Dilek Engin
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Lehrkräftemangel ist ein strukturelles Problem im Schulsystem, das uns schon seit langem begleitet. Auch wenn die schwarz-grüne Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt hat, 10.000 neue Stellen für Lehrkräfte in den nächsten Jahren zu schaffen, so kann uns dies kaum beruhigen. Es bleibt nämlich vollkommen unklar, wo – angesichts der zu geringen Zahl an Lehramtsstudienplätzen an unseren Hochschulen – diese überhaupt herkommen sollen. Ein überzeugendes Konzept für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger liegt auch nicht vor. (Beifall von der SPD) 04.11.2022 Die FDP fordert nun eine qualitätssichernde Schließung der Lehrkräftelücke. Ich möchte daran erinnern, dass die SPD-Fraktion bereits in der vergangenen Legislaturperiode, als die FDP selbst noch das Schulministerium innehatte, eine Lehrkräfteoffensive für mehr Bildungsgerechtigkeit gefordert hat, und wir fordern dies weiterhin. (Beifall von der SPD – Zuruf von der SPD) Sie hatten in der letzten Landesregierung fünf Jahre Zeit, Ihre Vorstellungen zur Schließung der Lehrkräftelücke umzusetzen, aber das haben Sie nicht geschafft. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Aufgrund der steigenden Schülerzahlen werden die Schüler-Lehrer-Relationen deutlich dramatischer ausfallen, als bis jetzt prognostiziert wird. Die Grundschulen werden besonders stark betroffen sein, denn hier werden bis zum Jahr 2025 mindestens 26.300 Absolventinnen und Absolventen des Grundschullehramts fehlen. Zu welchen Leistungsdefiziten dies bei unseren jüngsten Schulkindern führt, haben uns die Ergebnisse der IQB-Studie gezeigt. Neben der Grundschule ist das Berufskolleg die Schulform, die am stärksten vom Lehrkräftemangel betroffen ist. Hinzu kommt weiterer fachspezifischer Mangel an Lehrkräften, vor allem in den MINT-Fächern. Bis 2030 werden zwei Drittel der erforderlichen MINT-Lehrkräfte nicht zur Verfügung stehen. Bei so viel Mangel bleibt ein struktureller Unterrichtsausfall nicht aus. Dieser Zustand mindert die Bildungschancen unserer Kinder und Jugendlichen enorm. (Beifall von der SPD) Wir können und wollen diese Situation nicht weiter dulden. Wir brauchen eine Personaloffensive. Wir brauchen eine Personaloffensive, die weit über das Schaffen weiterer Planstellen auf dem Papier hinausgeht. Wir brauchen eine Personaloffensive, die die Lücke des Lehrkräftemangels vor allem durch den Ausbau der Lehramtsstudienplätze an unseren Hochschulen effektiv und nachhaltig beseitigt. Der Lehramtsberuf und der Weg dorthin müssen durch vielfältige Maßnahmen attraktiver gemacht werden. Wir müssen aktiv um junge Menschen werben, damit sie ein Lehramtsstudium aufnehmen. Es ist gut, dass die Landesregierung nun einen ersten Stufenplan zur Anpassung der Eingangsbesoldung aller Lehrkräfte auf A13 vorgelegt hat. Wir als SPD-Fraktion werden die Umsetzung kritisch begleiten. Wir fragen uns, warum die Besoldungsanpassung erst 2026 in Gänze erfolgen soll. Wie will man außerdem die bereits beförderten Lehrkräfte und die Fachlehrer im Primar- und Sek.-I-Bereich berücksichtigen? Da muss noch nachgebessert werden, und es fehlt ein Gesamtkonzept. Landtag Es müssen Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, um die Zahl der Studienabbrüche bei Lehramtsstudiengängen deutlich zu reduzieren. Die SPD-Fraktion sieht zudem, dass die Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer in den vergangenen Jahrzehnten durch zahlreiche Bedingungsfaktoren stetig zugenommen haben. Lehrkräfte sind häufig in Organisations- und Verwaltungsaufgaben eingebunden und können sich so nicht zu 100 % ihrer Kernaufgabe widmen. Wir müssen unsere Lehrkräfte entlasten. Wir brauchen Verwaltungsassistenten an unseren Schulen, die die Lehrkräfte von bürokratischem Ballast befreien, sodass sie sich ganz auf ihre eigentliche Aufgabe, den Unterricht und ihre Schülerinnen und Schüler, konzentrieren können. (Beifall von der SPD und Prof. Dr. Andreas Pinkwart [FDP]) Die Defizite in unserem Schulsystem sind wahrlich keine neuen. Wir müssen jetzt intensiv daran arbeiten, diese Defizite, von denen der Lehrkräftemangel ein ganz wesentliches ist, endlich zu beseitigen, um unseren Kindern eine qualifizierte und gerechtere Schulbildung zu ermöglichen. Einer Überweisung des vorliegenden Antrags an den Schulausschuss zur weiteren Beratung stimmen wir daher zu. (Beifall von der SPD)
