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Zacharias Schalley

AfD 26.01.2023 Sitzungen 18/22

Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Die regierungstragenden Fraktionen hatten ihren Antrag zur Biodiversität mit dem Satz „Global denken, lokal handeln“ überschrieben. Was sie tun, ist jedoch eher: globalistisch denken, global handeln. Die Ideologie, die von selbsterklärten Weltbürgern in jeden Winkel der Erde ausgebreitet wird, zerstört die Vielfalt auf der Welt. Der Traum von der „One World“ sorgt nämlich vor allem für Einseitigkeit statt für Vielfalt. Welches Symbol wäre dafür passender als das Flaggschiff-Produkt einer internationalen Fastfood-Kette: der BigMac. Was braucht man für diesen Burger? – Weizen für das Brot, Eisbergsalat, weiße Zwiebeln, Rindfleisch, Milch für den Käse, Gürkchen. Da das dahinterstehende Unternehmen aber ähnliches Greenwashing betreibt wie die etablierten Parteien, schmückt man sich überall auf der Welt mit dem regionalen Anbau der Zutaten – regionaler Anbau in Ländern, in denen die genannten Zutaten keinerlei Anbautradition haben. Die lokale Landwirtschaft wird vereinheitlicht, damit man überall auf der Welt dasselbe Produkt erwerben kann. Das steigert sicher nicht die Biodiversität beispielsweise in der Landwirtschaft, für die Sie sich in Ihrem Antrag überhaupt nicht interessieren. Durch die identischer werdenden Konsumgewohnheiten und den Rückgang regionsspezifischer Anbaukulturen geht nicht nur die biologische Vielfalt verloren, sondern auch die Fähigkeit, spezifische, für normalen Ackerbau oder Viehzucht schwierige Anbaugebiete nutzen zu können. Solche Anbaugebiete finden wir auch bei uns in Deutschland. Beispielhaft sei hier der magere Heideboden genannt, auf dem jedoch spezialisierte Nutztierrassen besser gedeihen als die für die industrielle 26.01.2023 Lebensmittelproduktion optimierten Hochleistungsrassen. Obwohl sie weniger Profit generieren, können sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt, der Landschaftspflege und der lokalen Identität leisten. Viele Erhalter-Organisationen kritisieren, dass die Schwerpunkte der neuen EU-Richtlinie für die Vermarktung von Saat- und Pflanzengut immer noch auf der Homogenität liegen und damit den Kleinbauern und regionalen Erzeugern schaden. Noch immer bleiben die Ausnahmeregelungen für seltene Sorten restriktiv. Die Vereinheitlichung der Welt und das Monopolstreben internationaler Konzerne sorgen für das Aussterben von über Jahrtausende angepassten alten Nutztierrassen und Kultursorten, die durch Einheitsvieh und Einheitsgemüse ersetzt werden. Der Maler Thomas Niederreuther stellte dazu passend fest: Der Weltmann kann von einem Bauern lernen, nicht aber der Bauer von einem Weltmann. Ein Drittel der Weltproduktion des Schweinefleischs, die Hälfte der Eier, zwei Drittel der Milchproduktion und drei Viertel des Geflügels stammen von wenigen industriellen Rassen. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gelten fast zwei Drittel der einheimischen Nutztierrassen als bedroht. Laut Bundesinformationszentrum der Landwirtschaft machen bei den Rindern heute zwei Rassen rund 76 % des Gesamtbestands aus. In der Geflügelwirtschaft liegen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen nur vier Grundrassen allen kommerziell genutzten Hybridformen zugrunde. Die Tiergesundheit dieser Generation-1-Hybride ist gegenüber den ursprünglichen Rassen deutlich schlechter. Eine theoretische zweite Generation ist gar nicht mehr vorgesehen, weil die gewünschten Eigenschaften nicht mehr vorhanden sind. Auch im vermeintlich ökologischer arbeitenden Biobereich sind Hybride der Standard: bei Geflügel wie auch bei Schweinen, im Gemüsebau, aber auch bei vielen Feldfrüchten. Die Posse um die EU-Norm der Gurkenkrümmung könnte ohne Hybride nicht erzählt werden. Die Einheitlichkeit ist im Vergleich zu traditionellen Züchtungen unfassbar und gewünscht. Auch hier: Uniformität statt Diversität. Auch in der nichtdomestizierten Tierwelt führt der Globalismus zum Absterben der Vielfalt. In Deutschland allein lagen die berechneten Mindestzahlen der erfassten Schäden durch invasive Arten laut Senckenberg Forschungsinstitut von 1960 bis 2020 bei über 8 Milliarden Euro, indirekte Kosten wie Gesundheitsschäden oder ökologische Schäden nicht einberechnet. Landtag Dass das Ausmaß der Schäden sogar noch deutlich zu gering beziffert ist, wird an folgenden Zahlen deutlich: In Deutschland sind gerade einmal 28 der knapp 200 als invasiv geführten Arten als wirtschaftlich schädigend anerkannt. Der Waschbär, um nur ein Beispiel zu nennen, der sich seit Jahren rasant ausbreitet und vielfältige ökologische wie wirtschaftliche Schäden anrichtet, ist dabei nicht einbezogen und, wie meine Kleine Anfrage zeigte, es gibt keinen politischen Willen zu dessen Eindämmung. Ein weiteres Beispiel: Der Europäische Flusskrebs wird seit rund 150 Jahren von der Krebspest dahingerafft. Angesichts dieser Entwicklung wurden aus wirtschaftlichen Gründen gezielt nordamerikanische Signalkrebse ausgesetzt. Das massenhafte Sterben der einheimischen Krebse hat sich dadurch nur noch beschleunigt. Mittlerweile ist der heimische Flusskrebs nur noch in wenigen Inselbiotopen vorhanden, während die eingeschleppten amerikanischen Krebse zu Zehntausenden aus unseren Gewässern gefischt werden müssen. Wir sehen also: Wir müssen Biodiversität ganzheitlich denken, sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Natur. (Beifall von der AfD) Und wir müssen bereit sein, die Vielfalt in der Welt gegen die Globalisierung als großen Gleichmacher zu verteidigen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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