Prof. Dr. Daniel Zerbin
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das ist eine Binsenweisheit aus der deutschen Kultur, die für viele Bereiche gilt, unter anderem natürlich auch für MINT-Fächer. MINT-Fächer spielen eine Schlüsselrolle für Standorte wie Nordrhein-Westfalen und Deutschland. Deswegen begrüßen wir den Antrag, welcher beabsichtigt, diese Fächer zu stärken und junge Menschen frühzeitig für diesen Bereich zu begeistern. Gut gemeint ist häufig schlecht gemacht. Die Problematiken in den MINT-Berufen in NRW sind älter. Im Bildungsbereich überdauern Fehlentscheidungen leider mehrere Jahre, bevor sich die Auswirkungen zeigen. Beispielsweise war die Umstellung von G9 auf G8 eine Totgeburt. Ursprünglich sollte die Verkürzung eine frühere Berufsausbildung ermöglichen, damit Absolventen schneller dem Arbeitsmarkt zugeführt werden. Die Folge war jedoch eine verminderte Studierfähigkeit der Abiturienten, überfüllte Hörsäle und eine erhöhte Abbrecherquote. Zudem wurden die Schüler durch die erhöhte Stundenzahl massiv belastet: ein Scheitern mit Ansage und eine traurige Kindheit war das Resultat. Eine Angleichung an angelsächsische Gepflogenheiten bringt nicht automatisch das gelobte Land. Ähnlich wie „Made in Germany“ war der deutsche Diplomingenieur ein deutsches Markenzeichen. MINT-Fächer sind für den Hochschulstandort Nordrhein-Westfalen existenziell wichtig, um als Forschungsstandort international bestehen zu können. Wie schon im Antrag beschrieben, nimmt der Mangel an Fachkräften im Bereich der MINT-Fächer zu, vor allem, weil die Abbrecherquoten beim Studium der MINT-Fächer überdurchschnittlich hoch sind. Nicht nur das Studium, sondern auch die Ausbildung in den MINT-Fächern muss verbessert werden. MINT-Fächer eignen sich häufig auch gut für duale Studiengänge. Diese sind besonders praxisnah. Das ist eben noch einmal dargestellt worden. Landtag Lassen Sie mich erklären, weshalb die Probleme in den MINT-Fächern bestehen. Menschen kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Talenten auf die Welt. Das ist zwar unfair, hat aber nichts mit vermeintlichen Benachteiligungen durch die Gesellschaft zu tun. Gewisse Dinge sind auf diesem Planeten so, wie sie sind. Man kann sich die Welt nicht machen, wie sie einem gefällt. Edward O. Wilson, ein bekannter Biologe und Ameisenforscher aus den USA, war Harvard-Professor und hat versucht, seine Mathekenntnisse aufzufrischen, indem er bei Kollegen in die Vorlesungen gegangen ist. Es hat ihm nichts genützt. Es lag an seiner Individualität: Er hatte eben kein Talent für Mathematik. Neben unterschiedlicher Individualität gibt es auch Unterschiede bei den Geschlechtern. Lassen Sie Männer Männer und Frauen Frauen sein. Gendern und andere Arten von Neu-Sprech werden nicht die menschliche Natur verändern können. Die Kunst einer pädagogischen Staatsführung ist es, die beruflichen Voraussetzungen so zu schaffen, dass die Menschen da arbeiten können, wo sie nach Leistung, Befähigung und Motivation hingehören. (Beifall von der AfD) Der Sozialismus hat gezeigt, dass Frauen im Beruf ihren Mann stehen können und selbstverständlich auch gute Ingenieure werden können. Künstliche Gleichmachung der Geschlechter und planwirtschaftliche Berufszuweisungen entsprechen aber nicht dem Denken einer freien Gesellschaft. In einer Bevölkerung von 83 Millionen Menschen gibt es genügend Potenzial an geeigneten Mädchen und Frauen für MINT-Berufen. Man muss sie nur dafür begeistern. Weniger aber, als irgendwelche Quoten zu erfüllen, geht es darum, MINT-Berufe für Frauen attraktiv zu machen. Es gibt diesen aus den USA stammenden Scully-Effekt. Dabei geht es um eine fiktive Person, die Forscherin für das FBI ist. Das hat dazu geführt, dass viele junge Frauen und Mädchen sich für naturwissenschaftliche Berufe begeistert haben. Dorthin müssen wir kommen. (Beifall von der AfD) Ich komme zum Schluss. Jahrelang wurden die Naturwissenschaften und damit die MINT-Fächer vernachlässigt, Gender-Studien und Gleichstellungsmaßnahmen waren wichtiger. Beispielsweise gibt es weder in Nordrhein-Westfalen noch im Bund einen Studiengang mit Promotionsrecht, der sich mit Kriminalistik bzw. Kriminaltechnik beschäftigt. Dafür gibt es aber zahlreiche Lehrstühle für Gender Studies mit zweifelhaftem wissenschaftlichem Nutzen. Gleichberechtigung bedeutet nicht Gleichmachung. Es ist wichtig, die Ursachen zu erkennen, bevor man an den Symptomen herumdoktert. 08.12.2022 Wir stimmen der Überweisung gerne zu und freuen uns auf eine fruchtbare Debatte. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
