Prof. Dr. Andreas Pinkwart
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Landesregierung und Landtag müssen auf das bundesweit schlechte Abschneiden der Grundschüler beim kürzlich vorgestellten IQB-Bildungstrend schnell und 04.11.2022 wirksam reagieren. Die Ergebnisse zeigen für die vierten Klassen der Primarstufe für 2021 auch in Nordrhein-Westfalen einen Abwärtstrend bei den Kernkompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik. Ein Negativtrend bei den Kernkompetenzen der Grundschülerinnen und -schüler ist bereits seit einigen Jahren zu verzeichnen. Er hat seine Ursache, wie die Studie belegt, unter anderem in einem wachsenden Anteil von Kindern mit schwierigeren Startbedingungen. Um diesen besonderen Herausforderungen besser zu begegnen, hat das von Yvonne Gebauer geführte Schulministerium im Jahr 2020 den Masterplan Grundschule auf den Weg gebracht. Auf seiner Grundlage werden die Kernkompetenzen der Grundschüler im Lesen, Schreiben und Rechnen, ab 2021 beginnend, gestärkt. Die nun vorliegenden Ergebnisse, die auch auf die Einschränkungen während der Coronapandemie zurückzuführen sind, machen deutlich, dass die bisherigen Kraftanstrengungen wichtig und richtig waren und sind, aber der weiteren Verstärkung bedürfen. Wir halten daher folgende zehn Maßnahmen für dringend geboten: Erstens. Aufbauend auf dem Masterplan Grundschule müssen Maßnahmen zur Förderung der Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen weiter in den Fokus gerückt werden. Zweitens. Lehrkräfte müssen stärker von nichtpädagogischen Aufgaben entlastet werden, damit sie sich auf die individuelle Förderung und den Unterricht konzentrieren können. Drittens. Nordrhein-Westfalen braucht eine Offensive für mehr Lehrkräfte, wie wir sie in unserem Antrag vorgeschlagen haben, den wir vorhin schon haben beraten können. Viertens. Die bereits gewonnenen guten Erfahrungen beim Einsatz sozialpädagogischer Fachkräfte in der Schuleingangsphase müssen genutzt und die Angebote ausgebaut werden, um frühzeitig individuelle Förderung zu ermöglichen. Fünftens. Die Landesregierung muss sicherstellen, dass jede der rund 2.900 Grundschulen in unserem Land mit mindestens einer sonderpädagogischen Fachkraft zusätzlich unterstützt wird. Sechstens. Die Landesregierung muss das Erfolgsmodell der Talentschulen weiter ausbauen, um gezielt dort zu unterstützen, wo die Herausforderungen am größten sind. Jedes Talent muss in unserem Land gezielt gefördert werden. (Beifall von der FDP) Landtag Siebtens. Die Familienzentren an den Kindertagesstätten sowie Familiengrundschulzentren müssen gestärkt und weiter ausgebaut werden. Achtens. Zusätzliche Studienstandorte für das Grundschullehramt und das Lehramt für Sonderpädagogik, zum Beispiel an der RWTH Aachen, müssen schnell geschaffen werden. (Beifall von der FDP) Neuntens. Wir brauchen eine schnelle Umsetzung des Startchancen-Programms. Hierzu sollte sich das Land Nordrhein-Westfalen beim Bund wie bei den anderen Bundesländern dafür einsetzen, zu einer schnellen Lösung zu gelangen und beste Unterstützung für unsere Schulen rasch zu ermöglichen. Zehntens. Wir brauchen Sofortmaßnahmen für die unterrichtsbegleitende individuelle Unterstützung der Schülerinnen und Schüler der Eingangsklassen an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen, um die festgestellten Defizite schnell beheben zu können. Meine sehr verehrten Damen und Herren, das ist heute der letzte Debattenpunkt. Aber ich finde, es ist der wichtigste. Denn es geht um die Zukunft unserer Kinder in Nordrhein-Westfalen. Es geht um unsere Zukunft. Eine schönere, wenn auch herausfordernde Aufgabe kann man sich nicht wünschen. (Beifall von der FDP) Wir wünschen der Landesregierung dabei besten Erfolg und werden sie nach Kräften unterstützen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP und Andreas Bialas [SPD])
