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Prof. Dr. Andreas Pinkwart

FDP 04.11.2022 Sitzungen 18/13

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Nachdem in der vergangenen Legislaturperiode bereits über 13.000 zusätzliche Stellen für mehr Personal an unseren Schulen in Nordrhein-Westfalen geschaffen wurden, strebt die neue Landesregierung gemäß ihrem Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode einen Aufwuchs in Höhe von 10.000 Lehrkräften an. Die Schülerzahlen waren in den vergangenen Jahren noch rückläufig, und die zusätzlichen Lehrkräfte trugen zu einer Verbesserung der Schüler-Lehrer-Relation bei. In den kommenden Jahren steigen die Schülerzahlen jedoch deutlich an. Für sich genommen ist das zunächst einmal eine erfreuliche Nachricht. Damit sich die Qualität der Bildung aber nicht verschlechtert – das scheint mir mit Blick auf jüngste Vergleichsstudien dringend geboten –, muss der Aufwuchs der Lehrkräfte mindestens im gleichen Maße erfolgen, wie die Schülerzahlen steigen. (Beifall von der FDP) Das bedeutet für Nordrhein-Westfalen, dass wir bis zum Ende dieser Legislaturperiode nicht 10.000, sondern 16.674 Lehrkräfte zusätzlich benötigen. Hinzu kommen Tausende von Lehrerstellen, die zur Beschulung der Flüchtlingskinder aus der Ukraine in den kommenden Jahren an unseren Schulen benötigt werden. Angesichts dieser drohenden Lücke und der bereits bestehenden Probleme bei der Besetzung vorhandener Stellen ist eine transparente und deutlich ambitioniertere Bedarfs- und Stellenplanung sowie eine gezielte Strategie zur qualitativ hochwertigen Besetzung der Stellen dringend notwendig. (Beifall von der FDP) Um das sicherzustellen, braucht Nordrhein-Westfalen eine Lehrkräfteoffensive. Sie sollte folgende vier Handlungsfelder umfassen. Handlungsfeld eins: Ausgebildete Lehrkräfte gezielter gewinnen und an die Schulen binden. Darunter fassen wir die folgenden Maßnahmen: Sowohl für Lehrkräfte als auch für die weiteren Berufskräfte an den Schulen brauchen wir ein einfacheres und flexibleres Einstellungsverfahren. Die Schulen müssen ganzjährig nach Bedarf einstellen können. Zu bestimmten Stichtagen nicht besetzte Stellen müssen erhalten bleiben. Als weitere Maßnahme muss der Eintritt und Verbleib in den Schuldienst durch passgenaue Qualifizierung und Weiterbildung attraktiver werden. Ausländische Lehrkräfte sollten nachhaltig für den Schuldienst gewonnen und gezielt weitergebildet werden. Handlungsfeld zwei: Lehrkräfteausbildung stärken. Hinreichende Ausbildungskapazitäten müssen nach-Landtag haltig geschaffen und gesichert werden. Das Land muss mit den Hochschulen verbindliche Vereinbarungen treffen, um dauerhaft mehr Lehramtsstudienplätze sowie zusätzliche Lehramtsausbildungskapazitäten zu schaffen. Um eine flächendeckende Versorgung mit Grundschullehrkräften sicherzustellen, sollten in Kooperation mit den lehramtsausbildenden Universitäten neue Studienstandorte an den Universitäten in den verschiedenen Regionen des Landes eingerichtet werden. Ich nenne beispielhaft die Aachener Region. (Beifall von der FDP) Wir brauchen eine flexiblere Lehramtsausbildung und sollten den Vorbereitungsdienst für Absolventinnen und Absolventen anderer Studiengänge öffnen. In diesem Handlungsfeld brauchen wir auch einen stärkeren Praxisbezug in der Lehramtsausbildung. Wir sollten auch so fair sein, den jungen Menschen, die sich für diese wichtige Aufgabe entscheiden, in den Praxissemestern die Chance auf eine Aufwandsentschädigung mindestens auf Höhe des BAföG-Niveaus zu eröffnen. Handlungsfeld drei: Seiteneinstieg qualitätsvoll fördern. Der Zugang zum Seiteneinstieg sollte erleichtert und attraktiver gemacht werden. Wir fordern eine möglichst frühe und parallel erfolgende Weiterqualifizierung der Seiteneinsteiger und auch einen gezielten Anreiz, sich entsprechend weiterzuqualifizieren, parallel ein zweites Fach zu studieren und auch die didaktischen Fähigkeiten zu verbessern. Die Landesregierung ist in diesem Handlungsfeld zunehmend gefordert, den Zugang zum Seiteneinstieg noch transparenter zu gestalten. Handlungsfeld vier: Wenn wir für die Schulen nachhaltig mehr qualifizierte Lehrkräfte gewinnen wollen, müssen wir die Schulleitungen stärken. Wir müssen ihnen mehr und bessere Möglichkeiten eröffnen, den Personaleinsatz selbst zu planen und umzusetzen. Damit sie das tun können, müssen wir die Schulleitungen in allen Schulformen auch personell und bezogen auf ihre technischen Ausstattungen so ausrüsten, dass sie diese Aufgabe vor Ort erfolgreich für uns umsetzen können. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP)

Protokoll ↗