Herbert Reul
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Der Antrag hat einen Sinn: Es ist gut, dass wir über das Thema noch mal reden, weil es ein wichtiges, zentrales Thema ist. Wie die einen oder anderen wissen, liegt mir dieses Thema schon eine Zeit lang am Herzen. Wir haben 2019 die berühmten Bambi Buckets für die Hubschrauber der Landespolizei eingeführt, weil wir darüber nachgedacht haben, wie wir uns darauf vorbereiten können. Damals brannte übrigens nicht andauernd ein Wald. Wir waren also ganz schön vor der Zeit. Es hat sich gezeigt, dass diese Lösung für das Land und dessen Topografie gut geeignet und besser geeignet ist. An dieser Einschätzung hat sich bisher bei uns nichts geändert. Übrigens teilen auch Fachleute diese Einschätzung – es wurde eben darauf hingewiesen –, beispielsweise der Deutsche Feuerwehrverband, der Verband der Feuerwehren in NRW usw. Landtag In diesem Zeitraum – auch das als Information – habe ich persönlich diesen Vorschlag „Flugzeuge“ bei uns im Haus in die Beratung eingebracht. Im ersten Moment denkt man, weil sie viel mehr Kapazität hätten, sei das doch besser. Dann muss man allerdings die Fakten zur Kenntnis nehmen. Die Fakten sind jetzt schon zigmal beschrieben worden. Das Ergebnis war, dass wir ein abgestuftes System umgesetzt haben, nämlich den Einsatz von Hubschraubern zur Unterstützung von Brandbekämpfung aus der Luft, weil Hubschrauber den Vorteil haben, dass sie zielgerichtet Wasser dort abwerfen können, wo es am nötigsten gebraucht wird. Deswegen haben wir uns für die entsprechende Ausstattung der schon vorhandenen Hubschrauber und des schon vorhandenen Personals entschieden – und nicht für irgendetwas Neues –, um damit ca. 600 Liter Wasser aufnehmen zu können. Zusätzlich können wir übrigens unkompliziert – wie beim Waldbrand in Sundern – Hubschrauber der Bundespolizei anfordern. Die gibt es ja. Es ist übrigens auch Solidarität, die Geräte, die vorhanden sind, zu nutzen, und zwar die, die in der Nähe sind. Diese Hubschrauber können dreimal so große Bambi Buckets tragen. Wenn noch mehr gebraucht wird, gibt es auch noch die Stufe der Bundeswehr. Diese Hubschrauber sind auch noch da. Dafür halten wir acht Außenlastbehälter mit 5.000 Liter Wasseraufnahme vor. Dann werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr die Behälter zur Einsatzstelle bringen. Die Bundeswehr hängt sie dort an und setzt sie ein. Wenn das nicht ausreicht, können wir immer noch auch europäische Einheiten mit Hubschraubern anfordern. Für die Wasseraufnahme der Hubschrauber spricht nämlich, dass das entsprechende Gewässer nur entsprechend tief sein muss. Davon haben wir eine ganze Menge – Seen und anderes mehr. Anders sieht die Lage bei Löschflugzeugen aus. Die Wasseraufnahmekapazitäten von Löschflugzeugen sind zwar vergleichbar zu den genannten Hubschraubern. Die effektivste Aufnahme von Löschwasser bei Flugzeugen erfolgt jedoch, indem das Flugzeug, wenn es die Wasseroberfläche überfliegt, in das Gewässer eintaucht und das Wasser aufnimmt. Alle anderen Wasseraufnahmearten sind viel zeitintensiver. Zeit ist bei Bränden aber ein nicht ganz unwichtiger Faktor. Für den Einsatz solcher leistungsfähigen Löschflugzeuge haben wir in Nordrhein-Westfalen keine geeigneten Wasserflächen. Die Gewässer sind entweder zu klein oder durch Stromleitungen oder Brücken überbaut, sodass der Überflug nicht möglich ist. Ein weiteres Problem entsteht bei zeitgleichem Einsatz von Hubschraubern und Flugzeugen. Man könnte ja 30.09.2022 sagen: Wir setzen beides ein. – Allerdings muss man Folgendes wissen: Wie die meisten mitbekommen haben werden, waren in Sachsen-Anhalt italienische Löschflugzeuge eingesetzt. Darüber habe ich mir berichten lassen. Dort waren tatsächlich zwei italienische Flugzeuge mit 6.000 Litern dabei. In der Nähe stand auch ein geeignetes Gewässer zur Verfügung. Der Umlauf von Wasseraufnahme, Flug zur Einsatzstelle, Wasserabgabe und Rückflug dauerte dennoch 20 Minuten. Bei Abflug der Löschflugzeuge mussten sich die Hubschrauber, die sich bereits im Einsatz befanden, übrigens alle entfernen, weil sie nicht gleichzeitig in dem Luftraum fliegen durften. Das führte zu einem erhöhten Personaleinsatz und damit auch zu Einschränkungen bei Effizienz und Einsatzstärke. Bei aller Luftunterstützung bleibt also eines festzuhalten – das gehört sicherlich auch noch dazu –: Gelöscht werden diese Brände vom Boden aus. Das ist die zentrale Frage. Wir brauchen also Wasser, das über lange Strecken herangeführt werden muss. Deswegen haben wir elf Hytrans Hochleistungspumpen beschafft, die das Löschwasser über 2.000 m lange Schlauchleitungen transportieren können. Natürlich kann man die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung noch verbessern. Deswegen habe ich zusammen mit Frau Kollegin Gorißen im Sommer ein Konzept vorgelegt. Darüber wurde hier schon geredet; das muss ich nicht alles wiederholen. Es geht sehr viel auch um Früherkennung, geeignete Zufahrtswege, Brandschneisen und Ertüchtigung von Feuerlöschteichen. All dies ist am Ende viel wichtiger, wenn es um das Löschen geht. Das ist allerdings mühsamer und nicht so einfach schnell in einen Antrag hineingeschrieben. Zum Schluss: In Bezug auf Solidarität mit Europa brauchen wir uns mit den Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen nicht allzu viel vorwerfen zu lassen, um es einmal vorsichtig zu sagen. Wenn Sie sich recht erinnern: Die Feuerwehren waren in Südfrankreich im Einsatz. Das war der erste große Einsatz. Diesen Einsatz hat Nordrhein-Westfalen gemacht, andere Bundesländer nicht. Da sind wir wieder spitze. Ich möchte Ihnen also schon mitteilen: Solidarität ist nicht Sache eines neuen Antrags, sondern von praktischer Hilfe, die man leistet. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
