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Christin Siebel

SPD 29.09.2022 Sitzungen 18/9

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mit einer Geschichte aus meinem Wahlkreis beginnen. Im Rahmen von „Aufholen nach Corona“ haben sich die Jugendlichen der Falken Gelsenkirchen überlegt, wie sie ihre Wünsche und Forderungen an die Politik vermitteln können. Sie haben sich eine Wunschbaumaktion überlegt. Diese Bäume wurden vor der Ratssitzung der Stadt am Eingang aufgebaut und den Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitikern präsentiert – natürlich unter sämtlichen Auflagen, mit Abstand und Maske. Für die Teenies war es zu der Zeit selbstverständlich, die Maßnahmen zum Infektionsschutz zum Wohle aller anderen mitzutragen. Ein Wunsch, der geäußert wurde, ging mir persönlich unter die Haut: Ich möchte mich verlieben. – Das sollte man vielleicht erst mal sacken lassen. Es sind Dinge, die wir vielleicht alle erleben durften, aber es gibt eben Personen, denen dies aufgrund von Corona nicht möglich war. Grenzen ausreizen, Neues ausprobieren, Freunde finden, Beziehungen beginnen und den ersten Herzschmerz erleben: Für uns sind das, wie gesagt, selbstverständliche Dinge, die wir erleben durften. Nun stellen Sie sich vor, werte Kolleginnen und Kollegen, dass ganze Jahrgänge diese einmaligen Gefühle bisher nicht oder erst verspätet erleben konnten. Das macht etwas mit einer Person, aber das macht auch etwas mit einer gesamten Generation. 29.09.2022 In der Coronapandemie waren viele von diesen vermeintlich selbstverständlichen Dingen leider alles andere als selbstverständlich. Insbesondere unsere Kinder und Jugendlichen haben die notwendigen Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung getragen und auf vieles verzichtet. Kinder und Jugendliche sind viel mehr als Schule und Hausaufgaben. Das haben die Verbände der Kinder- und Jugendarbeit immer wieder deutlich gemacht. Das beschreibt die politische Arbeit eines Kinder- und Jugendverbandes, und das muss der Anspruch an Gesellschaft sein. Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben eigene Bedürfnisse. (Beifall von der SPD) Die pädagogische Betreuung ist dabei der Schlüssel. Es wird Vertrauen geschaffen, wo es manchmal zu Hause fehlt, sie macht Angebote, die die Fähigkeiten und das Selbstwertgefühl von Jugendlichen und Kindern stärkt. Das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ hat für viele Träger zusätzliche kurzfristige Mittel geschaffen. Vereine, Verbände, Träger von Häusern der offenen Tür und der Offene Ganztag haben diese Mittel für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auch umfänglich abgerufen. Das Aktionsprogramm ist somit ein Erfolgsmodell. Doch die geförderten Maßnahmen haben auch unabhängig von den Folgen der Coronapandemie einen hohen Wert für die psychische Gesundheit und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die Träger haben zusätzliche Angebote geschaffen und wollen diese fortsetzen. Doch was fehlt, ist die klare Zusage der Landesregierung. (Dagmar Hanses [GRÜNE]: Das stimmt doch nicht!) Sehr geehrte Frau Ministerin, hier sind Sie gefordert. Es wird Zeit, dass wir als Gesellschaft den Jugendlichen etwas zurückgeben. (Beifall von der SPD) Daher begrüßen wir grundsätzlich den Atrag der FDP-Fraktion und freuen uns auf die weitergehende inhaltliche Debatte im Ausschuss. Wir erwarten von der Landesregierung auch, dass sie dieses Thema aktiv in den Fokus rückt – das wurde zum Glück gerade schon gesagt; vielen Dank dafür –, und wir wollen in einen konstruktiven Austausch mit allen demokratischen Parteien treten. Als SPD-Fraktion ist uns die Stärkung der Jugendverbandsarbeit ein wichtiges Anliegen. Wir stehen für die Verstetigung des Programms „Aufholen nach Corona“. Auch dafür bin ich dankbar. Dabei ist auch klar zu benennen, dass Kinder und Jugendliche nicht Landtag nur aus der Sicht des Systems „Schule“ gedacht werden dürfen, sondern dass sie auch ein Recht auf Freizeit und außerschulische Aktivitäten haben – (Beifall von der SPD) ein Recht, einfach mal sie selbst zu sein und nicht als Verantwortliche unserer Zukunft gesehen zu werden. Der Überweisung des Antrags stimmen wir selbstverständlich zu. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD)

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