Prof. Dr. Daniel Zerbin
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Carl Friedrich von Weizsäcker hat vor einigen Jahren einmal geschrieben: Wer die Quantenphysik verstanden hat oder dies behauptet, hat sie nicht verstanden. – Was wollte er damit sagen? Er wollte damit sagen, dass es noch viel zu 25.01.2023 entdecken gibt. Wir stehen wahrscheinlich erst am Anfang der menschlichen Entwicklung dieser Technologie. Zwei Herausforderungen müssen wir bestehen. International leben heute 8 Milliarden Menschen auf diesem Erdball. Ende des Jahrhunderts wird es wahrscheinlich deutlich zweistellig werden. Langfristig wird die Bevölkerung wachsen, auch wenn es vielleicht lokal oder temporär Einschnitte gibt. Was bedeutet das? Wir werden einen erhöhten Energiebedarf haben – insbesondere natürlich in Dritte-Welt-Ländern, weil diese nachrüsten und sich technologisch weiterentwickeln. National besteht die Herausforderung der versiegenden natürlichen Ressourcen. Steinkohle, Braunkohle und Gas werden weniger, und aus ökonomischen oder ökologischen Faktoren lohnt sich ihr Abbau nicht mehr. Dann haben wir den demografischen Faktor: Es gibt immer weniger kluge Köpfe, die immer mehr ältere Menschen ernähren müssen. Was ist die Lösung für dieses Energieproblem? Sind es erneuerbare Energien? – Vielleicht können sie das Problem zum Teil lösen, endgültig können sie es aber nicht. Die wichtigste Frage der nächsten Dekaden lautet daher: Welche Arten der Energieerzeugung haben eine Zukunft und in welcher Kombination? Von daher ist der FDP-Antrag sinnvoll. Die Fusionstechnologie ist eine zukunftsweisende Technik mit dem Ziel der Verschmelzung von Atomkernen in einem Kraftwerk zur Energiegewinnung. Die Fusionsbrennstoffe Deuterium und Tritium sind billig, gleichmäßig auf der Erde verteilt und teilweise unerschöpflich. Die Abfallprodukte sind zwar radioaktiv, aber nur schwach. Der FDP-Antrag besagt, dass aus einem Gramm Brennstoff circa 90.000 kW Energie erzeugt werden können, was der Verbrennungsenergie als Wärme von elf Tonnen Kohle entspricht. Das bestätigt auch das Max-Planck-Institut für Plasmatechnik. Dieses Institut sagt – Zitat –: „Da ein Fusionskraftwerk zudem günstige Umwelt- und Sicherheitseigenschaften aufweisen wird, könnte die Fusion nachhaltig zur künftigen Energieversorgung beitragen.“ Was ist generell das Problem? Das haben wir gerade bei der Debatte gehört: Fusion kann man nicht ohne Spaltung denken, weil die Fusion, die ganze Technik, noch Jahre brauchen wird. Die Kernenergie hat aber einen schlechten Ruf. Hiroshima, Nagasaki, Tschernobyl und Fukushima waren Beispiele dafür. Radioaktivität ist eine unsichtbare Gefahr, und wir Menschen haben einen Urinstinkt: Was gefährlich ist Landtag und was man nicht sehen kann, macht uns besondere Angst. Die Skepsis gegenüber der Kernenergie gehört zur kulturellen DNA und zur Basisidentität der Grünen. Sie passt sehr gut zur German Angst, lässt sich gut mit ihr kombinieren und ist eine Modeerscheinung der letzten Jahre. Seitdem man 2011 die Kernenergie in ihrer Gesamtheit eingestampft hat, haben wir uns mehr oder weniger isoliert. Dies erfolgte aufgrund kurzfristigen und populistischen Kalküls. Was können wir uns jetzt noch leisten? Die Schifffahrt hat man auch nicht eingestampft, weil die Titanic untergegangen ist, sondern es gibt weiterhin Schifffahrt, weiterhin logistische Lieferungen per Schiff und auch immer mehr Kreuzfahrten. Ein Beispiel ist auch die Ukraine, in der das Unglück von Tschernobyl passierte. Die Kernkraft steht in der Ukraine ganz oben, und es gibt überhaupt keine Diskussion darüber, sie abzuschaffen. Wir haben den FDP-Antrag positiv zur Kenntnis genommen. Er weist in die richtige Richtung. Wir würden uns freuen, wenn auch andere Parteien ihr Paradigma überdenken und ihren grünen Hippie-Trip beenden würden, bevor das Land energietechnisch völlig an die Wand gefahren wird. Deutschland, auch Nordrhein-Westfalen, braucht verlässliche, umweltfreundliche und günstige Energie, um weiterhin zukunftsfähig und wettbewerbsfähig zu sein. Forschung und technologische Lösungen sind die wahre Kultur und DNA der Menschen hier in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen. Wir werden der Überweisung des Antrags zustimmen und hoffen, dass sich auch andere von überholten Ideologien befreien. Es ist wichtig, dass wir hier in Nordrhein-Westfalen in der Forschung weiterhin breit und tief aufgestellt sind und in sie investieren. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
