Zacharias Schalley
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Direkt zum Antrag. Ja, die Biodiversität ist weltweit bedroht. Da sind wir völlig einer Meinung. Doch was genau die Schöpfung und die Vielfalt auf der Welt bedroht, das können und wollen Sie nicht sehen. Sie ordnen alle politischen Maßnahmen zum Naturschutz Ihrer heiligen Kuh des Klimaschutzes unter. Dabei ist die größte Gefahr für die Vielfalt auf der Welt ein Phänomen, das in Ihrer universalistischen Ideologie fest verankert ist: die Globalisierung. Die fortschreitende Angleichung der Lebensverhältnisse ist die größte Gefahr für die biologische Vielfalt. Im Schlepptau des weltweiten Warenverkehrs dringen gebietsfremde Arten in Ökosysteme vor, deren Gleichgewicht sie destabilisieren. Invasive Neobiota verdrängen heimische Arten und schleppen Krankheiten ein, gegen die es in den lokalen Populationen keine Resistenzen gibt. In Ermangelung von Fressfeinden breiten sie sich ungebremst aus oder sind selbst Fressfeinde heimischer Arten, die sich dieser neuen Bedrohung nicht anpassen können. Selbst aus Sicht der EU-Kommission ist die Verbreitung invasiver gebietsfremder Arten – und das gilt sowohl für Tiere als auch für Pflanzen – einer der Hauptfaktoren für den Verlust an biologischer Vielfalt. Auch in der Agrobiodiversität, also der Vielfalt in der Landwirtschaft, sorgt die Globalisierung dafür, dass die Mannigfaltigkeit zurückgeht. Die globale Angleichung der Lebensverhältnisse verdrängt lokale Nutzpflanzen, Nutztiere und tradierte Anbaumethoden. Dieser Effekt lässt sich bereits im Lokalen gut nachvollziehen: So bestimmen weniger als 20 Apfelsorten das Angebot im deutschen Lebensmitteleinzel-Landtag handel. Vor rund 100 Jahren waren es noch über 1.000 verschiedene Sorten, die in Deutschland angebaut, verkauft und konsumiert wurden. Bei Kulturpflanzen sind bereits über 70 % der Sorten weltweit ausgestorben, bei uns in Mitteleuropa über 90 %. (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Doch diesen Aspekt blenden Sie geflissentlich aus. Sie reden von Diversität, aber kommen über Rechenspiele mit Nachkommastellen bei Durchschnittstemperaturen nicht hinaus. Insofern ist die Behauptung der Grünen, dass mit der Energiewende der Klimawandel aufzuhalten und damit auch das Artensterben zu stoppen sei, völlig absurd. Ausgestorbene Arten und zerstörte Ökosysteme leben auch nicht wieder auf, wenn wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens einhalten. Nehmen wir dazu das Beispiel des Regenwaldes. Der Regenwald wird nicht kleiner, weil der Klimawandel für das Absterben der Bäume sorgt. Nein, in den Tropen wird der Wald gerodet, um Flächen für Sojaanbau, Palmölplantagen oder Holz zur Papierherstellung zu gewinnen, also von Ihnen bejubelte nachwachsende Rohstoffe. 2016 waren 41 % des Palmölimports nach Deutschland für die Verwendung in Biodiesel bestimmt. Auch das Papier, für das grünerseits immer gerne als nachwachsender Rohstoff geworben wird, hat eine zweifelhafte Umweltbilanz. In der Herstellung wird fast doppelt so viel Energie benötigt wie für eine Plastiktüte. Hinzu kommt die deutlich höhere Belastung von Luft und Wasser durch Stickoxide, Schwefeldioxide und andere Chemikalien, mit denen die Zellstofffasern behandelt werden müssen. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Jetzt vermischen Sie aber alles miteinander!) Sich über die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien zu beklagen und den damit einhergehenden Verlust an Biodiversität anzuprangern, ist doppelt heuchlerisch, wenn hier in Deutschland genau dasselbe getan wird, um Industrieanlagen zur Energieerzeugung in Wäldern zu erbauen. Gehen wir weiter in Ihrem klimapolitischen großen Sprung nach vorne. Der von den Industrieanlagen auf Kosten der Natur produzierte Strom soll dann Elektroautos aufladen. Die Akkus der Autos benötigen Lithium und Kobalt. Doch die Lithiumförderung verbraucht in Chile 21 Millionen Liter Grundwasser, sorgt für das Austrocknen der örtlichen Seen und zerstört damit den Lebensraum zahlreicher Arten. Auch Kobalt wird im Kongo unter widrigsten Bedingungen für Mensch und Natur abgebaut. Der Treppenwitz dieser Energie- und Klimapolitik: Elektroautos werden am Ende ihres Lebens samt Akku nach Afrika oder Osteuropa verschifft, also in Länder mit geringeren Umweltstandards, wo sie dann irgendwo verklappt werden. 25.01.2023 Hier zeigt sich der wahre Kern der Globalisierung: Für das gute Gewissen wird die Umweltverschmutzung einfach ausgelagert. Der Bergsteiger Reinhold Messner wird passenderweise mit den Worten zitiert: Alternative Energien sind sinnlos, wenn sie genau das zerstören, was man durch sie schützen will: die Natur. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Dagegen würde er sich jetzt wehren!) Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
