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Dietmar Brockes

FDP 08.12.2022 Sitzungen 18/17

Guten Morgen, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es freut mich, Sie alle wieder frisch und munter hier anzutreffen. Man könnte wirklich meinen, wir haben uns eben noch gesehen, und das nicht nur bei der sehr schönen Andacht, Herr Präsident. Aber kommen wir zum Thema; es ist ein ernstes. Der Wald war immer schon ein Sehnsuchtsort für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, denn er verspricht Ruhe und Erholung. Die Natur hilft, Belastungen besser zu bewältigen. Aber der Wald leidet. Der Waldzustandsbericht 2022 zeigt, dass mehr als 70 % der untersuchten Bäume eine zu schwache Kronenverdichtung haben. Der Waldboden leidet unter Schadstoffen aus Luft und Niederschlägen sowie den Folgen des Klimawandels. Von den untersuchten Bäumen sind lediglich 28 % völlig gesund. Fast sämtliche Eichen und Buchen gelten als beschädigt. Nur 14 % der Eichen sind in einem gesunden Zustand, und die Fichtenkulturen sind fast völlig zerstört. Seit der Erhebung im Jahr 1984 hat sich der Zustand des Waldes permanent verschlechtert. Schon der letzte Waldzustandsbericht kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Der Anteil der stark beschädigten Bäume ist zwar im Vergleich zu 2021 leicht von 40 % auf 38 % gesunken, aber die Zahlen sind immer noch zu hoch. Das muss uns Sorge bereiten. Um den Zustand des Waldes wieder zu verbessern, braucht der Wald unsere Hilfe. Damit der Wald mit den Herausforderungen wie Dürre, Schädlingsbefall und Klimaanpassung umgehen kann, braucht der Wald in Nordrhein-Westfalen eine aktive Unterstützung sowie eine nachhaltige Bewirtschaftung. Der Wald darf sich nicht selbst überlassen werden. Aus eigener Kraft schafft er die Revitalisierung nicht. Er muss funktional erhalten bleiben. Wir können es uns auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht leisten, den Wald sich selbst zu überlassen. Wenn wir den Wald sich selbst überließen, müssten Landtag wir über Jahrzehnte auf die Dienstleistung des Waldes verzichten. Nur durch die Bewirtschaftung des Waldes und die Einnahmen aus dem Holzverkauf lässt sich das System am Laufen halten. Frau Ministerin Gorißen bekräftigte diese Aussage bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2022. Aber nun stimmt die Aussage von Frau Ministerin Gorißen nicht mit dem schwarz-grünen Koalitionsvertrag überein. Darin haben CDU und Grüne festgeschrieben, dass sie Staatswaldflächen für den Waldnaturschutz sichern und aus der Nutzung nehmen wollen. Bündnis 90/Die Grünen will eine Wiederaufforstung durch Naturverjüngung. Voraussetzung dafür ist ein stabiler, vitaler und leistungsfähiger Altbestand. Den haben wir aber nicht, meine Kolleginnen und Kollegen. Der Umbau des Waldes ist wichtig. Diese Diskussion muss allerdings ideologiefrei geführt werden. Die Funktionalität des Waldes muss erhalten bleiben. Daher frage ich die Landesregierung. Ich bin gespannt, wer gleich seitens der Landesregierung darauf antworten wird, die zuständige Ministerin ist ja leider verhindert. Aber auch die sie vertretende Ministerin sehe ich noch nicht. Deswegen frage ich die anwesenden Ministerinnen und Minister: Was möchte diese Landesregierung tun, um den Waldzustand zu verbessern? Welche aktiven Maßnahmen ergreifen Sie? Aus Sicht der Freien Demokraten sind Maßnahmen im Waldboden, der Aufforstung und Schädlingsbekämpfung von zentraler Bedeutung, um heimische Wälder zu schützen und klimasicher zu gestalten. Aus diesem Grund sind Bodenschutzkalkungen als wichtige Maßnahme der Revitalisierung und des Schutzes der Wälder konsequent einzubeziehen. (Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE]) Die Bodenschutzkalkung nähert den Säuregrad des Bodens wieder an den standorttypischen natürlichen pH-Wert an. Der natürliche Bodenzustand wird dadurch perspektivisch wiederhergestellt. Dieser bildet die Grundlage für Biodiversität und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Zudem hat die Bodenschutzkalkung einen positiven Einfluss auf die Humusstruktur. Der Boden wird dadurch besser belüftet, und es kann sich eine tiefere und intensivere Durchwurzelung entwickeln. Meine Damen und Herren, der Staatswald Nordrhein-Westfalens hat großen Nachholbedarf. Hier wurden seit ca. 15 Jahren – 15 Jahren! – keine Bodenschutzkalkungen mehr durchgeführt. Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, auch im Staatswald Bodenschutzkalkungen durchzuführen. Um die dafür notwendigen Bedarfe zu ermitteln, muss für die Waldböden in Nordrhein-Westfalen eine Kalkungskulisse erarbeitet werden. 08.12.2022 (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Ich glaube, Sie haben eine alte Rede genommen!) Darüber hinaus helfen Informationskampagnen zum Bodenschutz dabei, die über 150.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer über die Vorteile der Bodenschutzkalkung aufzuklären. Bodenschutzkalkungen sind ein wichtiger Baustein, um den Wald klimaresilient aufzustellen. Helfen Sie mit, unseren Wald wieder zu schützen und zu revitalisieren. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf Ihre Unterstützung. (Beifall von der FDP – Norwich Rüße [GRÜNE]: Das war sehr schwach!)

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