Berivan Aymaz
Vielen Dank. – Für die Landesregierung spricht jetzt Herr Minister Laumann. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Abwasserüberwachung auf Corona befindet sich bundesweit zum jetzigen Zeitpunkt in einer wissenschaftlichen Pilotphase. Seit Projektbeginn im Sommer 2021 bringt sich Nordrhein-Westfalen stellvertretend für die Gesundheitsseite der Länder aktiv auf Bundesebene zu diesem Thema ein. Erste Standorte des bundesweiten Projektes haben mit ihren Erhebungen bereits im Februar 2022 be-Landtag gonnen. Mit 16 von bundesweit 48 Modellstandorten befindet sich ein Drittel aller Modellstandorte in Nordrhein-Westfalen. Diese Standorte decken bereits jetzt 30 % bzw. 5,3 Millionen angeschlossene Einwohnerinnen und Einwohner in Nordrhein-Westfalen ab. Das heißt, wir sind bei diesem Thema auch durch die vier landesgeförderten Standorte vorne mit dabei. Aufgrund des aktuellen Projektstandes des Abwassermonitorings, also der wissenschaftlichen Pilotphase, ist eine weitere Projektausweisung im Sinne einer flächendeckenden landesweiten Erprobung zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll. Die notwendige bundesweite Infrastruktur zur Datenauswertung und -interpretation ist noch nicht etabliert. Im Rahmen des Projektes steht daher derzeit das Nutzbarmachen der erhobenen Daten mithilfe von acht Fachexperten im Vordergrund. Wir arbeiten daran, dass die Proben der verschiedenen Kläranlagen vergleichbar sind. Dafür muss die Laboranalytik erst vereinheitlicht werden. Die größte Herausforderung ist, die Daten unabhängig von externen Einflüssen zu interpretieren. Damit meine ich Einflüsse wie Trockenheit, Regen, Pendelverkehr, verschiedene Kanalsysteme und vieles mehr. Eine Evaluation des Gesamtprojektes auf Bundesebene ist für das Frühjahr 2023 vorgesehen. Trotzdem sehe ich natürlich die Bedeutung des Abwassermonitorings für den Herbst. Es stellt nicht den, aber einen weiteren Indikator für den Herbst dar, um die Entwicklung des Infektionsgeschehens zu bewerten. Damit liefert es keinen Ersatz für andere Indikatoren, aber es ergänzt die bereits eingeübten Indikatoren wie die Sieben-Tage-Inzidenz oder die Situation auf den Intensivstationen unserer Krankenhäuser. Im besten Fall kann durch das Abwassermonitoring frühzeitig eine Tendenz für ein weiteres Infektionsgeschehen im Sinne einer Trendbeobachtung abgeleitet werden: Bleibt es, wie es ist? Fällt die Infektionsrate oder steigt sie? Aus diesem Grund verfolgt die Landesregierung das Ziel, die Abwasserdaten aller 16 Standorte in Nordrhein-Westfalen noch für diesen Herbst/Winter routinemäßig nutzbar zu machen. Zugleich steht für uns die Qualität vor der Quantität. Nur eine belastbare qualitätsgesicherte Datenbasis kann die notwendigen Grundlagen für eine gute Dateninterpretation bereits im Herbst liefern. In Nordrhein-Westfalen werden derzeit die notwendigen Rahmenbedingungen dafür geschaffen, die Daten des Abwassermonitorings als weiteren Indikator bei der Betrachtung des landesweiten Infektionsgeschehens im Herbst und Winter zu berücksichtigen. Konkret ist das Landeszentrum Gesundheit dabei, einen Vertrag mit der Emschergenossenschaft und dem Lippeverband zu schließen, die die Gesamtdaten für Nordrhein-Westfalen aufbereiten und interpretieren sollen. Nordrhein-Westfalen hat seine Exper-31.08.2022 tise bereits seit Beginn des Pilotvorhabens auf Bundesebene eingebracht und wird die geplanten Ausweitungsbestrebungen des Bundes weiterhin in geeigneter Weise unterstützen. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
