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Zacharias Schalley

AfD 25.01.2023 Sitzungen 18/21

Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Eltern zu werden, ist ein besonders einschneidendes Erlebnis im Leben aller Paare: auf der einen Seite das große Glück rund um das neugeborene Leben, auf der anderen Seite die harte Realität und die Frage, wie das Kind in den ersten Monaten oder gar Jahren betreut werden soll. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Sechs Männer sitzen da!) Zurzeit ist die Frage für viele Eltern allerdings schon recht schnell beantwortet. Der finanzielle Druck in Verbindung mit der einseitigen Förderung der Fremdbetreuung lässt Eltern gar keine andere Wahl, als ihre Kinder in die Kita zu stecken. Aber es ist für die meisten Eltern ein regelrechtes Glücksspiel, überhaupt einen Betreuungsplatz zu ergattern, der in NRW und insbesondere in den klammen Kommunen des Ruhrgebiets im Vergleich besonders teuer ist. Es ist der klassische Zirkelschluss: Eltern müssen arbeiten, um einen Kita-Platz zu bezahlen, den sie nicht bräuchten, wenn sie nicht arbeiten müssten, um einen Kita-Platz zu bezahlen. Zu allem Übel gibt es dann noch nicht mal einen finanziellen Ausgleich, wenn man trotz Rechtsanspruchs keinen Platz bekommt. „Na klasse! Vielen Dank für nichts!“, können sich die Eltern sagen. Es ist aber auch kein Wunder, dass genau dieses System, an das Sie sich fester klammern als der Säugling an die Mutterbrust, seit Jahren kurz vor der Kippe steht. Und da Sie sich weiterhin einen feuchten 25.01.2023 Kehricht darum scheren, etwas daran zu ändern, droht es gänzlich abzustürzen. Auch wenn Ihnen das völlig egal ist, sehen das nicht nur wir so. Mehr als 150 Forscher sehen das deutsche Kita-System ebenfalls vor dem Kollaps und fordern die Politik zum Handeln auf. Sie befürchten eine Beschleunigung der Abwärtsspirale bei der Qualität und einen Zusammenbruch des Systems. Herr Professor Klaus Fröhlich-Gildhoff vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung sieht – Zitat – „die Gefahr, dass die Kindertageseinrichtungen von Lern- und Lebensorten für Kinder und Familien wieder zu reinen Aufbewahrungsstätten werden“. Zitat Ende. Ganz genau: zu reinen Aufbewahrungsstätten, in denen mittlerweile auch die nordrhein-westfälischen Kita-Verbände die Aufsichtspflicht gefährdet sehen. Und bitte verstehen Sie mich hier nicht falsch. Ich will die Kita nicht grundsätzlich schlechtreden. Aber die Zustände, in denen sich unsere Bildungseinrichtungen derzeit befinden, bringen deutlich mehr Nachteile als Vorteile mit sich. Und natürlich sollen alle Eltern selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind in eine Kita geben oder es doch in den ersten drei Lebensjahren zu Hause durch Mutter oder sogar Vater betreuen lassen. Doch genau diese Option einer Wahlfreiheit wird den Eltern aus nicht nachvollziehbaren Gründen konsequent verwehrt. Dabei wäre es die einfachste Lösung, nicht nur den Wunsch vieler Eltern zu erfüllen, sondern auch gleichzeitig immensen Druck vom Kessel zu nehmen. Denn wenn man die Zahlen der Bertelsmann Stiftung sieht und ihnen Glauben schenkt, dann werden allein in NRW bald mehr als 100.000 Betreuungsplätze fehlen. Damit droht der Kita-Landschaft der totale Kollaps. Wollen Sie das nicht erkennen? Die Leidtragenden Ihrer Politik sind wie so häufig die Kinder. Ein erschreckendes Warnzeichen waren auch die Schlagzeilen der letzten Woche. Die Zahl der Meldungen über Gewalt in Kitas ist in den vergangenen Jahren in NRW sprunghaft gestiegen. Die Zahlen zu körperlicher Gewalt, pädagogischem Fehlverhalten und sexueller Gewalt haben sich in den letzten Jahren verdoppelt und teilweise sogar verdreifacht. Inwieweit sich die gemeldeten Fälle tatsächlich bestätigen lassen oder ob es sich um eine erhöhte Sensibilisierung und somit lediglich um Verdachte gehandelt hat, muss natürlich geklärt werden. In jedem Fall ist dies aber ein Alarmsignal für die Zustände in der frühkindlichen Bildung und die Belastung der Erzieher. Ein gutes Pferd stirbt in den Sielen, wusste schon Otto von Bismarck lakonisch zu bemerken. Es ist doch völlig irrsinnig, weiter unbeirrt auf dieses durch Ihre Politik sterbende Pferd zu setzen. Selbst die Bertelsmann Stiftung sagt, dass es einfach nicht mehr realistisch sei, die Lücke zwischen Betreuungsbedarf und tatsächlicher Betreuungskapazität in den kommenden Jahren zu schließen. Landtag In diesem Sinne fordern wir Sie auf: Verschließen Sie nicht länger die Augen vor der Realität. Schaffen Sie die Voraussetzungen dafür, dass Fremdbetreuung Qualitätsstandards solcher Art entspricht, dass der Nutzen von frühkindlicher Bildung überhaupt zum Tragen kommen kann. Noch viel wichtiger: Solange das nicht der Fall ist, müssen Alternativen her. Deshalb bitten wir Sie: Schaffen Sie eine Alternative, damit Eltern, die ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren selbst betreuen würden, auch dazu der Lage sind, unabhängig von ihrer finanziellen Situation. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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