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Raphael Tigges

CDU 08.12.2022 Sitzungen 18/17

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir versuchen jetzt, uns dem Fachkräftemangel etwas fundierter zu widmen und nicht mit populistischem Unsinn, wie von Herrn Loose hier gerade geäußert. (Beifall von der CDU, der SPD und der FDP) Der Begriff des Fachkräftemangels ist derzeit in aller Munde. Es ist ein Thema, das uns als Abgeordnete bei fast jedem Besuch eines Unternehmens, vom Handwerk bis hin zur Industrie, aber auch in Kitas oder in Krankenhäusern an uns herangetragen bzw. adressiert wird. Der Fachkräftemangel ist aber mehr als ein Modewort, denn er ist neben der Energiekrise und den Kostensteigerungen in vielen Bereichen zu einer akuten Bedrohung unseres Wirtschaftsstandortes und der Zukunftsfähigkeit der Unternehmen geworden. Diese Entwicklung wird sich aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen. Die Zukunftskoalition aus CDU und Grünen nimmt das Thema daher sehr ernst und hat die Zeichen der Zeit erkannt. Bereits mit der Aachener Erklärung der CDU-Fraktion haben wir dieses Thema aufgenommen und deutlich gemacht, dass es wichtig ist, dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften aus ganz unterschiedlichen Perspektiven entgegenzuwirken und damit Arbeitsplätze, Wohlstand und Innovationskraft zu sichern. Kern unseres Anliegens ist, gerade in den Bereichen „Mathematik“, „Informatik“, „Naturwissenschaften“ und „Technik“ den potenziellen Nachwuchs zu fördern. Es gilt, die Grundlagen bereits früh in einer Kita oder Schule zu legen. Aber auch unsere starke und vielfältige Hochschullandschaft muss und kann ihren Beitrag dazu leisten. Ich möchte auch hier noch einmal deutlich sagen: Wir dürfen nicht zulassen, dass die berufliche Ausbildung und die akademische Ausbildung bzw. ein Studium gegeneinander ausgespielt werden, sondern wir müssen beides als gleichwertig betrachten und das gemeinsam denken. Landtag (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der FDP – Jochen Ott [SPD]: Na, dann ab in die Verfassung!) Ich sage ebenfalls sehr deutlich: Nicht nur junge Menschen mit Abitur oder Hochschulabschluss sind ganze Menschen. Im Gegenteil, eine berufliche Ausbildung im Handwerk oder in der Industrie wird künftig ganz neue Karriere- und Verdienstmöglichkeiten eröffnen. Das muss sich natürlich in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler, der Lehrkräfte, aber vor allem auch der Eltern und weiterer Akteure festsetzen. Lassen Sie mich drei Ansatzpunkte nennen, wie die akademische Bildung hierzu ihren Beitrag leisten kann und wie wir sie in diesem Antrag abbilden möchten: Erstens. Wir wollen mehr junge Menschen für eine Ausbildung in den naturwissenschaftlichen und technischen Berufsfeldern gewinnen und ihnen entsprechende Möglichkeiten zur frühzeitigen Orientierung bieten. Hier gilt zu prüfen, wie wir in Kitas oder Schulen das Interesse für die MINT-Fächer wecken. Mit der Gemeinschaftsinitiative „Zukunft durch Innovation.NRW“, zdi, verfügen wir in NRW bereits über das größte Netzwerk zur Förderung des MINT-Nachwuches in Europa. Mehr als 4.500 Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind hierüber bereits vernetzt. Dies gilt es zu stärken und auch die Talentscoutingprogramme daraus weiterzuentwickeln. Zweitens. Wir setzen uns mit diesem Antrag für mehr und wechselseitige Durchlässigkeit zwischen Berufsausbildung und akademischer Ausbildung ein. Dazu gehört eine effektive Beratung von Schülerinnen und Schülern zu ihren Berufswünschen und Qualifikationen. Die Orientierung, ob ein Studium, ein duales Studium oder die Ausbildung der richtige Weg ist, muss schon sehr frühzeitig beginnen. Hier sind neben den Angeboten in den Schulen Maßnahmen weiterzuentwickeln, die eine verbesserte Zusammenarbeit zum Ziel haben, um eine fundierte Orientierungsphase für die zielgenaue Auswahl von Studiengängen für angehende Studierende zu ermöglichen und auch um zu prüfen, wie duale Studiengänge – Ausbildung und Studium – ausgebaut und gestärkt werden können. Ein weiterer Schritt in diesem Bereich ist die Stärkung entsprechender Beratungsangebote an Hochschulen, um Langzeitstudierenden, Studienabbrechern oder Studienzweiflern bei einem Wechsel in die berufliche Ausbildung zu helfen und um sie zum richtigen Abschluss zu begleiten. Drittens. Die Berufsausbildung braucht in unserem dualen Ausbildungssystem ausreichende und auch qualifizierte Lehrkräfte – Lehrkräfte an Berufsschulen 08.12.2022 zum einen, Lehrer in den MINT-Fächern an allgemeinbildenden Schulen zum anderen. Wir wollen daher prüfen, wie sich insbesondere die Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit ihrer praxisorientierten Ausrichtung bei der Ausbildung von Berufsschulkräften noch viel stärker einbringen können und wie die Kooperation zwischen den HAWs und den Universitäten bei der Lehramtsausbildung bedarfsorientiert weiterentwickelt werden kann. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nur gemeinsam, mit vereinten Kräften, fach- und ressortübergreifend können wir im Bildungsbereich dem Fachkräftemangel entgegentreten. Daher bin ich der Landesregierung sehr dankbar, dass sie bereits die Fachkräfteoffensive NRW initiiert hat. Mit dem Antrag wollen wir daran anschließen und diese zielgerichtet unterstützen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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