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Rüdiger Scholz

CDU 25.01.2023 Sitzungen 18/21

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon alles beantragt, nur noch nicht von jedem – anders kann man Ihren Antrag nicht verstehen. Da ist es gut, wenn man mit etwas Hintergrund an die Sache herangehen kann. Ich war an meiner Schule der sogenannte StuBo, der Studien- und Berufsorientierungslehrer. Ich weiß, wie schwierig es ist, vor allem Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I davon zu überzeugen, eine Berufsausbildung anzustreben. Leider lag in den letzten Jahrzehnten der Blick vor allem auf der akademischen Ausbildung. Das verstärkte den Drang zum Abitur und schwächte die Bereitschaft zu einer handwerklichen oder kaufmännischen Ausbildung. Mittlerweile ist die Erkenntnis im Lande angekommen, dass dieser Weg in eine Sackgasse führt. Eine Trendwende ist notwendig, und diese scheint mittlerweile auch einzusetzen. So Landtag zitierte der Deutschlandfunk vorgestern aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung, dass mittlerweile 47 % der Abiturienten eine Berufsausbildung beginnen. Diese Zahl lag im Jahr 2011 bei nur 35 %. Trotz dieser Entwicklung bedarf es mehr Wertschätzung für die duale Ausbildung. Schulabgängerinnen und Schulabgänger aller Schulformen und mit allen Abschlüssen müssen motiviert und beraten werden, den Weg zu einer dualen Ausbildung zu gehen. Der Koalitionsvertrag widmet sich in einem ganzen Kapitel der beruflichen Ausbildung. Dort haben CDU und Grüne vereinbart, zusammen mit der Wirtschaft, den Sozialpartnern und den Kammern Nordrhein-Westfalen zum Berufsbildungsland Nummer eins zu machen. Dazu gehört unter anderem, dass wir die Berufsschulen stärken werden. Ebenfalls muss die Phase der Berufsfindung früher stattfinden. Schülerinnen und Schüler sollen entsprechende Angebote eher kennenlernen, um sie von den Chancen einer dualen Ausbildung zu überzeugen und ihnen aufzuzeigen, welche Karrieremöglichkeiten es in einzelnen Berufen nach einem erfolgreichen Abschluss gibt. Wir wollen Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter einsetzen, die in den Schulen über ihre Erfahrungen mit der dualen Ausbildung berichten. Schon heute organisieren viele StuBo Besuche ehemaliger Schülerinnen und Schüler ihrer Schule, die eine Berufsausbildung begonnen haben und ihre persönlichen Erfahrungen nun an die derzeitigen Schülerinnen und Schüler weitergeben. Außerdem werden wir das Übergangssystem von der Schule in den Beruf „Kein Abschluss ohne Anschluss“, auch „KAoA“ genannt, weiterentwickeln. Die Praxisanteile müssen hier deutlich erhöht werden. Schließlich wollen wir die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung stärken. Studentinnen und Studenten, die frühzeitig erkennen, dass die von ihnen begonnene akademische Ausbildung vielleicht doch nicht der richtige Weg war, müssen zeitnah durch eine verbesserte Beratung Angebote für eine duale Ausbildung erhalten. Mit dem Antrag der Koalition zur Arbeits- und Fachkräfteoffensive, der gegenwärtig beraten wird, werden wir erste Pflöcke einschlagen, um Nordrhein-Westfalen zum Berufsbildungsland Nummer eins zu machen. Dazu bedarf es eigentlich keiner weiteren Anträge. Wir stimmen der Überweisung trotzdem zu. (Beifall von der CDU und Mehrdad Mostofiza- deh [GRÜNE] – Zuruf von der CDU: Sehr gut!)

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