Thore Güldner
Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Senioreneinrichtungen und Kantinen stärken - DGE-Standards verbindlich umsetzen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was tagtäglich auf unseren Tellern landet, das entscheidet über weit mehr als das bloße Sattwerden. Denn was Kinder in der Kita essen, was Schülerinnen und Schüler in der Mensa bekommen, wie Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen versorgt werden, das alles hat Konsequenzen - für ihre Gesundheit, ihre Teilhabe, ihre Lebensqualität und nicht zuletzt auch für Umwelt, Klima und Tiere. Deshalb ist es keine Nebensache und schon gar kein Nice-to-have-Thema, wie wir Gemeinschaftsverpflegung in Niedersachsen leben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade in einer Gesellschaft im Wandel mit immer vielfältigeren Lebensrealitäten können wir nicht länger davon ausgehen, dass ein Bewusstsein für gesunde Ernährung oder für die Qualität und Herkunft von Lebensmitteln einfach von selbst entsteht. Nicht jedes Elternhaus kann das leisten; nicht jeder ältere Mensch hat die Möglichkeit und die Kraft, sich darum zu kümmern. Deshalb ist hier politisches Handeln gefordert. Wir wollen die Gemeinschaftsverpflegung in Niedersachsen stärken - konkret, machbar und dennoch mit Augenmaß. Wir wollen Schulmensen zu echten Lernorten machen, an denen gesunde Ernährung erfahrbar wird. Wir wollen die besonderen Bedürfnisse älterer Menschen stärker in den Mittelpunkt rücken. Und wir wollen, dass Kantinen in landeseigenen Einrichtungen mit gutem Beispiel vorangehen - regional, nachhaltig und ausgewogen. Und ja, wir wollen uns dabei auch an den wissenschaftlich fundierten Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientieren. Ich weiß, dass diese Standards im Ausschuss kritisch beäugt wurden, besonders von der CDU; wir haben es auch gerade gehört. Doch tatsächlich sind diese Standards eben keine Bevormundung und auch keine Ideologie, und sie führen das hat auch die Anhörung gezeigt nicht zwangsläufig zu nennenswerten Preissteigerungen. Nein, sie bieten vielmehr einen Rahmen, wie gesunde Ernährung gelingen kann. Liebe Kolleginnen und Kollegen, trotzdem sind wir der Kritik der CDU im Ausschuss begegnet und haben in der finalen Fassung auf eine strikte Verbindlichkeit verzichtet. Doch überzeugt hat das die Kolleginnen und Kollegen der CDU leider nicht. Das bedauere ich, denn ich bin mir sicher: Auch Ihnen liegt die gesunde Ernährung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, am Herzen. Auch in unserem Koalitionsvertrag auf Bundesebene haben wir eine mögliche Verbindlichkeit beschrieben, deshalb ist Ihre fehlende Zustimmung noch viel bedauerlicher. In vielen Kommunen sind die DGE-Standards gelebte Praxis, zum Beispiel in meinem heimischen Landkreis Oldenburg. Wir haben erst im April einen Kreistagsbeschluss gefasst zusammen mit der CDU, in dem sich auch die CDU einstimmig! zu den DGE-Standards in den Schulen bei der Mittagsverpflegung bekannt hat ‑ ein gutes Zeichen. Deshalb mein Appell: Geben Sie sich heute einen Ruck! Stützen Sie diesen Antrag! Stärken Sie damit die gute Ernährung unserer Kinder, unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie vor allem die Strukturen, die Tag für Tag daran arbeiten, gutes Essen gemeinschaftlich zugänglich zu machen! Darüber würde ich mich sehr freuen. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.
