Dr. Martin Vincentz
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Thema „Kur“ ist wichtig. Für viele Menschen ist die Kur ein Rückzugsort, der dringend gebraucht wird, um wieder Gesundheit zu tanken. Daher ist es absolut legitim, hier über die Nöte der Kurorte bzw. der Kliniken zu sprechen, ganz unabhägig davon, dass wir auch in mehreren Briefen, wie vorhin geschildert wurde, dazu aufgefordert wurden, uns des Themas anzunehmen. 23.11.2022 Aber vielleicht kann man den Umstand, dass wir das Thema jetzt besprechen, auch dazu nutzen, um über gewisse Regularien zu reden, die damit einhergehen, wie man überhaupt an eine Kur kommt. So ist mir ein Fall erinnerlich, wo jemandem, der seine Frau zu Hause gepflegt hat, vorgeschlagen wurde, eine Kur zu machen. Es ist – Sie alle wissen das – allerdings nicht so einfach, wiederum einen Kurzzeitpflegeplatz für den zu Pflegenden zu bekommen, weswegen der ältere Herr die Kur ablehnte. Als dann, wie es leider passiert ist, seine Frau verstorben war und er nun wirklich dringend eine Kur hätte gebrauchen können, waren die Zahlungsträger offensichtlich nicht mehr gewillt, diese Kur zu genehmigen. Wenn wir also über Kuren sprechen, können wir vielleicht auch darüber reden, wie die Regularien sensibler gestaltet werden können und Kuren nicht nur für Menschen finanziert werden, die aktuell unter Pflegebelastung stehen, sondern auch den Menschen eine Kur zugutekommt, die gegebenenfalls durch so einen Schicksalsschlag gezeichnet sind. Aber mindestens genauso wichtig wie ein Rettungsschirm, wie Sie ihn hier fordern, ist die Abschaffung der Coronarestriktionen, die es den Einrichtungen fast verunmöglichen, vernünftig zu arbeiten. Eine Absenkung auf 85 % Auslastung wirkt da eher wie eine weltfremde Stütze. Wenn man die Kliniken endlich wieder in die Lage versetzen würde, auf Vollauslastung zu fahren, dann hätte man auch diese Finanzierungsprobleme als einen der von Ihnen kritisierten Punkte nicht. Wenn wir hier heute über Familien- und Kindergesundheit sprechen – und insbesondere bei dem Begriff „Familie“ tut sich die Hälfte hier im Saal schon schwer, genau zu definieren, was das überhaupt ist, diese wichtige Stütze der Gesellschaft –, (Beifall von der AfD) dann müssen wir auch über die Kinderintensivstationen und Pädiatrien sprechen. Das eine geht schlicht nicht ohne das andere. Wenn hier nicht dringend – und zwar in diesem Winter und schnell – nachgebessert wird, dann steht uns ein wirklich harter Winter bevor, und zwar nicht wegen Corona, sondern weil Sie die Pädiatrien sukzessive vor die Wand gefahren haben, weil Kindergesundheit in der Pandemie oft hinter anderen Themen anstehen musste. Und jetzt sind die Kleinsten in unserer Gesellschaft die Leidtragenden Ihrer Politik. (Beifall von der AfD) Mein Dank – und damit möchte ich schließen – geht an dieser Stelle vor allen Dingen an diejenigen, die in diesen schwierigen Zeiten weiterhin im System, in den Kliniken die Stellung halten. Ich weiß es selber: Das Schlimmste für die Helfer ist es, irgendwann nicht mehr helfen zu können, weil ihnen schlichtweg die Hilfe von außen fehlt. Das Beste, was wir in Landtag dieser Situation machen können, ist, den Helfern zu helfen. Bitte helfen Sie dabei mit, dass uns in den Pädiatrien nicht irgendwann tatsächlich der Platz ausgeht. Wenn wir in die Situation einer Triage geraten, wie Sie sie hier häufig an die Wand skizziert haben, dann wird es dazu eben nicht auf den regulären Intensivstationen kommen, sondern diesen Winter wahrscheinlich auf den Kinderintensivstationen und auch in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
