Florian Braun
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Professor Pinkwart, der Gedanke der besten Bildungschancen für unsere Schülerinnen und Schüler eint uns. Die Frage, wie wir hochbegabte Schülerinnen und Schüler fördern und fordern können, ist natürlich fortwährend wichtig. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers gibt uns auch § 1 des Schulgesetzes vor. Ich darf verkürzt zitieren: „Jeder junge Mensch hat […] ein Recht Landtag auf […] individuelle Förderung“. Und zwar den eigenen Stärken und Begabungen entsprechend. Lassen Sie uns gerne über den Weg dorthin sprechen und gerne auch streiten. Dazu möchte ich gerne ausführen, was denn in Nordrhein-Westfalen aktuell eigentlich passiert: Es gibt das Netzwerk der Zukunftsschulen NRW. Allein hier sind 791 Schulen miteinander verbunden. Schulische Profile werden dokumentiert, einzelne Schulen werden begleitet und beraten, es stehen Netzwerkberater zur Verfügung, Fachtagungen und Workshops werden durchgeführt, es gibt eine Internetplattform mit Best-Practice-Beispielen und Materialien, zudem werden Anrechnungsstunden gewährt, um das Know-how zu teilen, alles finanziert durch das Land NRW – beachtlich, wie ich meine. Aus diesem Netzwerk Zukunftsschulen NRW ist zudem das Bund-Länder-Projekt „Zentren Begabtenförderung“ hervorgegangen, mit dem 23 Schulen aus unserem Land schulformübergreifend Ideen für leistungsstarke und potenziell leistungsfähigere Schülerinnen und Schüler erarbeitet haben mit den Fragen: Wie funktioniert Diagnostik? Wie kann ich Begabungen fördern? Wie gestalte ich die Übergänge, die gerade eben auch angesprochen wurden? All das wurde dort analysiert und konzipiert, wissenschaftlich begleitet, und das Know-how wird nun über das genannte Netzwerk der Zukunftsschulen in ganz NRW weiterverbreitet. Das ist aber nicht das Einzige. Hinzu kommen Schülerakademien und Schülerwettbewerbe, die die Möglichkeit für Höchstleistungen bieten. Auch hier wird hochbegabten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten, sich einzubringen. Es gibt sechs Akademien zur Förderung gerade im mathematischen, technischen naturwissenschaftlichen Bereich, ebenso finanziert durch das Land. 76 verschiedene Wettbewerbe werden vom Land finanziell unterstützt; das ist ebenfalls sehr beachtlich, wie ich meine. Darüber hinaus gibt es ein aktuell laufendes Bund-Länder-Projekt „Leistung macht Schule“, kurz: LemaS; es besteht schon seit 2016, ein mehrstufiger Prozess. Auch hier sind 40 Schulen aus NRW beteiligt, um weitere Strategien und Konzepte zur Talentförderung zu entwickeln, um aus diesen Schulen, die dann als Multiplikatorenschulen dienen, Weiteres in die Fläche zu übertragen und damit alle Schulen in Nordrhein-Westfalen insbesondere im Regelunterricht zu unterstützen. Hier werden von Bund und Ländern zusammen deutschlandweit 15 Millionen Euro investiert. Gerade für 2023 steht die zweite Phase mit dem Roll-out an. Daher ist es also nicht so, wie der Antrag der FDP-Fraktion suggeriert, dass es keine Angebote gäbe. Dazu hat – ich meine, das kann man zu Recht sagen – auch die Arbeit der vergangenen CDU-FDP-Landes-08.12.2022 regierung mit dem FDP-geführten Schulministerium beigetragen. Dazu leistet auch die Kooperation des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem FDP-geführten Bundesbildungsministerium in Sachen LemaS einen wichtigen Beitrag. Warum der Verweis auf ein einzelnes Angebot in Rheinland-Pfalz ein gutes Argument für die Forderung nach flächendeckenden Angeboten in NRW sein soll, bleibt mir ein Stück weit rätselhaft. Demnach müsste es ausreichen, wenn wir in Nordrhein-Westfalen, beispielsweise in Essen, für alle Schülerinnen und Schüler ein zentrales Angebot zugänglich machen. So gut das Kinder-College in Koblenz auch sein mag – das vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen –, bin ich doch ganz froh, dass es heute weit mehr Angebote auch in der Fläche in Nordrhein-Westfalen gibt: eben nicht nur die 23 Zentren, nicht nur die 40 LemaS-Schulen, nicht nur die 791 Zukunftsschulen, sondern auch weitere kommunale, regionale und auch private Einrichtungen wie zum Beispiel das Hochbegabtenzentrum in Brühl oder auch das Internationale Centrum für Begabungsforschung in Münster. Zum Abschluss will ich Ihnen, Herr Professor Pinkwart, ganz grundsätzlich sagen: Mit dem bereits zitierten § 1 unseres Schulgesetzes erwarte ich an jeder Schule schon heute im Schulalltag eine bestmögliche individuelle Förderung. Das ist der Job unserer Lehrerinnen und Lehrer; dafür sind sie ausgebildet. An der Stelle will ich ganz aufrichtig allen Lehrkräften in Nordrhein-Westfalen dafür danken, dass sie diese Arbeit tagtäglich machen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Beschwerden über Lehrkräfte hören wir hier oft genug; das ist aber oft schnell Polemik und in der Fläche nicht verdient. Herr Professor Pinkwart, das Beispiel Anna wird den engagierten Lehrkräften in unserem Land nicht gerecht. Sie waren selbst Lehrkraft und werden es bald wieder sein, Herr Professor Pinkwart. Lassen Sie uns neben all dem, was ich gerade eben skizziert habe, vielleicht etwas mehr Vertrauen in unsere nordrheinwestfälischen Lehrerinnen und Lehrer haben, dass sie Talente erkennen, dass sie auch mit Eltern darüber ins Gespräch kommen und überlegen, wie sie Fördern und Fordern im besten Sinne umsetzen können. Dort ist die Verantwortung effektiv und sinnvoll aufgehoben.
