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Prof. Dr. Daniel Zerbin

AfD 23.11.2022 Sitzungen 18/14

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau Ministerin Brandes hat in der kleinen Regierungserklärung im Wissenschaftsausschuss ausgeführt, dass die aktuelle schwarz-grüne Landesregierung den Spitzenstandort Nordrhein-Westfalen ausbauen möchte, und der Begriff „Forschung made in Germany“ sollte erneut als Qualitätsmerkmal aufgestellt werden. Gerade Nordrhein-Westfalen als Bundesland mit der höchsten Dichte an Forschungsinstituten und Technologiezentren in Europa muss den Anspruch beibehalten, diese Spitzenposition verteidigen zu wollen. Doch wie so häufig scheint hier der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein, denn schon titelten die ersten Tageszeitungen, dass wir nur gut durch den Winter kommen, wenn diese nicht zu kalt werden. Zynisch könnte man jetzt behaupten, dass die Angst vor dem Klimawandel mittlerweile der Hoffnung vor dem Klimawandel weichen muss. Denn sonst gehen bald aufgrund der aktuellen Energiekrise bei kaltem Wetter die Lichter im Lande aus. Doch nicht nur in der Gesamtgesellschaft ist diese Tatsache ein immer größer werdendes Problem. Auch der Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen wird unter diesem Aspekt gefährdet. Nehmen wir das Beispiel des neuen Quantencomputers in Jülich. Nicht nur wird hier der erste Quantencomputer mit über 5.000 Qubits in Europa in Betrieb genommen, es ist auch der erste Quantencomputer mit einer derartigen Rechenleistung außerhalb Nordamerikas. In Zeiten, in denen die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz immer größere Sprünge machen, ist es absolut wichtig, Instrumente für den Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen zu haben. Doch derartige Forschungsanlagen weisen in der Regel einen riesigen Energiebedarf auf, zum Beispiel das Forschungszentrum CERN bei Genf, das pro Jahr 1,3 TW an Strom benötigt, um zu funktionieren. Dies entspricht ca. einem Drittel des gesamten Energieverbrauchs des Kantons Genf. Quantencomputer wiederum arbeiten aufgrund der Gesetze der Quantenphysik nur funktional und fehlerfrei, wenn sie bis auf nahe dem absoluten Nullpunkt von 0 Kelvin heruntergekühlt werden. Das entspricht ca. minus 273,15 Grad. Eine derartige Kühlung bedarf ebenfalls einer entsprechenden Energiemenge. Zur Wahrheit gehört aber, dass manche Forschungsinstitute und -einrichtungen durchaus eigene Energiegewinnungsmaßnahmen besitzen und teilweise sogar autark arbeiten können. Doch selbst für diese Einrichtungen limitiert die Stromgewinnung den absoluten Erkenntnisgewinn in ihren Forschungen. Dies darf nicht Anspruch eines Spitzenforschungsstandortes sein. 23.11.2022 Reaktoren, Teilchenbeschleuniger, Quantencomputer und andere Hochleistungs- und hochspezialisierte Gerätschaften sind nun mal keine Glühlampen, die per Knopfdruck ein- und ausgeschaltet werden können. Teilweise benötigen diese Geräte wochenoder monatelange Phasen zum Herunter- oder Hochfahren, Zeiten also, in denen Energie verbraucht wird, ohne dass wirkliche Erkenntnisfortschritte erlangt werden können. Trotzdem entstehen horrende Kosten. Damit genau diese Problematik in Zukunft mehr in den Vordergrund rückt, haben wir unseren Antrag eingebracht. Wie Frau Ministerin schon in der kleinen Regierungserklärung ausgeführt hat, müssen auch unsere Forschungseinrichtungen in diesem Winter sparen. Daran kommt man wohl nicht vorbei. Doch wir können für das nächste Jahr schon einmal vorausschauend planen, damit die Energiesicherheit in Forschung und Wissenschaft und damit auch für den Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen gesichert bleiben wird. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

Protokoll ↗