André Kuper
Vielen Dank, Frau Kollegin. – Für die Landesregierung hat Minister Laumann das Wort. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es steht außer Frage, dass für die Landesregierung die berufliche Ausbildung eine besondere Bedeutung und einen hohen Stellenwert hat. Wir sind davon überzeugt: Wer beruflich ausgebildet ist, hat die besten Chancen auf ein glückliches und selbstbestimmtes Leben. Aufgrund des Fachkräftemangels ist es offensichtlich, dass beruflich ausgebildete junge Leute in allen Bereichen des Erwerbslebens gebraucht und gesucht werden. Bei aller berechtigten Werbung für die berufliche Bildung sollte man aber bei den Fakten bleiben. Die antragstellende Fraktion behauptet in ihrem Antrag, dass die Überakademisierung der dualen Berufsausbildung den Nachwuchs abgrabe und dass es Rekordzahlen bei den Studienanfängern gebe. Ich sage Ihnen als Minister für berufliche Bildung in Nordrhein-25.01.2023 Westfalen: Das ist sachlich falsch und entspricht nicht der Realität. Der Rekordwert der Neueinschreibungen an Universitäten war im Jahr 2013. Von 2013 bis 2021 ist die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in Nordrhein-Westfalen um 19 % gesunken, alleine von 2020 auf 2021 um 7,8 %. Eine viel zu wenig beachtete Folge dieser Entwicklung ist, dass im Jahre 2021 erstmals wieder mehr junge Menschen in Nordrhein-Westfalen mit einer dualen Ausbildung begonnen haben, als junge Menschen ein Studium aufgenommen haben. Wir hatten 105.000 neue Auszubildende und 103.500 neue Studierende. Es wird noch deutlicher, wenn man zusätzlich die mehr als 40.000 jungen Menschen berücksichtigt, die eine Ausbildung in der Pflege, in Gesundheits-, Erziehungs- oder Sozialberufen begonnen haben. Wir nennen sie offiziell immer Schülerinnen und Schüler, obwohl deren Ausbildung fast einer dualen Ausbildung gleicht. Diese Ausbildungen sind nicht im Berufsbildungsgesetz des Bundes abgebildet, sondern landesrechtlich geregelt. Auch die vorläufigen Zahlen für 2022 bestätigen den Trend, nämlich dass die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge steigt und die Zahl der Studienanfänger sinkt. Von einer faktischen Abwertung der dualen Ausbildung, die im Antrag aufgeführt wird, kann daher keine Rede sein. Das zeigt, dass die von der Landesregierung seit 2017 getroffenen Maßnahmen wirken. Gleichwohl arbeiten wir weiter an der Attraktivität der beruflichen Bildung. Wir haben die Meisterprämie für das Handwerk in Höhe von 2.500 Euro beschlossen und werden uns noch stärker als in den Vorjahren an den Kosten der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung beteiligen. Wir werden noch in diesem Jahr die Weiterentwicklung unserer erfolgreichen Unterstützungs- und Coachingangebote, „Ausbildungsprogramm NRW“ und „Kurs auf Ausbildung“ an den Start bringen. Wir werden das Überganssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss“ weiterentwickeln, vereinfachen und noch stärker auf die duale Ausbildung ausrichten. Für diese Politik bedarf es dieses Antrags nun wirklich nicht. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
