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Christin Siebel

SPD 08.12.2022 Sitzungen 18/17

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute den Antrag der regierungstragenden Fraktionen „Fachkräfteoffensive – Herausforderungen des Fachkräftemangels im MINT-Bereich mit Potenzialen der akademischen Bildung begegnen“. Mit dem Titel gehen meine Fraktion und ich so weit d’accord, und ich vermute, dass das bei den meisten Abgeordneten der demokratischen Fraktionen der Fall ist. Das Problem ist bekannt und muss dringend in Angriff genommen werden: Der Fachkräftemangel im MINT-Bereich ist eine ernst zu nehmende Situation in Nordrhein-Westfalen. Das gilt fachbereichsübergreifend für die Chancengleichheit von Mädchen und Frauen, für die Schulen, für die Hochschulen und für die Wirtschaft. Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass wir relativ am Anfang der Wahlperiode einen Antrag beraten, der sich des Themas annimmt, aber mehr als ein Auftakt zur Diskussion ist der Antrag nicht. So allgemeingültig die Überschrift, so unkonkret die Forderungen: Acht von 13 Forderungen sind Prüfaufträge an die eigene Ministerin. Im Grunde hätte hier ein Berichtswunsch im Ausschuss auch gereicht. Wir sind in dieser Hinsicht beim nächsten Mal gern behilflich. (Beifall von der SPD) Landtag Ich will ein paar Beispiele geben, wie dieser Antrag auch mit Inhalten hätte gefüttert werden können. Sie fordern, dass die Schulen und die Kitas Kindern und Jugendlichen den Einstieg erleichtern. Das geht aber nur mit entsprechendem Personal an den Schulen. Die SPD möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Öffnung der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften für die Lehrer*innenausbildung ein dringender und auch notwendiger Schritt wäre, (Beifall von der SPD) da der Lehrkräftemangel im MINT-Bereich drastisch steigen wird. Gerade die Verknüpfung zwischen Praxis und Theorie ist eine spezifische Stärke der HAWs, die bei einer Ausbildung von Lehrkräften für Berufskollegs voll zum Tragen käme. (Beifall von der SPD – Raphael Tigges [CDU]: Das steht im Antrag! – Jochen Ott [SPD]: Das hättet ihr in der letzten Legislaturperiode längst wissen können, aber nicht als Prüfauftrag! Wir wissen das doch längst!) Spricht man mit den Hochschulen über die Wichtigkeit der dualen Studiengänge im MINT-Bereich, wird deutlich, dass gerade diese Art des Studiums von weiblich gelesenen Studierenden bevorzugt wird. 31,3 % der Studierenden im Jahr 2020 waren laut dem Statistischen Bundesamt Frauen. Frau Eisentraut, Sie haben es gerade gesagt: Zu Beginn des Studiums waren es noch 35 %; die Abbrecher*innenquote wird auch da deutlich. Die Zahlen stagnieren allerdings in den letzten Jahren. Gezielte Talentförderung – Sie haben es auch gesagt – eröffnet manch Interessierte überhaupt erst den Gedanken daran, den Einstieg in die doch noch sehr männerdominierte Branche schaffen zu können. In der Ausbildung ist der Frauenanteil übrigens noch geringer: Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung waren im Jahr 2019 nur 11 % der Azubis weiblich. Was fordern wir also? Wir müssen die Ursachen der Stagnation feststellen sowie geschlechterspezifische Angebote an Berufskollegs, Berufsmessen und Schulen steigern. Hier müssen Wissenschaft und Wirtschaft Hand in Hand arbeiten. Wir müssen auch darüber reden, wie bereits die Kleinsten in unserer Gesellschaft Spaß an Wissenschaft entwickeln: mal durch ein Mikroskop Zellstrukturen mit dem bloßen Auge erkennen, einen Stromkreis ans Laufen bringen und lernen, wie aus Milch Käse wird. Die Initiative zdi – sie wurde hier zum Glück auch schon angesprochen – spielt hier eine große Rolle. Mit über 70 Schüler*innenlaboren in Nordrhein-Westfalen soll die Begeisterung für Technik und Innovation gefördert werden. Gerne würde ich hier mehr als ein paar Schlaglichter auf die inhaltlichen Forderungen des Antrags werfen; 08.12.2022 leider fällt mir das wegen der fehlenden Substanz nicht ganz leicht. Die Überweisung an den Ausschuss lässt vermuten, dass wir im Ausschuss noch externen Expertinnen und Experten das notwendige Gehör verschaffen werden. Ich freue mich daher auf die konstruktive und gern auch sehr konkrete Auseinandersetzung im Ausschuss. Natürlich stimmen wir der Überweisung zu. – Vielen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD)

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