Philipp Meyn
Die Fachkräfte von morgen brauchen jetzt unsere bestmögliche Unterstützung - berufliche Orientierung an niedersächsischen Schulen ausbauen und weiterentwickeln!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es gibt einen Dschungel - einen Dschungel voller Berufsmöglichkeiten. Wir haben heute viele junge Menschen hier. Es stellt sich erst mal recht unübersichtlich dar, welche Möglichkeiten man später im Beruf hat. In diesen Dschungel wagen sich auch nicht alle Jugendlichen sofort und so ganz ohne Begleitung hinein. Es braucht eine strukturierte Unterstützung beim Zurechtfinden. Es braucht einfach berufliche Orientierung, denn dieser Dschungel muss betreten werden, um einen passenden Platz dort zu finden. Das heißt: Raus aus der Hütte und rein in diesen Dschungel! Im übertragenen Sinne: Raus aus der Schule und rein in die Unternehmen, rein in die Wirtschaft! Das ist gelebte berufliche Orientierung. Genau das wollen wir forcieren, indem wir sagen: In der Sekundarstufe I, auch bei den Gymnasien, gilt es jetzt bereits für die Jahrgänge 8 und 9: Raus der Schule und rein ins Wirtschaftsleben! Insofern ist es ein ganz wichtiges Zeichen, das wir heute mit diesem Antrag setzen. Man muss sagen: 70 % der befragten Schulleitungen und Lehrkräfte unterstützen genau dieses Ansinnen. Der Antragstitel lautet passend: „Die Fachkräfte von morgen brauchen jetzt unsere bestmögliche Unterstützung - berufliche Orientierung an niedersächsischen Schulen ausbauen und weiterentwickeln!" Ich zitiere einen Kollegen der CDU, der hinten in der letzten Reihe sitzt, aus dem Januar-Plenum: „Ihr Antragstitel enthält eine richtige Feststellung, nämlich dass die Fachkräfte von morgen unsere Unterstützung jetzt brauchen - jetzt, nicht in einem Jahr, nicht in anderthalb Jahren, sondern jetzt! ... Wir können eigentlich schon heute über diesen Antrag abstimmen. Wir haben alle Informationen." Richtig! So ist es. Herr Reinken, Sie haben das Zucken der Parlamentarischen Geschäftsführer dabei nicht gesehen. Eine ganz direkte Abstimmung war da nicht gewollt. Aber ich denke, es ist durchaus ein zügiges Vorgehen, wenn im Januar ein Antrag eingebracht und heute beschlossen wird. Wir bringen das heute auf den Weg. Gesagt, getan! Es wurde deutlich das ist jetzt frei von jeglicher Ironie, dass Sie dieser Antrag inhaltlich überzeugt hat. Eine Zustimmung heute wird dadurch schlüssig sein. Der Antrag besitzt nämlich zwei ganz zentrale Vorteile gegenüber dem Antrag der CDU, der im letzten Plenum abgelehnt werden musste. Erster Vorteil: Die Ergebnisse aus dem Ausschuss aus der Unterrichtung, aus der Exkursion, aus den Expertengesprächen und auch aus der Evaluation seitens des MK sind eingeflossen. Das ist bei Ihrem Antrag nicht geschehen. Der zweite Punkt, der inhaltlich zentral ist: In diesem Antrag wird keine Zwangskooperation zwischen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen dargelegt. Denn berufliche Orientierung lässt sich nicht verordnen. Kooperationen lassen sich nicht erzwingen. Wir geben die Kompetenz in die Schulen vor Ort. Eine Frage, die ich auch bei der Unterrichtung im Ausschuss gestellt habe, betrifft das Thema „landeseigenes Konzept versus schuleigenes Konzept". Die überzeugende Antwort lautete: Wir haben die Erfahrung gemacht so ein Experte aus dem MK, dass die Schulen passgenauer beschreiben können, welche Angebote für ihre Schülerinnen und Schüler die richtigen sind, wenn sie sich intensiv mit ihrer lokalen Situation auseinandersetzen. Das hängt natürlich von der Schulform ab. Aber wir legen Wert darauf, dass das gesamte Spektrum an möglicher beruflicher Orientierung für die Schülerinnen und Schüler abgebildet wird. Die gesamte Palette und auch die Durchlässigkeit zwischen Ausbildung und Studium sollen deutlich werden. Dann hängt es davon ab, welche lokalen Strukturen von Ausbildungsplätzen vorliegen, welche Ausbildungsplätze angeboten werden und welche Praktikumsmöglichkeiten bestehen. Diese Fragestellungen können nicht landesweit, sondern nur vor Ort unter Beteiligung der zahlreichen Stakeholder beantwortet werden. Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, wir setzen genau darauf, diese Schulkonzepte noch weiter zu stärken und nicht das zu „rasieren", was seit 2018 durch den Erlass in den jeweiligen Schulen aufgebaut wurde. Wichtige Kernaspekte habe ich beim letzten Mal vorgetragen: Praxistage flexibilisieren und an Gymnasien weiter erhöhen. Das ist zeitintensiv. Deshalb müssen wir Unterstützungsmöglichkeiten für lehrendes und nichtlehrendes Personal schaffen. Ein zentraler Punkt ist auch die Verankerung beruflicher Orientierung in allen Fächern. Das ist eine fachübergreifende Aufgabe, die bereits in der Lehramtsausbildung durch Fortbildung und auch in die Curricula Eingang finden muss. Als letzten Punkt nenne ich als ein weiteres Highlight, die Einführung einer Schüler-ID bzw. Auszubildenden-ID voranzubringen. Die Schüler-ID kann im Zusammenhang mit einer besseren Nachvollziehbarkeit von Bildungsbiografien zur digitalen Dokumentation die Dokumentation ist nämlich momentan noch nicht optimal der Teilnahme an BO-Maßnahmen hinzugezogen werden. Der Datenschutzbeauftragte hatte da noch Gesprächsbedarf, aber das ist eine Aufgabe, die wir sicherlich in den nächsten Monaten angehen werden. Kurzum: Mit dem 2018 in Kraft getretenen Runderlass zur beruflichen Orientierung wurde diese schon erfolgreich als gesamtschulische Querschnittsaufgabe definiert. Gelingende berufliche Orientierung geht aber noch darüber hinaus. Es ist nicht nur eine schulische Querschnittsaufgabe, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Da muss man sagen, im Land passiert genau in Bezug auf diese gesellschaftliche Aufgabe unheimlich viel. Die Zusammenarbeit mit dem Bund, der Berufsberatung vor Ort, aber auch mit den Kammern ist wirklich häufig glänzend. Die wollen wir hiermit weiter stärken, damit wir Fachkräfte von morgen bekommen, die die bestmögliche Unterstützung erhalten und sich mit Selbstbewusstsein auf das Berufsleben freuen können. Besten Dank. Herzlichen Dank, Herr Kollege. - Die nächste Wortmeldung kommt
