Susanne Schneider
Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Den Antrag kann man wie folgt zusammenfassen: platte Pauschalisierungen anstatt einer differenzierten Sichtweise. (Zuruf von Andreas Keith [AfD]) Neue Trends, wie etwa, dass immer mehr Abiturienten eine Berufsausbildung attraktiv finden und beginnen, werden dabei völlig ignoriert. Vor allem aber wird verallgemeinernd eine Überakademisierung unterstellt, ohne dass gesellschaftliche Entwicklungen in vielen Bereichen zur Kenntnis genommen werden. Anders als der Antragsteller wollen wir Akademiker und Studierende nicht gegen Auszubildende ausspielen. (Beifall von der FDP) Wir wollen auch keinen Bildungsweg schlechtreden. Wir stehen für die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung. Wir gönnen das Abitur jedem, der es machen möchte und dem es gelingt, von Herzen. Unsere Abiturienten und Studierenden pauschal schlechtzumachen, ist einfach nur schäbig. (Beifall von der FDP) Für die FDP-Landtagsfraktion ist die Förderung der Berufsausbildungsinfrastruktur ein erklärtes Ziel. Ein Meister ist für uns genauso viel wert wie ein Master. Daher wollen wir die Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung und akademischer Bildung weiter vorantreiben und die berufliche Bildung weiter stärken. Für uns ist klar, dass wir für mehr Innovation mehr Fachkräfte benötigen. Nur so werden wir künftig bei Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Transformation, Energieversorgung und Klimaneutralität entscheidend vorankommen. Die berufliche Bildung muss daher mehr Wertschätzung erfahren. Dazu gehört mehr gesellschaftliche Anerkennung. Vor allem aber muss im Bildungssystem die Durchlässigkeit zwischen dem akademischen und dem beruflichen Pfad verbessert werden. Schließlich werden Erwerbsbiografien immer vielfältiger und längst sind Lebensläufe nicht immer geradlinig. Die mittleren Schulabschlüsse sowie das mehrgliedrige Schulsystem treffen bei uns, der FDP-Landtagsfraktion, auf große Wertschätzung. Wir bekennen uns zum Erhalt dieses Systems und wollen, dass alle Schulformen ihre Stärken ausspielen können. Daher müssen die Informationen über unser Schulsystem und die verschiedenen Bildungswege in Deutschland weiter verbessert werden. Wir haben dies auch in der vergangenen Woche in einer Anhörung zum Anmeldeverfahren an den weiterführenden Schulen wieder gehört. Eltern müssen umfassend informiert werden, damit die Familien eigenständig entscheiden können, Landtag welcher Weg für die Kinder am besten ist. Wir wollen darüber hinaus etwa durch mehr modulare Ausbildungen, Teilzeitausbildungen und Zertifizierungen den Einstieg in die Ausbildung erleichtern; denn die Ausbildung muss zu den unterschiedlichen Lebensentwürfen und Biografien der Menschen passen. Dazu kann auch der Ausbau digitaler Ausbildungsangebote beitragen. Wir brauchen weitere Schritte, damit in noch mehr Lebensbereichen Auszubildende die gleichen Bedingungen wie Studierende vorfinden. Das gilt in besonderer Weise für preisgünstigen Wohnraum. Aber auch die Möglichkeit zu Auslandsaufenthalten muss verbessert werden. Viel zu häufig widerspricht der Zustand unserer berufsbildenden Schulen dem Vorhaben, der beruflichen Bildung mehr Anerkennung zukommen zu lassen. Die Wertschätzung für unsere Auszubildenden muss sich zuallererst an den Gebäuden zeigen. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Daher muss zeitnah der Sanierungsbedarf unserer Einrichtungen der berufsschulischen Bildung ermittelt werden. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Es gibt noch viel zu tun, um echte Gleichwertigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung herzustellen. Die FDP-Landtagsfraktion setzt sich dafür auch in Zukunft mit Leidenschaft ein. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP und Kirsten Stich [SPD])
