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Dr. Christian Blex

fraktionslos 08.12.2022 Sitzungen 18/17

Frau Präsident! Meine Damen und Herren! Den vorliegenden Antrag zum Fachkräftemangel im Bereich der Naturwissenschaften kann man in einem Parlament, in dem der größte Teil der Abgeordneten Sozialgeschwätzwissenschaften studiert hat oder Studienabbrecher ist, fast als Satire bezeichnen. Der Hintergrund ist allerdings ernst und ein Symptom einer von Ihnen zu verantwortenden dekadenten Noch-Wohlstandsgesellschaft, in der man in der Öffentlichkeit schamlos darüber palavern kann, dass man in Mathematik immer schlecht war oder Physik nie verstand. Den Grundstein hierfür haben Sie mit Ihrer vollkommen verfehlten Schulpolitik gelegt. Als promovierter Mathematiker und Oberstudienrat habe ich selbst erlebt, wie Ihre Parteien das Anforderungsniveau gerade in Mathematik und Physik systematisch gesenkt und zerstört und diese beiden Fächer ihres Wesens beraubt haben. Die Flutung der Gymnasien mit immer mehr schwächeren Schülern sorgt für ein kontinuierliches Abfallen der Leistungsfähigkeit der Schüler. Durch die zwangsweise Orientierung am unteren Drittel der Klasse können sehr gute Schüler nicht ansatzweise ausreichend gefördert werden. Physik und Chemie haben aber weder vom Studienumfang noch von der Gewichtung als Nebenfach her den notwendigen Umfang in einem Industrieland. Wieso soll man sich auch in den Naturwissenschaften anstrengen, wenn man ohne große Anstrengung, dafür aber mit der passenden vorgegebenen Ideologie, in Religion, SoWi oder Geschichte gute Noten nachgeschmissen bekommt? Die ideologisch motivierten pseudomodernen Unterrichtsformen zerstören ebenfalls den Lernerfolg in den Naturwissenschaften. Geschwätzige Fischbowl-Diskussionsrunden oder „Toll, ein anderer macht’s!“- Teamarbeiten führen bei normal begabten Schülern eher weniger zum Verständnis der Doppelspaltinterferenz. Die systematische Überbewertung vermeintlicher Softskills und die Vernachlässigung grundlegender inhaltlicher Fähigkeiten sind dafür verantwortlich, dass wir zwar immer mehr studienberechtigte, aber immer weniger studienbefähigte Schüler haben. Dies gilt gerade im Bereich der Naturwissenschaften, wo die inhaltliche Kompetenz absoluten Vorrang hat. Landtag Die systematische Benachteiligung von Jungen in unserem zunehmend feminisierten Schulsystem tut ihr Übriges. Ja, Sie lachen da. Das ist aber Fakt. Während nur ca. 35 % der Jungen Abitur machen, sind es mittlerweile 44 % der Mädchen. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Freuen Sie sich doch mal für die Mädchen!) Wenn Eltern Jungs in der Schule haben, wissen sie auch genau, was in der Schule mit ihnen gemacht wird. Doch trotz aller inhaltlichen und methodischen Benachteiligung von Jungen im Schulsystem ist abgesehen von dem Lehramts- und dem Biologiestudium die deutliche Mehrheit der Studenten in den Naturund Ingenieurwissenschaften männlich. Um die Naturwissenschaften zu stärken, muss unser Schulsystem deshalb grundlegend reformiert werden. Versuchen Sie da als ersten Schritt mal, ein ganz klein wenig das Wesen der Naturwissenschaften zu begreifen, auch wenn das den meisten von Ihnen mit Ihrem Berufs- und Bildungshergang sehr schwer fallen wird. (Beifall von Prof. Dr. Daniel Zerbin [AfD])

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