Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Der Koalitionspoker trägt manchmal seltsame Blüten. Das ehemalige Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz wird aufgeteilt: CDU übernimmt Landwirtschaft, die Grünen übernehmen die Umwelt. Wer hier das bessere Blatt auf der Hand hatte, ist dabei nachrangig, denn die CDU wird in jeder Koalitionsverhandlung, um im Bild des Pokerspiels zu bleiben, callen – Hauptsache, sie kommt am Ende an den Pott. 07.12.2022 Man hat sich scheinbar nur ausgebeten, doch wenigstens den Anschein zu erwecken, dass man bei der CDU noch die Bauern und den ländlichen Raum bedient. Dafür kriegen die Grünen alles, was sie wollen. Und tatsächlich ist diese Aufteilung vor dem Hintergrund der stets aufs Neue praktizierten Klientelpolitik nur logisch: Die CDU kann die Bauern ruhig halten und im Zweifel auf den bösen grünen Umweltminister zeigen. Die Grünen wiederum haben die Ressourcen und die Macht, die Agenda ihrer Vorfeldorganisationen in die Ministerien zu tragen. Was dabei auf der Strecke bleibt: der eigentliche Sinn der nun getrennten Ministerien. Die Natur hier bei uns in Nordrhein-Westfalen ist Kulturlandschaft. Es gibt keine unberührte Natur. Vielmehr ist die Landschaft über Jahrtausende von Menschen und insbesondere der Landwirtschaft geprägt. Die Artenvielfalt resultiert direkt aus der mannigfaltigen Nutzung in der Landwirtschaft, die sich an die natürlichen Gegebenheiten angepasst und vielfältige Lebensräume geschaffen hat. Deren Bewohner brauchen keine von menschlichen Einflüssen freie Natur, wie sie der grüne Umweltminister anstrebt. Dazu ein paar Beispiele: Der Wiedehopf als Vogel des Jahres 2022 kommt bei uns vor allem in extensiv genutzten Obst- und Weinkulturen, in Gegenden mit Weidetierhaltung sowie auf Ruderalflächen vor. Auch der vom Aussterben bedrohte Feldhamster ist in Mitteleuropa auf bewirtschaftete Flächen und deren Randzonen beschränkt, wohin er als typischer Kulturfolger im Zuge der landwirtschaftlichen Erschließung vordrang. Beide Tiere sind prominente Beispiele dafür, dass heute vom Aussterben bedrohte Arten direkt auf die menschliche Nutzung in Form von Landwirtschaft angewiesen sind. Wenn man diese Tierarten retten will, so muss man nicht einen zweiten Nationalpark ausweisen, sondern unsere Natur als Kulturlandschaft erhalten. Dazu brauchen wir die Bauern und eine landwirtschaftliche Nutzung. Doch geht es den Grünen überhaupt noch um den Schutz der heimatlichen Natur? Überall in NRW wird die Natur im Namen des Klimaschutzes zerstört, und der Treiber dieser Entwicklung ist die Partei, die einstmals groß wurde, indem sie den Naturschutz zu ihrem Kernthema machte. Nun könnte man dies ironisch oder heuchlerisch finden, doch tatsächlich ist es denklogisch nur konsequent, denn den Grünen ging es nie um den tatsächlichen Schutz der Natur. Die Natur der Grünen ist nicht ökologisch, sondern sie ist technisch. Das verheißt für die organisch gewachsenen Lebensräume nichts Gutes. Die Grünen wollen nämlich keinen tatsächlichen Wandel hin zu Nachhaltigkeit und Naturschutz, sondern sie wollen vor allen Dingen eines: Weitermachen wie bisher, nur mit Elektroautos anstatt mit Benzinern. (Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE]) Landtag Ausgestorbene Arten und zerstörte Ökosysteme leben auch nicht wieder auf, wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt werden. Wenn der für diese Politik mittlerweile sinnbildliche Rotmilan durch die Rotorblätter einer Windkraftanlage erschlagen wird, dann bezeichnen das die Grünen in einem Erlass als negative Auswirkungen auf windenergiesensible Tierarten. Was für ein bürokratischer Euphemismus! Ein einmal gefällter Baum ist gefällt und bleibt das auch. Es braucht Jahrhunderte, bis an dieser Stelle ein neuer wachsen kann, sofern nicht zwischenzeitlich eine Ladesäule für ein E-Auto dort gebaut wurde. Noch weniger liegt den Grünen an der Natur und ihrer Bedeutung als Heimat. Die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien beklagen sie ebenso tränenreich wie heuchlerisch, wenn sie doch hier in Deutschland genau das Gleiche tun, indem sie im Namen der Energiewende Wälder roden und Kalamitätsflächen mit Windkraftanlagenpflastern, anstatt sie aufzuforsten. Die Natur ist die sichtbare Ausgestaltung unserer Heimat, und aus der Natur sind unsere Kultur und unsere Identität als Deutsche entsprungen. Was man bei den Grünen aber von Vaterlandsliebe hält, das hat Robert Harbeck unmissverständlich klargestellt. (Zuruf von den GRÜNEN) Wir stehen hingegen für einen echten Naturschutz als Heimatschutz und gegen die Pervertierung von Umweltpolitik, die im grün geführten Ministerium praktiziert wird. Der Mensch ist kein Störfaktor in der Natur, sondern er ist ein Teil davon. Wer seine Heimat nicht liebt, der kann auch die Natur nicht lieben. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Oh Gott, oh Gott!) Unsere heimatliche Natur ist nicht nur ein Warenlager von nachwachsenden Rohstoffen oder ein Standort für Industrieanlagen, sondern sie ist unsere Heimat, unsere Geschichte und unsere Kultur. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
