Christoph Willeke
Agri-Photovoltaik in Niedersachsen voranbringen - Chancen für die Landwirtschaft nutzen!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kollegen! Ich muss damit beginnen: Es gibt tatsächlich Pflanzen in Niedersachsen, zum Beispiel Beeren, die finden es nicht ganz so sonnig super. Das Fraunhofer-Institut ISE hat gesagt wissenschaftlich bewiesen, gucken Sie gerne mal rein, dass unter Agri-PV-Anlagen bestimmte Pflanzen ein höheres Ertragspotenzial haben. Wenn man hier davon redet, dass sie die Landwirtschaft nur negativ beeinflussen können, dann ist das einfach wissenschaftlich falsch. Das muss man mal ganz klar sagen. Das gilt für sonnenliebende Früchte. Ja, das gilt auch für den Weizen das ist so, für eine unserer Hauptkulturen, aber eben explizit nicht für alle. Wir haben in Niedersachsen eine ganze Menge Kulturen, die eben nicht so aufgestellt sind, die auch mit einem bisschen Schatten hervorragend umgehen können. Jetzt fehlt mir leider schon eine Minute meiner Redezeit. Das ist schade. Wir sprechen heute abschließend über ein Thema, das wie kaum ein anderes belegt, dass Landwirtschaft, Energie und Klima zu einem konstruktiven Dreiklang verschmelzen können: die Agri-Photovoltaik. - Der von SPD und Bündnis 90/Die Grünen vorgelegte Antrag markiert einen Schritt zur Lösung drängender ökologischer und ökonomischer Herausforderungen für unser Land Niedersachsen auf unserem Land in Niedersachsen. Agri-Photovoltaik bezeichnet die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion und zur Erzeugung von Solarstrom. Das Fraunhofer-Institut ISE, das ich gerade schon erwähnt habe, hat erst vor wenigen Wochen bestätigt, dass allein die in Deutschland für die Agri-PV optimal geeigneten landwirtschaftlichen Flächen ein technisches Potenzial von bis zu 500 Gigawatt Solarleistung bieten und damit die bundesdeutschen Ausbauziele für die Photovoltaik bis 2040 deutlich übertreffen - vor allem übrigens im Alten Land. Selbst die Teilnutzung von weniger als 1 % der Agrarflächen mit Agri-PV hätte beträchtliche Effekte für die Energiewende. Agri-PV-Anlagen helfen oftmals gleich zweifach. Sie schützen Pflanzen vor Wetterextremen das haben wir schon gehört und ermöglichen zugleich die Nutzung der Flächen für klimafreundliche Energieerzeugung. Die aufgeständerten PV-Module bieten Schutz vor Hagel, starker Sonneneinstrahlung und Starkregen, was nachweislich Ernteverluste signifikant reduzieren kann. Zusätzlich zu den ökologischen Vorteilen eröffnet Agri-PV Landwirten neue Einkommensmöglichkeiten. - Ich kürze mal ein bisschen ab, damit wir hier noch durchkommen. Natürlich, da gebe ich sogar der AfD recht, ist diese Technologie nicht frei von Herausforderungen. Die Errichtung von Agri-PV-Anlagen erfordert Investitionen, natürlich einen Netzanschluss und technische Speziallösungen, beispielsweise semi-transparente Module, die für das Wachstum der Pflanzen optimiert sind. Zudem bleiben noch viele Fragen zur optimalen Integration in bestehende landwirtschaftliche Systeme offen. Aber die Menschen trauen sich ja schon: Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer in der Landwirtschaft bauen diese Systeme. Ich finde, wir dürfen unseren Unternehmern in Niedersachsen so weit vertrauen, dass sie schon richtige Entscheidungen treffen. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, Ihr Antrag hat gute Ansätze; das möchte ich nicht abstreiten. In beiden Anträgen erkennen wir die Zielkonflikte zwischen Energieerzeugung und landwirtschaftlicher Urproduktion. Das knüpft übrigens auch sehr schön an die Debatte von gestern zum Agrarstrukturgesetz an. Unser Antrag geht noch etwas genauer ins Detail - bis hin zur Nennung von DIN-Normen. Das ist gar keine Kritik an Ihrem Antrag. Im Gegenteil - ich begrüße Ihren Antrag durchaus. Wir als SPD und Grüne haben nur noch weitere Punkte gefunden. Ich denke, bei einem Thema, bei dem wir so viele Gemeinsamkeiten haben, kann ich zumindest Sie von der CDU herzlich einladen, unserem Antrag zuzustimmen. Unser Antrag formuliert eine ambitionierte Vision. Wir erkennen die Potenziale der Agri-Photovoltaik sowohl für die Energiewende als auch für die Zukunft der Landwirtschaft an und leiten daraus konkrete politische Rahmenbedingungen ab. Die Deckelung von Freiflächen-PV auf 0,5 % der Landesfläche bringt ökologische Verantwortung und Ernährungssicherung in Einklang mit den Ausbauzielen im Bereich der Solarenergie. Zudem werden offene Fragen zu Technik, Wirtschaftlichkeit und Praxis weit über Pilotprojekte hinaus angegangen. Es werden Monitoring, Expertise und Weiterbildung verlangt, um Innovationen flächendeckend zu fördern - vom Beerenanbau über die Rinderhaltung bis zu Diversitätsgewinnen durch ökologische Ausgestaltung der Anlagen. Gleichzeitig fordern wir, dass alle relevanten Fördersysteme landes- und bundesweit weiterentwickelt und Hürden aktiv abgebaut werden. Dadurch senden wir das starke Signal, dass Landwirtschaft und Klimaschutz gemeinsam gedacht werden können. Wir erkennen die Schwachstellen der Agri-PV an. Die Energieausbeute pro Flächeneinheit ist geringer, die Aufständerungen teurer, und manchmal ist es auch schwierig, PV-Systeme in die Urproduktion einzubinden. Aber mutige Menschen entscheiden sich dafür, diesen Schritt zu gehen, weil Doppelnutzung nun mal einfach der bessere Weg ist und die Systemleistung erhöht. Ich finde das allemal unterstützenswert. Sehr geehrte Damen und Herren, die Zukunft Niedersachsens liegt in der aktiven Gestaltung und Förderung doppelter Landnutzung. 0,5 % der Landesfläche hören sich erst mal wenig an, aber Fläche ist nicht vermehrbar. Erhalten wir sie! Wer den Antrag von SPD und Grünen unterstützt, entscheidet sich nicht nur für einen Weg, der auf Klimaschutz setzt, sondern auch für die niedersächsische Landwirtschaft. Wir nehmen mit diesem Antrag auch Druck vom Kessel - Druck von den landwirtschaftlichen Flächen. Ich sage es ganz deutlich: Wir haben bei der Energiewende Tempo aufgenommen. Es ist sinnvoll, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen und sie auch schnell auszubauen. Aber dieser Ausbau ist wie alles auf der Welt natürlich endlich. Deswegen ist es jetzt an der Zeit, die PV-Anlagen von morgen zu bauen - auf den noch freien Dächern, vielleicht mit Wärmetauschern auf der Unterseite, über Parkplätzen oder, integriert in das System der Landwirtschaft, als Agri-PV. Das ist der richtige Weg für eine moderne, nachhaltige Landwirtschaft und eine gelungene Energiewende mit Agri-PV als Treiber und Bindeglied. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
