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Sven Werner Tritschler

AfD 03.11.2022 Sitzungen 18/12

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Noch vor ein paar Jahren haben wahrscheinlich die allermeisten hier Gendersprache für irgendeine skurrile Spinnerei von durchgeknallten Feministinnen gehalten. Wahrscheinlich hatte jeder mal diese kurzhaarige Lehrerin, die jeden Rundbrief der Schulleitung eigenmächtig um ein paar Oberstudienrätinnen, Schülerinnen und Hausmeisterinnen erweitert hat. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Es geht hier nicht um Ihre Traumabewältigung!) Wahrscheinlich kennt auch jeder die sogenannte Sprachwissenschaftlerin Lann Hornscheidt, die wunderschöne Sätze wie „ens Käufens und ens Einkaufskorb“ erdachte. Inzwischen begegnet uns das ja auch hier im Plenarsaal. Kollegen sprechen, als litten sie unter akutem Sauerstoffmangel (Rodion Bakum [SPD]: Das ist bei Ihnen der Fall! – Heiterkeit von der SPD) von „Pendler*innen“, „Kolleg*innen“, „Redenden am Redepult“. (Frank Müller [SPD]: Ich habe das Wort „kot- zen“ zu sagen vergessen!) Landtag Nun kann sich in unserem Land zum Glück jeder selbst lächerlich machen, wie er möchte. (Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Natur- schutz und Verkehr: Genau! – Rodion Bakum [SPD]: Da haben Sie recht!) Uns liegt es fern, Menschen zu verbieten, ihre ideologische Verwirrtheit gleich mit der Sprache offen zur Schau zu tragen. Problematisch wird es immer da, wo Sie andere Menschen dazu zwingen oder nötigen wollen, sich an dieser Deformation unserer Muttersprache zu beteiligen. Deshalb soll nach unserer Überzeugung überall da, wo die Menschen keine Wahl haben, das gelten, was schon immer galt: die deutsche Sprache, wie sie seit Jahrhunderten in unserem Land gewachsen ist. Die sogenannte Gendersprache oder gendergerechte Sprache – in welcher Deformation sie auch immer betrieben wird – ist das Projekt einer kleinen Negativelite, die sich verbohrt gegen die übergroße Mehrheit der Deutschen stellt. Welche Umfrage auch immer Sie heranziehen, von welchem Institut und in welcher Formulierung auch immer: Mindestens zwei Drittel der Befragten lehnen die Gendersprache ab – und das im Übrigen quer durch alle Altersklassen und egal, ob männlich oder weiblich. Nicht nur das! Die übergroße Mehrheit der Sprachwissenschaftler spricht sich ebenfalls gegen solche Experimente aus, und zwar schon allein deshalb, weil – höchst unwissenschaftlich – das Genus, also das sprachliche Geschlecht, und Sexus, also das biologische Geschlecht, miteinander vermengt werden. Ausgerechnet die Menschen, um die es Ihnen linken Ideologen angeblich immer geht, also die Menschen mit einer anderen Muttersprache oder die Menschen mit Lernschwächen, leiden besonders, denn mit Sternchen und Fantasiewörtern angereicherte Texte verstehen selbst Muttersprachler mit Abitur nicht ohne Weiteres. (Zuruf von Frank Müller [SPD]) Die vermeintlich gendergerechte Sprache ist also eine Mogelpackung. Sie ist weder wissenschaftlich fundiert noch gerecht. Also muss man sich fragen: Woher kommt dieser Eifer? Warum soll uns das gegen den Willen einer übergroßen Mehrheit der Bevölkerung gegen alle Vernunft und gegen alle Wissenschaft aufgezwungen werden? (Zuruf von Ina Besche-Krastl [GRÜNE]) Die Antwort ist klar: Wer die Sprache kontrolliert, der kontrolliert auch das Denken. Sprache ist Macht, und wer keine Macht hat, hat sprichwörtlich nichts zu sagen. – Das ist keine neue Erkenntnis und sie ist auch nicht von mir. (Zuruf von Elisabeth Müller-Witt [SPD]) 03.11.2022 George Orwell schildert es in seinem Werk „1984“, das heutzutage ja leider immer mehr wie eine Betriebsanleitung wirkt. Darin sind die rechtlosen Bürger angehalten, eine neue Sprache, das sogenannte Neusprech, zu verwenden, um sich nicht der Gedankenverbrechen schuldig zu machen. Nicht nur die Romanwelt kennt solche Beispiele. Victor