Toleranzschwelle, Aggressionen, Beleidigungen und ein respektloser Umgang sind das Kernproblem. Denn die Frage, die sich hier stellt, ist nicht nur, wer Gewalt verübt, sondern vielmehr, welchen Ursprung Gewalt und Aggression haben und welche Weichen die Politik stellen muss, um Gewaltbereitschaft in unserer heutigen Gesellschaft frühzeitig im Keim zu ersticken. (Beifall von der SPD) Sozialverträgliches Verhalten lernt man schon im Kindesalter. Darum sind Sportvereine für die frühkindliche Entwicklung extrem wichtig. So lernen Kinder und Jugendliche, wie man mit Sieg und Niederlage umgeht und dass man im Mannschaftssport als Team agiert und die Tore gemeinsam vorbereitet. Darüber hinaus wird nicht nur das Gemeinschaftsgefühl bei Mannschaftsspielen gestärkt. Durch Zustimmung, Lob und Kritik innerhalb der Sportvereine wird zudem wertvolle pädagogische Arbeit geleistet. Genau in diesem frühkindlichen Alter werden die Weichen für Toleranz und Aggressionen gelegt. Unser politischer Ansatz muss es doch sein, gerade da, wo Sozialpolitik am meisten benötigt wird, die größte Lobby zu schaffen. Damit meine ich unter anderem auch eine wertschätzende Entlohnung für Erzieherinnen und Erzieher, für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, für Lehrerinnen und Lehrer und für all diejenigen, die unseren Kindern Werte und Normen vermitteln. Für alle, die sich jetzt in Sicherheit wiegen: Sozialverträgliches Verhalten kann man auch noch im Alter lernen. (Beifall von der SPD und Hedwig Tarner [GRÜNE] – Vereinzelt Beifall von der CDU) Legen wir den Fokus wieder auf den Vereinssport, sieht die Realität so aus, dass die Trainer ihr Ehrenamt überwiegend nebenberuflich ausüben. So beginnt zum Beispiel das Fußballtraining in der Regel um 16 Uhr. Ein Trainer, der in Vollzeit berufstätig ist und in der Regel mehrere Mannschaften trainiert, braucht demnach einen sehr toleranten Arbeitgeber, um pünktlich zum Training zu kommen; denn zum Training gehören auch die Vor- und Nachbereitung Landtag eines Spiels und viele Auswärtsspiele am Wochenende. Die Menschen in den Sportvereinen brauchen eine breite politische und gesellschaftliche Unterstützung und vor allem konkrete politische Maßnahmen, die das Ehrenamt attraktiver machen. Alle Menschen, die ein Ehrenamt ausüben und damit einen wichtigen Mehrwert für die Gesellschaft leisten, müssen ihre Arbeit ohne Hürden ausüben dürfen. (Beifall von der SPD) Im Amateurfußball benötigen wir gute Rahmenbedingungen. Hierzu zählen die finanzielle Unterstützung des Landes für die dringend benötigte Modernisierung unserer Sportstätten, die die meisten Städte nicht aus ihrem eigenen Haushalt bezahlen können. Gewaltpräventionskonzepte, Fanprojekte und Initiativen von Vereinen, die sich gegen psychische, physische und sexuelle Gewalt im Sport richten, müssen wir ebenfalls unterstützen. Vor allem müssen wir das Ehrenamt stärken, indem wir ihm die notwendige Wertschätzung entgegenbringen. Dazu gehören auch politische Maßnahmen und Ideen wie zum Beispiel die Anerkennung von Rentenpunkten für das Ehrenamt und die Bereitstellung von mehr finanziellen Mitteln für eine bessere Aufwandsentschädigung von Freiwilligen. Ohne ehrenamtlich engagierte Menschen könnten wir den Sport in Nordrhein-Westfalen in seiner aktuellen Form nicht aufrechterhalten. Deshalb möchte ich mich in meiner ersten Rede im Landtag bei allen Ehrenamtlern herzlich bedanken. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN)
