Jochen Ritter
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Wald steht auch in dieser Legislaturperiode im Mittelpunkt des Interesses der regierungstragenden Fraktionen, und zwar als Wald an sich sowie als Mittel zum Zweck. Als Ökosystem ist er Lebensraum für Pflanzen und Tiere, zudem leistet er unverzichtbare Beiträge zur Verbesserung der Luftqualität und zur Regulierung des Wasserhaushalts. Zweckdienlich und uner-29.09.2022 setzlich ist er zudem als Rohstofflieferant, aber auch als Erholungsraum. In all diesen Dimensionen ist er in den vergangenen Jahren an seine Grenzen gestoßen. Dies gilt allerdings nicht nur für den Wald selbst, sondern auch seine Besitzerinnen und Besitzer arbeiten am Limit, und zwar leider nicht nur im nicht mehr überall grünen Wald, sondern mittlerweile auch am grünen Tisch; denn der Weg zum Fördertopf zur Extremwetter-Richtlinie war bisher kein leichter. Einige Nachweise waren durchaus schwer zu führen. Gleichwohl ist es gelungen, in den letzten drei Jahren über 100 Millionen Euro an den Mann, an die Frau zu bringen. Die Hürden haben wir zu Beginn dieser Legislaturperiode gesenkt. Die Höhe der diesbezüglichen Förderung richtet sich seit Juni im Wesentlichen nach der Größe der Fläche, über die sich die Kalamität erstreckt. Aus einem ersten Erfahrungsaustausch zwischen den Waldbauern und dem Landesbetrieb Ende August in meinem Wahlkreis habe ich den Eindruck gewonnen, man hätte es sich durchaus noch einfacher vorstellen können, aber man kann damit arbeiten. Insofern ermutigen wir alle betroffenen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, diese Hilfe mit einem Gesamtvolumen von immerhin 45 Millionen Euro in 2022 unter den so vereinfachten Bedingungen tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Anders sieht es noch bei der Rundholzvermarktung und bei der Beförsterung aus. Auf beiden Feldern hatte der Landesbetrieb quasi ein Monopol. Aus beiden hat er sich aus kartell- und beihilferechtlichen Erwägungen zurückgezogen. Holz wird nunmehr entweder individuell oder über forstwirtschaftliche Vereinigungen vermarktet. Die Beförsterung wird im Wettbewerb vergeben und auf Antrag direkt gefördert. Diese Umstellung hätten wir den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern lieber in einer Zeit abverlangt, in der sie nicht alle Hände voll mit den Folgen von Sturm, Dürre und Borkenkäfern zu tun haben, allerdings waren die zeitlichen Spielräume eng. In der Regel setzt sich nicht jeder einzeln damit auseinander, sondern als Mitglied eines forstwirtschaftlichen Zusammenschlusses. Forstbetriebsgemeinschaften fungieren, wie wir in der CDU-Fraktion neuerdings gerne sagen, nur als Pars pro Toto. Waldgenossenschaften und Zweckverbände gehören zum vollständigen Bild auch dazu. Geteiltes Leid ist für die einzelnen Mitglieder oder Anteilseigner halbes Leid, allerdings ballt sich dies dann in den Vorständen. Sie ächzen unter der Last des diesbezüglichen zusätzlichen Aufwandes, zumal sie ehrenamtlich arbeiten und, auch das kommt dazu, nicht selten in einem Alter sind, in dem man nicht unbedingt auf Neuerungen scharf ist. Unter den ge-Landtag gebenen Umständen Nachwuchs zu gewinnen, um Verantwortung in diesen Zusammenhängen zu übernehmen, ist auch kein Selbstläufer. Deshalb haben viele die Geschäftsführung bereits in externe professionelle Hände gelegt, allerdings mit Kosten, die auf Dauer schwerlich zu tragen sind – insbesondere dann, wenn der Holzeinschlag zur Neige geht, weil bald kaum noch Wald da ist. So geraten bewährte Strukturen in Schwierigkeiten. Diese wollen wir nicht auf Gedeih und Verderb schlicht konservieren, sondern ihnen ermöglichen, sich in zeitgemäßer, vielleicht sogar konsolidierter Verfassung an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen, ohne zu brechen. So habe ich auch Frau Ministerin Gorißen auf dem Waldbauerntag in Werl verstanden. Strukturwandel und Transformation gibt es auch und gerade im Wald. Wir wollen ihn gestalten. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Auf diesen Prozess soll dann eine Förderung aufgesetzt werden, die sich an der Größe der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse orientiert, und zwar in erster Linie an der Fläche, aber auch an der Anzahl der Mitglieder; denn beides sind Faktoren, die den Aufwand wesentlich beeinflussen. Darauf hat nicht zuletzt der ehemalige Kollege Rainer Deppe, ein leidenschaftlicher Streiter für den Wald, bereits im April in seiner letzten Rede im Parlament zu Recht hingewiesen. Wir wünschen uns eine Unterstützung von überschaubarer Komplexität, damit die Adressaten sich wieder mehr um das kümmern können, was ihnen und uns besonders am Herzen liegt: den Wald. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
