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Dr. Silke Lesemann

SPD 12.10.2023 6:47 min Tagungsabschnitte 19/10

Einführung eines eigenständigen Promotionsrechts für Fachhochschulen

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen, meine Herren! Das Profil der Hochschulen für Angewandte Wissenschaft, fortfolgend HAW genannt, hat sich seit ihrer Einführung als Fachhochschulen vor ungefähr 50 Jahren massiv verändert. Die in Niedersachsen beheimateten sieben Fachhochschulen in staatlicher Verantwortung stehen für Praxisnähe in der Lehre und für Anwendungsbezug. Nicht nur deshalb tragen sie zur dringend erforderlichen Ausbildung von qualifizierten Fachkräften bei. Und noch etwas zeichnet sie aus: Im Vergleich zu Universitäten findet man HAW viel häufiger in mittelgroßen Städten und in eher ländlichen Regionen. Ihre regionale Verankerung ermöglicht einen hervorragenden Technologie- und Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und regionaler Wirtschaft. Fachhochschulen stärken die Regionen in Niedersachsen, weil sie die Fachkräfte vor Ort gut ausbilden und dies nicht allein den großen Universitätsstädten überlassen. Fachhochschulen sind auch wichtige Brückenbauer zwischen beruflicher und akademischer Bildung, zumal viele Studierende vorher eine berufliche Ausbildung absolviert haben. Ähnliches gilt für die Professorinnen und Professoren an HAW. Sie haben in der Regel eine Doppelqualifikation und müssen sowohl in Forschung und Wissenschaft als auch in der beruflichen Praxis ausgewiesen sein. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, mittlerweile sind HAW im Bereich der anwendungsbezogenen Forschung und auch im Transfer sehr erfolgreich. Angewandte Forschung und Transfer finden meist in Kooperation mit kleinen und mittleren Unternehmen sowie regionalen Einrichtungen, beispielsweise aus dem technischen oder dem sozialen Bereich und dem Gesundheitsbereich, statt. Damit unterstützen die Hochschulen für Angewandte Wissenschaft Innovationen und Transfer in der Breite, ergänzend zur Grundlagen- und Spitzenforschung der Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Meine Damen und Herren, Sie sehen also, Forschung ist in Ergänzung zur praxisorientierten Lehre zunehmend stark profilbildend für unsere Fachhochschulen. Diesem innovativen und forschungsstarken Profil sowie dem Potenzial der HAW wird der grundständige Ausschluss von eigenständigen Promotionen, wie ihn § 9 des NHG bisher vorgibt, nicht mehr gerecht. Wir haben in den vergangenen Wahlperioden kooperative Promotionen zwischen Fachhochschulen und Universitäten ermöglicht. In einzelnen Fällen kann das auch eine gute Lösung sein. Berücksichtigt wird aber nicht, dass manche Fächer, an denen HAW erfolgreich forschen, von Universitäten gar nicht erst angeboten werden. In diesen Fächern sind kooperative Promotionen gar nicht oder nur mit aufwendigen Verfahren möglich. An den HAW werden immer öfter fächerübergreifende und transferorientierte Promotionsthemen angeboten, die für kooperative Promotionen eine große Herausforderung darstellen. Die Debatte über ein Promotionsrecht für Fachhochschulen wäre nie aufgekommen, wenn das, was wir bisher hatten, gut funktionieren würde. Doch die kooperative Promotion, bei der Fachhochschulprofessoren und Universitäten gemeinsam Doktorandinnen und Doktoranden betreuen, läuft nur in Einzelfällen wirklich gut, weil sie eben auf Freiwilligkeit basiert. Die Universitäten können mitmachen, müssen aber nicht. Es hängt also meist von guten persönlichen Kontakten zwischen Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Hochschultypen ab. Die Fachhochschulen sind dann eben auch die Bittsteller - übrigens selbst dann, wenn die Uni-Leitungen die kooperative Promotion grundsätzlich unterstützen. Deshalb wollen wir nun einen weiteren Schritt gehen. Bei der anstehenden Novelle des Niedersächsischen Hochschulgesetzes soll ein befristetes und an Bedingungen geknüpftes Promotionsrecht für forschungsstarke Bereiche eingeführt werden. Die im Antrag vorgeschlagene Regelung orientiert sich am Hessischen Hochschulgesetz. Dort wird das schon seit einer Weile erfolgreich praktiziert. Gerne hätten wir als SPD-Fraktion diese Regelungen schon in den vorherigen Wahlperioden ermöglicht. Das war aber unter den beiden letzten Regierungskonstellationen nicht möglich. Gleichwohl haben wir schon ein paar Verbesserungen auf den Weg gebracht, aber noch nicht in der Form, die wir jetzt angehen wollen. Wir versprechen uns von einem eigenständigen Promotionsrecht einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung und zur Sicherung des dringend benötigten wissenschaftlichen und praxisorientierten Nachwuchses. Hierdurch werden wir den Wissenschaftsstandort und auch den Wirtschaftsstandort Niedersachsen stärken. Wichtig ist auch, dass die Qualifizierung akademischer Fachkräfte einer spürbaren Abwanderung in benachbarte Bundesländer entgegenwirkt, die das Promotionsrecht an Fachhochschulen bereits ermöglichen. Hierzu gehören unsere Nachbarländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen- Anhalt und auch Schleswig-Holstein. Das sind nicht alle unsere Nachbarländer, aber es geht in die Richtung. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Niedersachsen derzeit eines von vier Bundesländern ist, die diesen Schritt bisher noch nicht gegangen sind. Es wird also höchste Eisenbahn. Ohne eine entsprechende Regelung wird sich der bereits bestehende Wettbewerbsnachteil erheblich vergrößern. Meine Damen und Herren, wenn HAW das Promotionsrecht einfordern, dann geht es nicht darum, dass sie kleine Universitäten werden wollen. Wir werden auch nicht auf eine Einheitshochschule zusteuern, wie manche Kritikerinnen und Kritiker provokant behaupten. In den vergangenen Jahren differenzierten sich Hochschulen wie Universitäten immer weiter aus und profilieren sich erfolgreich. Das ist im Übrigen politisch auch so gewollt. Beispielsweise zählt die HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen zu den sechs Hochschulen für Angewandte Wissenschaft in Deutschland, die mehr als drei Forschungsschwerpunkte in der Forschungslandkarte der Hochschulrektorenkonferenz verzeichnen können. Geforscht wird in zukunftsträchtigen Schlüsseltechnologien wie beispielsweise der Plasmaforschung. Ich bin überzeugt: Das Promotionsrecht wird sich an forschungsstarken Fachhochschulen etablieren. Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten - auch nicht in Niedersachsen. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Vielen Dank. Herzlichen Dank, Frau Dr. Lesemann. - Die nächste Wortmeldung

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