Marie Kollenrott
Niedersachsen geht in die Solar-Offensive - Ausbau vervielfachen, Innovation und Produktion stärken
ein düsteres Bild. Reißen wir das 1,5-Grad-Ziel, droht eine durch Kipppunkteffekte außer Kontrolle geratene Klimakatastrophe. Damit verbunden ist u. a. ein massiver Anstieg des Meeresspiegels, der Niedersachsens Küsten bedroht. Wir, die wir als Landtagsabgeordnete in der Verantwortung für das Handeln unseres Landes stehen, können das keinesfalls ignorieren. Wir müssen alle uns zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung setzen, um dem rasant voranschreitenden Klimawandel auch nur ansatzweise adäquat begegnen zu können. Einer der wichtigsten Hebel ist dabei die Energiewende: Umstellung des Energieverbrauchs auf Strom auf der einen Seite und Umstellung auf eine klimaneutrale Stromproduktion mit Erneuerbaren auf der anderen Seite. Wir wollen alle möglichen Potenziale nutzen, doch zwei Energieerzeugungsarten sind für uns dabei besonders zentral: Windenergie und Solarenergie. Beide wollen und werden wir in dieser Legislatur mit aller Kraft voranbringen. Bei der Solarenergie müssen wir dabei wahrlich, um das Wording unseres Ministers zu benutzen, einen … - nein, ich sage es nicht - zünden; denn das Ausbauziel der Solarenergie ist im Vergleich mit der Windenergie mehr als doppelt so hoch (Christian Calderone [CDU]: Wie zündet man so was denn?) und der Ausbaustand um mehr als das Zehnfache geringer. Aufpassen jetzt - weil das wichtig ist -: Das Rekordausbaujahr 2014 wollen wir zukünftig jährlich um mehr als das Sechsfache übertreffen. Die Herausforderung des Solarausbaus ist zudem umso größer, da rund 80 % des Ausbaus auf bereits versiegelten Flächen stattfinden soll. Dies ist in der ersten Linie die Nutzung von Dächern, aber wir werden auch Wandflächen vertikal solarisieren und Parkplätze in großem Stil mit PV überdachen müssen. Die durchschnittliche PV-Anlagengröße betrug in den vergangenen beiden Jahren in Niedersachsen nur 15 kWp. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir dementsprechend jährlich 250 000 Personen im Land davon überzeugen, auf ihren Immobilien Solaranlagen in entsprechender Größe anzubringen. Dies ist wahrlich eine Herkulesaufgabe. Der Bund liefert hierzu zwar bereits einen wichtigen Baustein, indem er die Streichung der Mehrwertsteuer auf Solarenergieanlagen und Speicher veranlasst hat - das ist auch ein guter Kaufanreiz -, aber nun müssen auch wir in Niedersachen unsere Bausteine hinzufügen. (Unruhe) Liebe Kolleginnen der CDU, da Sie gerade nicht wirklich aufpassen, (Widerspruch bei der CDU - Jörn Schepelmann [CDU]: Ja, ja, von wegen!) möchte ich an dieser Stelle einmal sagen: Ich erwarte hierbei volle Kooperation, und ich wünsche mir ganz eindringlich von Ihnen, dass wir --- (Unruhe) Vizepräsidentin Barbara Otte-Kinast: Moment! Ich darf um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bitten. Die Rednerin hat das Wort. Ich bitte um ein wenig mehr Ruhe und Disziplin. - Danke schön. Marie Kollenrott (GRÜNE): Ich wünsche mir ganz in dem Sinne, wie wir im Ausschuss gemeinsam gestartet sind, dass Sie uns mit gutem Rat zur Seite stehen und wir gemeinsam auf eine fruchtbare Kooperation und auf Know-how-Austausch setzen. (Zustimmung von Thordies Hanisch [SPD]) Alles andere ist nach den Ergebnissen von Montag absolut ausgeschlossen. Alles andere würde allem entgegenstehen, was wir jetzt brauchen; denn der Klimawandel wird auf politische Spielchen keine Rücksicht nehmen. Wir sitzen in einem Boot, und das Wasser steigt verdammt schnell. Wir wissen das, und Sie wissen das, nur Sie da rechts wissen es nicht, Sie haben es nicht verstanden. Ich mache mir auch keine Hoffnungen, dass sich das noch ändert. (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD) Insofern: Lassen Sie uns zusammenarbeiten! Es gilt, auf 0,5 % der Landesfläche Freiflächen-PV unter Berücksichtigung der Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz zu realisieren. Die Frage ist nicht, ob wir die 15 GW Freiflächen-PV realisieren wollen, sondern die Frage ist nur, wo und wie schnellstmöglich. Diese Frage wird u. a. im Rahmen der Taskforce Energiewende zu beraten und zu beantworten sein, eben da, wo zukünftig Expertinnen sitzen, die uns hoffentlich in einem positiven Sinne voranbringen. Die notwendige Solar-Offensive ist ohne Zweifel eine gewaltige Herausforderung für uns alle gemeinsam. Es ist eben aber auch eine gewaltige wirtschaftspolitische Chance. Mit der Bereitstellung von günstigem Solarstrom helfen wir Menschen und ihren Betrieben. Wir verschaffen landwirtschaftlichen Betrieben ein weiteres Standbein, indem wir Landwirtinnen bei der Umsetzung von innovativen Agri-PV-Projekten unterstützen. Wir helfen der Wasserwirtschaft bei der Bereitstellung von kühlem Wasser insbesondere im Sommer, indem wir prüfen, inwieweit wir auf den Stauseen Floating-PV installieren können. Wir stärken unser gemeinsames Know-how, indem wir das ISFH, das Institut für Solarenergieforschung, bei seiner wichtigen Forschung auch finanziell unterstützen. Wir bekämpfen den Fachkräftemangel durch forcierte Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote. Und last, but not least: Wir wollen Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Effizienztechnologie wieder verstärkt in Niedersachsen produzieren. So verringern wir Abhängigkeiten, und so schaffen wir nachhaltige Arbeitsplätze und eine prosperierende grüne Wirtschaft für dieses Land. Vizepräsidentin Barbara Otte-Kinast: Frau Kollenrott, ich darf Sie kurz unterbrechen: Lassen Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Herrn Mohrmann zu? Marie Kollenrott (GRÜNE): Aber klar. (Sebastian Lechner [CDU]: Ja, sehr gut! - Carina Hermann [CDU]: So macht man das, Frau Osigus!) Vizepräsidentin Barbara Otte-Kinast: Bitte, Herr Dr. Mohrmann!
