Dr. Dennis Maelzer
Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist der SPD-Fraktion ein wichtiges Anliegen. Das haben wir durch unseren eigenen Plenarantrag unterstrichen. Die Expertinnen und Experten haben in der Anhörung bestätigt, was auch dieser Antrag zum Gegenstand hat: Es gibt viel zu wenig Therapieplätze in Nordrhein-Westfalen, und die Wartezeiten sind oftmals unerträglich lang. Dabei hatten doch alle im Angesicht von Corona geschworen, jetzt Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Doch in Nordrhein-Westfalen ist das Gegenteil der Fall. Aktuell erleben wir beispielsweise, dass die Testpflicht beim Besuch von Pflegeheimen abgeschafft werden soll und keine Freitestung nach Coronainfektionen mehr nötig ist. Kurz: Erwachsenen wird nichts mehr abverlangt, was auch Kinder schützen könnte, und so laufen die Kinderkliniken weiter voll. Während sich die Intensivstationen füllen, füllen sich auch die Wartelisten derjenigen, die auf eine Psychotherapie warten. Kollege Hafke hat die Wartezeiten ja eben benannt. In diesem Zusammenhang haben insbesondere die Kinder, denen sexueller Missbrauch angetan wurde, besondere Aufmerksamkeit verdient. Wenn wir die Polizei stärker für den Umgang mit sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen sensibilisieren, wenn wir durch ein neues Kinderschutzgesetz die personelle Ausstattung in den Jugendämtern verbessern, ja, dann werden auch mehr Fälle des sexuellen Missbrauchs aufgedeckt. Fast 40.000 Fälle sind es bereits heute in Deutschland. So bedrückend, ja himmelschreiend diese Zahlen sind, ist es doch gut so, weil es bedeutet, dass Jugendämter und Polizei fast 40.000 Mädchen und Jungen aus fürchterlichen Situationen befreit haben. Doch auch dann sind die Spuren der Taten an der Seele von Kindern noch vorhanden. Es sind traumatische Erfahrungen, mit denen wir die Kinder nicht allein lassen dürfen. Darum ist das Anliegen dieses Antrages richtig. Wenn es mehr als doppelt so viele aufgedeckte Fälle an Kindesmissbrauch in Deutschland gibt, dann muss auch die Zahl der Therapieplätze steigen. Denn so wichtig die Prävention von Taten ist, so wichtig das rechtzeitige Aufdecken und Eingreifen bei Missbrauchsfällen ist, so wichtig ist es auch, auf Traumafolgenstörungen von Betroffenen psychotherapeutisch zeitnah reagieren zu können. (Beifall von der SPD und Marcel Hafke [FDP]) 20.12.2022 2025 werden die ersten Absolventen des neuen Psychotherapiestudiengangs auf den Markt kommen. Lassen Sie uns darüber diskutieren, wie das Land Anreize setzen kann, damit sich möglichst viele von ihnen für den Bereich „Kinder und Jugend“ entscheiden. Wir wissen, dass viele junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 in der Erwachsenenpsychiatrie nicht angemessen betreut werden können. Unsere Gesundheitspolitiker weisen in diesem Fall auf positive Beispiele in Duisburg hin. Hier arbeiten Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiater eng zusammen, gerade bei sogenannten Traumafolgestörungen. Lassen Sie uns deshalb darüber sprechen, wie die Landesregierung mehr sogenannte Adoleszentenstationen und Therapiekonzepte fördern kann. Wir müssen darauf hinwirken, dass auch an den Hochschulen die Forschung zu sexueller Gewalterfahrung ausgebaut und auch mehr Lehrstühle eingerichtet werden. Frau Quik, Sie haben eben darauf hingewiesen, dass eine Professur für den Kinderschutz geplant ist. Aber dieser Antrag legt doch einen anderen Fokus, auf den wir verstärkt schauen sollten. Wir haben in Nordrhein-Westfalen mit dem Kinderschutzgesetz einen wichtigen Schritt für besseren Kinderschutz getan. Das ist in dieser Debatte schon betont worden. (Zuruf von der CDU) Es setzt allerdings einen Fokus auf die Jugendhilfe. Gerade das Thema „psychische Gesundheit und Betreuung von Opfern sexuellen Missbrauchs“ unterstreicht: Wir brauchen einen ressortübergreifenden Blick. Dazu gehören Jugendämter, Justiz und Polizei genauso wie das Gesundheitswesen und die Wissenschaft. Meine Damen und Herren, das ist die vorletzte Sitzung im Jahr 2022. Ich wünsche uns allen die gemeinsame Kraft, dass auch das Jahr 2023 ein Jahr des besseren Kinderschutzes für unser Land wird. Ich hoffe, dass der Aufschlag dieses Antrags dazu einen Beitrag leisten kann. Ich denke, wir sollten uns nicht gegenseitig erzählen, dass wir schon alles wissen, sondern wir sollten gemeinsam daran arbeiten, dass die Situation in unserem Land besser wird. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der FDP)
