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Dr. Martin Vincentz

AfD 07.12.2022 Sitzungen 18/16

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Schmitz führte es vorhin schon aus: Bei einem Haushalt, der zwar beachtlich ist, bei dem aber weit über 90 % versteinert sind, wo eigentlich nur Posten durchgereicht werden, bleibt wenig Platz für Kreativität. Daher hätte ich, getreu dem Motto: „Ein Pferd springt nur so hoch, wie es muss“, meine Rede aus dem letzten Jahr wiederholen können. Das wäre wahrscheinlich den wenigsten aufgefallen. (Heiterkeit von Enxhi Seli-Zacharias [AfD]) Ich habe mich aber stattdessen dafür entschieden, die Redezeit mit zwei Anekdoten zu füllen. Anekdote eins kommt aus der Weltraummedizin, ein relativ kleines noch relativ neues Fach der Medizin, was viele Besonderheiten des menschlichen Körpers in einer neuen Umgebung untersucht. Da gibt es einige Spezifikationen, zum Beispiel dass Keimfreiheit oder Keimärme im Universum bzw. im Vakuum den menschlichen Körper vor gewisse Herausforderungen stellt. Dazu kommen wir gleich noch im Teil Gesundheit zu der Frage, was passiert, wenn man das menschliche Immunsystem nicht trainiert. Ein weiterer Punkt ist, dass aufgrund der fehlenden Schwerkraft der Kopf schwillt – ganz spannend –, aber worauf ich eigentlich hinaus möchte: Im Vakuum wird Wärme nicht gut abgeleitet. Man kann nur durch Strahlung Wärme abgeben, deshalb bildet sich um einen Menschen, der – nur einmal angenommen – einfach so im Raum steht, ein gewisses Wärmeschild. Die Wärme nimmt immer weiter zu, und wenn man sie nicht künstlich ableitet, stirbt man irgendwann an der vom eigenen Körper gut gemeinten Wärme, die er erzeugt, um den Körper auf 37 °C zu halten. Es gibt einen Hitzestau, und das führt zu Problemen. Behalten Sie das in Erinnerung. Zweiter Sprung: Wir gehen jetzt nach Knossos, und zwar in eine der ersten Kulturen zur Bronzezeit. Wenn Sie Glück hatten und im Geschichtsunterricht aufgepasst haben, haben Sie vielleicht mitgekriegt, dass es den sogenannten Bronze Age Collapse gab. Man weiß noch nicht genau, warum das so war, (Zuruf von Rodion Bakum [SPD]) warum die Weltbevölkerung damals dramatisch abnahm und warum Hochkulturen wie beispielsweise in Knossos plötzlich eingebrochen sind und es dort über Jahrhunderte hinweg de facto nur noch sehr wenige Menschen gab. Es gibt dazu aber einige Theorien. Eine sehr dominante Theorie, mit der man versucht, das zu erklären, geht davon aus, dass diese Gesellschaften tat-07.12.2022 sächlich sogar sehr erfolgreich waren. Als man mit der Sesshaftigkeit angefangen hat, Ackerbau zu betreiben, wurden diese Gesellschaften sehr erfolgreich. Es gab immer mehr Menschen – bei diesem Punkt wird es auch für uns spannend –, die nicht mehr mit der reinen Nahrungsmittelbeschaffung beschäftigt waren. So konnte das Korn an eine Priesterkaste abgegeben werden. Wenn Sie Zeit haben, können Sie mal die schönen Gebäude in Knossos besichtigen. Das ist sehr hübsch. Das Korn, das dort gesammelt wurde, wurde dann an andere verteilt. Es gab einen großen Aufwuchs an Personen, die nicht mehr mit dem Notwendigsten, also dem Ackerbau bzw. dem Beschaffen von Nahrungsmitteln oder dem Errichten von Gebäuden, beschäftigt waren. Der große Kollaps kam, als sich in der Umgebung plötzlich die Bedingungen für den Ackerbau änderten, es also einen Wettereinbruch gab. Für die damalige Zeit wird eine Abkühlung vermutet. In der Menschheitsgeschichte waren Abkühlungen übrigens deutlich schlimmer als Erwärmungen der Erde, das hat tatsächlich mehr Menschenleben gekostet. Das jedenfalls führte dazu, dass die Kulturen in der Bronzezeit einen regelrechten Kollaps erlitten haben, weil immer weniger Menschen mit dem Wesentlichen beschäftigt waren und immer mehr Menschen von staatlichen Abgaben lebten. Das führte am Ende dazu, dass sich keiner mehr ernähren konnte und diese Gesellschaften kollabierten. Warum erzähle ich Ihnen das alles? – Ich sehe es an Ihren Gesichtern. (Lachen von der SPD – Zuruf von der SPD: Um die Zeit zu füllen! – Dr. Günther Bergmann [CDU]: Gute Frage!) Weil es gute Ableitungen für die aktuelle Situation ermöglicht. Wir sehen in der aktuellen Situation: Die Ausgaben für Soziales steigen von Jahr zu Jahr. Das ist ein Stück weit verständlich, schon weil die Haushaltseinnahmen auch immer weiter steigen. Aber wir sehen, dass das Leid dadurch nicht unbedingt gemindert wird, es gibt immer noch Obdachlosigkeit, es gibt immer noch Menschen, die leidend sind. Die Bundesrepublik Deutschland gibt mittlerweile jeden dritten in der Republik erwirtschafteten Euro für Soziales aus, und das meint nicht nur jeden dritten Euro des Haushalts, sondern wie gesagt jeden dritten überhaupt erwirtschafteten Euro. Das geschieht in einer Zeit, in der es wegen des demografischen Wandels absehbar eine Abnahme der Leistung gibt, also weniger Geld verteilt werden kann. Wir stehen somit vor einer Situation – und jetzt wird es weniger spaßig, sondern sehr ernst –, in der wir uns die Sozialausgaben absehbar schlichtweg nicht mehr leisten können. Und hier sprechen wir nicht von einem Zeithorizont der nächsten 30 oder 60 Jahre, sondern wahrscheinlich eher der nächsten 15 Jahre, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Landtag Niemand spart gerne bei Obdachlosen, niemand spart gerne bei der Aidshilfe, niemand spart gerne beim sozialen Arbeitsmarkt, aber es ist absehbar, dass das von unserem Staat nicht mehr leistbar sein wird. Deshalb müssen wir uns die Frage stellen, wie ein Sozialstaat organisiert werden muss, wenn die Gesellschaft sich das schlichtweg nicht mehr leisten kann, aber nicht zusammenbrechen möchte wie frühere Kulturen in der Bronzezeit oder der Eisenzeit. Wir als AfD liefern Ihnen natürlich direkt eine Lösung dafür: Der Schlüssel ist, deutlich mehr in Arbeit zu investieren. Das Beispiel aus der Bronzezeit hat gezeigt, dass wir die Menschen, die sich aktuell im Sozialsystem befinden, deutlich häufiger an Arbeit heranführen und deutlich mehr dafür machen müssen, dass sie wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. (Zuruf von Lena Teschlade [SPD])

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