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Sophie Ramdor

CDU 13.12.2022 5:00 min Tagungsabschnitte 19/3

Gute Bildung fängt ganz früh an - IQB-Studie legt Defizite bei Lesen, Schreiben, Rechnen offen - jetzt Trendwende einleiten, soziales Lernen und Basiskompetenzen zusammen fördern

Sophie Ramdor (CDU): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Zahlen sind erschreckend. In Orthografie, also in der Rechtschreibung, verfehlen 36,7 % der Kinder in Niedersachsen laut der neuesten IQB-Studie den Mindeststandard. Diese Zahl ist besonders erschreckend vor dem Hintergrund, dass der Mindeststandard die Trennlinie zum Analphabeten ist. 39 % erreichen zudem nur den Regelstandard und 5,6 % den Optimalstandard. In den Bereichen Lesen, Zuhören und Mathematik sieht es nicht viel besser aus. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht einmal 10 % der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen schaffen den Optimalstandard. Alle fünf Jahre werden die Zahlen schlechter. Dazu muss die Frage gestellt werden, wer eigentlich in den letzten zehn Jahren für die Bildungspolitik in unserem Niedersachsen verantwortlich war. (Beifall bei der CDU - Grant Hendrik Tonne [SPD] verlässt seinen Platz im Plenarsaal - Jörn Schepelmann [CDU]: Er geht gerade weg!) Sehr geehrte Damen und Herren, wir werden zu dieser Thematik wahrscheinlich häufig den Zusammenhang zwischen der Studie und der Corona-Pandemie hören und das schlechte Abschneiden in den Fächern Deutsch und Mathematik auf die Corona-Pandemie schieben. Die Untersuchung zeigt, dass Kinder, die Deutsch nicht als Muttersprache haben und während der Pandemie zu Hause weniger Deutsch gesprochen haben, bei den Tests besonders schlecht abschneiden. Dieser Aspekt ist nicht von der Hand zu weisen. Er erklärt aber nicht, wieso Bayern und Sachsen im Verhältnis relativ gut dastehen und wir als Niedersachsen in den meisten Punkten nur noch vor Berlin, Bremen und Nordrhein-Westfalen liegen. Bei diesen Zahlen sollte man denken, dass der zukünftige Schwerpunkt jeder Regierung auf der Vermittlung der Sprache im frühkindlichen Bereich liegt. Denn ohne genügend Sprachkenntnis ist keine Teilhabe an dem Bildungssystem und der Gesellschaft möglich. Ich konnte aber leider den großen Schwerpunkt auch der Sprachförderung im frühkindlichen Bereich im neuen rot-grünen Regierungsprogramm nicht finden, sondern die Sprache ist dort eingebettet neben Demokratiebildung, Gesundheit, Ernährung, Umweltbildung, Mehrsprachigkeit, Diversität, Wertevermittlung, Sport und Bewegung sowie Musik. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir können sehr gerne über diese ganzen Themenbereiche sprechen. Bei den vorhin vorgestellten Zahlen sollten, nein müssen wir den Schwerpunkt doch ganz klar benennen. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse wird es keinen Austausch über Diversität oder Demokratiebildung geben können. (Beifall bei der CDU) Vielleicht sollten wir bei diesen schlechten Zahlen endlich den Fokus auf Lesen, Schreiben und Rechnen legen und uns darauf konzentrieren. Es kann und darf nicht sein, dass Kinder, bevor sie den ersten Schritt durch eine Schultür gemacht haben, aufgrund ihrer Sprachfähigkeit gravierende Nachteile gegenüber den Muttersprachlern haben. Diese Nachteile holen die meisten kaum auf. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe bis zum Sommer an einer solchen Schule gearbeitet. In jeder 1. Klasse sitzen dort Kinder, die kein einziges Wort Deutsch können. Der größte Teil der anderen Kinder hat einen solch geringen Wortschatz, dass sie den Lehrkräften die banalsten Dinge - wo sie sich verletzt haben, dass sie einen Stift brauchen oder auf die Toilette müssen - nicht mitteilen können. Wenn man Glück hat, spricht eines der Kinder genügend Deutsch, kann die Sprache der anderen Kinder und kann bei akuten Schwierigkeiten die Verständigung herstellen. Diese Schwierigkeiten beziehen sich nicht auf das Fach Deutsch, sondern liegen viel niedrigschwelliger im ganz normalen Schulalltag. Der Aspekt, dass kleine Kinder Unterricht für die Lehrkräfte dolmetschen müssen, damit eine Kommunikation überhaupt möglich ist, dürfte nirgends Alltag sein. Meine sehr geehrten Damen und Herren, dies ist aber leider an vielen Grundschulen in Niedersachsen Realität. Deshalb sollten wir frühzeitig flächendeckende Diagnostik bei den Kindern im Alter von drei bis vier Jahren durchführen und bei Auffälligkeiten mit den Eltern ins Gespräch kommen. Wir müssen endlich ein einheitliches Vorschulprogramm für die Kindergärten schaffen und die Schulkindergärten vor allem an den Schulorten, wo der Anteil an sozial benachteiligten Kindern hoch ist, ausbauen. Wenn die Kinder dann in die Grundschule kommen, müssen wir die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen ausbauen und dort unsere Schwerpunkte setzen. Grundschulen mit vielen Kindern aus sozial schlechtergestellten Familien benötigen kleinere Klassen. Ich weiß: Aktuell haben wir nicht genügend Lehrkräfte. Trotzdem können dort vermehrt Stellen ausgeschrieben, können sie finanziell bessergestellt und Gelder für Schulsozialarbeiter und Dolmetscher an diese Schulen vergeben werden. Hören wir auf, uns an allzu vielen thematischen Bereichen in den Kindergärten und Schulen zu verbrennen! Legen wir vielmehr den Schwerpunkt unserer zukünftigen Arbeit in den Ausbau der Sprache und in den frühkindlichen Bereich! Die besten Konzepte und Ideen werden nicht funktionieren, wenn den Kindern der Wortschatz zum Verstehen fehlt. Vielen Dank. (Starker, anhaltender Beifall bei der CDU und Zustimmung von Harm Rykena [AfD]) Präsidentin Hanna Naber: Vielen Dank.

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