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Dr. Martin Vincentz

AfD 26.01.2023 Sitzungen 18/22

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich hatte in der ersten Runde versprochen, nicht nur zu meckern, sondern auch ein paar Lösungsvorschläge einzubringen. Lösungsvorschlag Nummer eins liegt nicht mal im Gesundheitssystem, sondern anderswo. Wenn wir im ländlichen Raum qualifizierte Menschen ansiedeln möchten, müssen wir diesen Raum zuallererst stärken. Denn eine junge Medizinerin, ein junger Mediziner wird kaum eine Praxis in irgendeiner abgelegenen Gegend gründen, wenn es dort keine Möglichkeit zur Kinderbetreuung gibt. Häufig sind die vorhandenen Möglichkeiten – Sie kennen es vielleicht aus der eigenen Praxis – nicht so, dass man nachmittags vielleicht noch mal bis 19 Uhr die Praxis aufmachen könnte. An vielen Stellen fehlen die Betreuungsangebote, um genau das zu realisieren. Der zweite Punkt ist die Infrastruktur. Wenn kein Bus fährt und Sie in irgendeiner Art und Weise begleitet, wenn die Menschen nicht mal mehr in Ihre Praxis kommen, weil genau dieses Angebot nicht da ist, und man auf Taxifirmen von weit entfernt zurückgreifen muss, dann haben Sie ein Problem. Die erste Lösung liegt also gar nicht im Gesundheitsbereich, sondern in der Stärkung des ländlichen Raums. Solange man auf eine Zentralisierung und die neue Urbanität schielt, wird es mit der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum nicht funktionieren. Einer der wesentlichen Punkte ist die Budgetierung. Lange schon wird darüber gesprochen. Viele haben Landtag es gehört, es aber vielleicht nicht verstanden, deswegen möchte ich Ihnen das ein bisschen näherbringen. Was heißt das überhaupt? Als Mediziner trägt man in der Praxis das komplette wirtschaftliche Risiko, ist aber im Gewinn deutlich gedeckelt. Stellen Sie sich vor, Sie würden ein Schuhgeschäft betreiben. Sie verkaufen gerne viele und gute Schuhe. Sie haben ein gutes Produkt. Aber ab der Hälfte des Monats bekommen Sie für jedes Paar Schuhe, das Sie verkaufen, kein Geld mehr. Sie verkaufen die guten Schuhe, die Sie anbieten, pro bono. In der Medizin ist es aktuell so. Deswegen bekommen Sie am Ende eines Quartals oftmals keinen Termin mehr bei Ihrem Mediziner. Der muss nämlich im Regelfall, wenn die Praxis gut läuft, die gesamte medizinische Versorgung, die er am Ende eines Quartals durchführt, aus der eigenen Tasche finanzieren – und das bei einem von ihm selbst getragenen betriebswirtschaftlichen Risiko. Was heißt „betriebswirtschaftliches Risiko“? Ich möchte Ihnen das einmal anhand einer Abdomensonografie – 33042 –, also einem Ultraschall des Bauchraums, skizzieren. Es muss eine Praxis bezahlt werden, die muss warm sein, der Strom muss bezahlt werden, die MFA muss bezahlt werden, die Räumlichkeiten müssen professionell gereinigt werden – das ist wichtig – und der Datenmüll, der anfällt, kann nicht einfach so in den Hausmüll, sondern muss von einem professionellen Unternehmen abgeholt werden. Das alles kostet Geld. Zusätzlich muss diese Untersuchung durchgeführt werden. Damit Sie das machen können, brauchen Sie eine Fortbildung. Nicht, weil Sie das als Arzt bist zu diesem Zeitpunkt nicht gelernt hätten, sondern weil Sie in dieser Fortbildung lernen – das kostet dann nochmals 1.000 Euro –, wie Sie das Ganze dokumentieren, damit es bei den KVn angenommen wird. Vorher dürfen Sie das nicht abrechnen. Was bekommen Sie dann am Ende des Tages, wenn Sie einen Ultraschall vom Bauch Ihres Patienten durchgeführt haben? 16,42 Euro. Versuchen Sie mal für diese Zeit einen Anwalt zu bekommen. Ich weiß nicht, wann Sie das letzte Mal mit Ihrem Haustier beim Tierarzt waren. Der wird einen Bauchultraschall nicht für 16,42 Euro durchführen. Das ist da wesentlich teurer. Dieses gesamte wirtschaftliche Risiko tragen Sie, wenn Sie diese Untersuchung durchführen. Wenn Sie zu viele davon durchführen, können Sie diese gar mehr bezahlen. Solange auf diese Art und Weise ein Deckel eingezogen wird, solange Sie einen jungen Mediziner, der unter Umständen gerne viel arbeiten möchte, der viel leisten möchte und aufs Land geht, um dort viele Menschen zu behandeln – Patienten haben Sie wirklich zur Genüge –, nicht bezahlen, der aber am Ende des Monats die MFA, den Strom, die 26.01.2023 Reinigung etc. aus eigener Tasche bezahlen muss und keine betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten mehr hat, solange wird er es auch nicht machen. Mein nächster Punkt ist die sprechende Medizin. Jemand, der für eine so komplexe Leistung, die er durchführen und dokumentieren muss, was er auch gewissenhaft macht, 16,42 Euro bekommt, hat keine Zeit, sich großartig mit den Menschen zu unterhalten. Der muss das am Fließband durchführen, damit es sich überhaupt irgendwie rechnet und am Ende des Monats tatsächlich auch Gehalt für seine Mitarbeiter da ist. Jemand, der tatsächlich Interesse an sprechender Medizin und daran hat, dass die Patienten gut versorgt sind, muss solche Leistungen vernünftig vergüten, damit es sich überhaupt lohnt, diese Behandlungen in einer Art und Weise durchzuführen, dass am Ende auch Menschenwürde mit dabei rauskommt. Wer das unter diesen Bedingungen, wie wir sie in der Medizin unter Ihrer Politik vorfinden, nicht will, hat auch kein Interesse daran, tatsächlich die Versorgung auf dem Land zu verbessern. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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