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Nina Andrieshen

SPD 29.09.2022 Sitzungen 18/9

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Um die bisherige Debatte mal zusammenzufassen: In den Kitas brennt es, und wenn wir schon die Erzieher*innen verlieren, dann ist es gut, dass wir wenigstens die Kita-Helfer*innen noch haben. (Beifall von der SPD) Seit November letzten Jahres bin ich Abgeordnete hier im Landtag Nordrhein-Westfalen. Davor war ich über 20 Jahre lang Erzieherin und habe diesen Job wirklich gerne gemacht. In dieser Zeit habe ich aber auch hautnah erlebt, wie sich das Tätigkeitsfeld der Erzieher*innen veränderte. Bis vor Kurzem war es noch selbstverständlich, dass wir neben unseren pädagogischen Aufgaben auch viele anfallende hauswirtschaftliche Tätigkeiten erledigten: Wäsche waschen, Betten beziehen, Staub wischen, Fegen, Geschirr spülen, Schränke und Kisten reinigen, Frühstück zubereiten usw. Ich erinnere mich sogar noch sehr gut, dass es zu Beginn meiner Laufbahn durchaus üblich war, dass wir die Fenster putzten. Ich möchte betonen: Keine Erzieherin ist sich zu fein dafür, aber in Zeiten des Fachkräftemangels muss man es sich auch erst mal leisten können, dringend benötigte Erzieher*innen auch in diesen Bereichen einzusetzen. Genau hier können die Kita-Helfer*innen für Entlastung sorgen. Ihre Unterstützung ermöglicht es den Erzieher*innen, mehr Zeit mit dem Kind zu verbringen und Freiräume für Angebote, Nachbereitung, Entwicklungsdokumentation usw. zu finden. Insofern sage ich Ihnen schon jetzt: Natürlich unterstützen wir diesen Antrag. Wir haben uns schon in der letzten Legislaturperiode dafür eingesetzt, dass Kita-Helfer*innen-Programm dauerhaft zu verstetigen, anstatt es immer wieder zu verlängern. (Beifall von der SPD) Landtag Auch jetzt ist, wie wir der Pressemitteilung von Frau Ministerin Paul entnehmen konnten, wieder nur eine Befristung bis zum Juli 2023 geplant. Ich hoffe, das ist keine Gnadenfrist. Auch der zugrunde liegende Antrag von CDU und Grünen ist leider sehr allgemein gehalten und hat wenig Fleisch an den Knochen. Auch die Aussage in Ihrem Antrag, ohne das Programm käme es zu einer Überlastung, stimmt nicht ganz. Die Überlastung ist schon längst da, auch mit dem Programm. Das Programm stellt eine gute Unterstützung für die Kitas und für das Personal dar, aber tun wir doch nicht so, als würde es die massive Arbeitsbelastung und den Fachkräftemangel auf einen Schlag lösen! Deshalb ist es wichtig, dass neben den Kita-Helfer*innen weitere Entlastungen in den Einrichtungen geschaffen werden. Um die Probleme in der Praxis zu lösen, fehlen unserer Meinung nach einige wichtige, in Ihrem Antrag nicht berücksichtigte Punkte, die Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, in unserem Entschließungsantrag finden können. Wir brauchen zum Beispiel Bürokaufleute, damit Kita-Leitungen sich auf die pädagogische Arbeit, die Leitung der Einrichtung sowie die Personalführung konzentrieren können. Die Finanzierung des Kita-Systems müssen wir dringend auf neue und stabile Füße stellen. Es ist egal in welche Kita ich komme: Allen brennt das Thema unter den Nägeln. Die mangelhafte Finanzierung bricht den Trägern langsam aber sicher das Genick. Wir benötigen unabhängig von den Stundenbuchungen der Eltern eine einrichtungsbasierte Finanzierung mit zusätzlichen Pauschalen. (Beifall von der SPD) Wofür die Pauschalen? Dazu möchte ich Ihnen ein Beispiel aus der Praxis nennen. Wenn ich als Erzieherin eine Auszubildende anleite, dann wird keine Qualifikation wie zum Beispiel bei einem Meister im Handwerk benötigt. Die Erzieher*innen müssen sich da irgendwie reinfuchsen und machen. Und nicht nur das: Eine gute Anleitung der Auszubildenden mit Vorbereitung, Begleitung und Reflexion braucht einfach seine Zeit. Jede Erzieherin, die wie ich schon ausgebildet hat, weiß, dass zwei Extrastunden in der Woche vorne und hinten nicht reichen. Wissen Sie, was wirklich übel ist? Im zweiten Ausbildungsjahr wird die PiA-Auszubildende auf das Stundenkontingent der Einrichtung angerechnet. Das heißt im Klartext: Wer ausbildet, verliert Fachkraftstunden. Hier helfen Pauschalen, die Finanzierungsund Zeitlücke zu schließen. So führen am Ende zahlreiche gut ausgebildete Erzieher*innen zu einer deutlichen Entlastung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie merken, es braucht ein Gesamtkonzept. Ein weiterer Baustein ist zum Beispiel die fest verankerte Möglichkeit der 29.09.2022 Weiterqualifizierung von Kita-Helfer*innen und Kinderpfleger*innen. Dazu muss man nicht noch lange prüfen oder das Rad neu erfinden. Es gibt bereits Module, auf die man zurückgreifen kann. Damit diese Module auch wirklich funktionieren, müssen die Schulen und Träger finanziell und personell gut ausgestattet werden. Und natürlich müssen, wie ich eingangs schon gesagt habe, Kita-Helfer*innen flächendeckend etabliert und langfristig finanziert werden. Befristungen schaffen keine Planungssicherheit, sorgen für Unruhe im System und helfen weder den Kita-Helfer*innen noch den Kitas noch den Kindern weiter. Insofern unterstützen wir Ihren Antrag, bitten aber auch um Zustimmung zu unserem Entschließungsantrag, damit die Sache am Ende rund und stimmig wird. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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