Klemperer beschreibt in seinem Werk „Lingua Tertii Imperii“ anschaulich, wie die Nationalsozialisten die Sprache als Herrschaftsmittel einsetzten. Die Mechanismen sind immer dieselben. Wer nicht mit den Wölfen heult, die Sprache der Herrschenden nicht erlernt und nicht nachbetet, macht sich schnell verdächtig. Ist er etwa ein Gedankenverbrecher, ein Frauenverächter, ein Reaktionär, ein Rechter? Die Angst vor solchen Anwürfen von Links reicht inzwischen schon aus, dass ein Gutteil von allzu braven Bürgern – man findet sie besonders oft in den Reihen von CDU und FDP – demütig ein bisschen mitgendert; schließlich will man lieber zu den Aufgeklärten, Progressiven, Woken und Gerechten gehören und nicht in einem falschen Licht erscheinen. Wo wir von links-feministisch, woke und progressiv reden, da kann der WDR natürlich nicht weit sein. Angeblich ist er ja eine Rundfunkanstalt von allen, für alle, höchst demokratisch und aus der Mitte unserer Gesellschaft. Wer dagegen den WDR als linkslastige, überfinanzierte und zunehmend gegen die eigenen Beitragszahler gerichtete Erziehungsanstalt bezeichnet, vergeht sich nach Ihren Einlassungen an der Demokratie; denn die ist ohne einen zwangsgebührenfinanzierten staatlichen Rundfunk (Zuruf: Oh!) schlechthin nicht denkbar. Lassen wir das aber einmal dahingestellt; Sie kennen ja unsere Meinung dazu. Immerhin können wir heute in der Zeitung lesen, dass selbst der WDR-Intendant Buhrow einen dringenden Reformbedarf bei seiner eigenen Anstalt sieht – etwas, das Sie hier lustigerweise immer wieder abstreiten. Solange wir unsere Bürger aber zwingen, sich diese milliardenschwere Anstalt zu leisten, sollte sie dann nicht zumindest auch die Sprache dieser Bürger sprechen? Ich meine, es ist schlimm genug, dass der WDR auf Arabisch Tipps gibt, wie man die deutschen Asylbehörden am besten übers Ohr hauen kann. Aber wenn er schon ein Programm für die autochthone Bevölkerung macht, sollte er dann nicht auch Deutsch sprechen, und zwar in der Form, in der es die überwältigende Mehrheit seiner Zuschauer und Zuhörer nicht nur selbst tut, sondern auch ausdrücklich wünscht? Landtag Nur damit es noch einmal klar ist: Wenn Herr Restle, Herr Buhrow und wie sie alle heißen in ihrer Freizeit gerne reden, als hätten sie Schluckauf oder einen Gehirninfarkt, dann ist das ihr ganz persönliches Recht. Wer im privaten Rundfunk oder in privaten Zeitungen gerne dieser Gendersprache frönt, der möge das mit seinem Arbeitgeber, seinen Lesern, seinem Herausgeber oder seinen Zuschauern ausmachen. Das geht uns nichts an, und da wollen wir uns auch nicht einmischen. Der WDR ist aber ein anderer Fall. Er zwingt uns – wir hatten diesen Fall hier letztes Jahr – notfalls per Gerichtsvollzieher, per Pfändung und sogar per Gefängnishaft, für sein Programm aufzukommen. Solange das so ist, erwarten wir von ihm, dass er die Sprache der Beitragszahler spricht – und nicht die Sprache einer kleinen, extremen Minderheit. (Beifall von der AfD) Wir legen dem Landtag deshalb diesen Gesetzentwurf vor, der neben einer Reihe von Programmgrundsätzen, die im WDR-Gesetz bereits festgeschrieben sind, die Verwendung der sogenannten Gendersprache weitestgehend ausschließt, solange dafür keine besonderen Gründe vorliegen. Lassen Sie mich abschließend noch eines bemerken: Wir freuen uns ganz besonders, dass wir uns hier mit der größten Fraktion im Hause, der CDU, einig wissen. Schließlich hat sich deren Parteichef Merz ganz unmissverständlich dafür ausgesprochen, die Gendersprache aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verbannen. Liebe CDU, wir als serviceorientierte Fraktion ermöglichen mit diesem Gesetzentwurf, Ihren Worten Taten folgen zu lassen. Nicht nur deshalb freuen wir uns besonders auf die Debatte im Ausschuss und auf die abschließende Abstimmung. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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