Miriam Staudte
Repair-Cafés fördern - Verbraucherschutz stärken
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich muss erst etwas zu Ihren Ausführungen sagen, Herr Dannenberg. Diese Diskreditierung ehrenamtlichen Engagements ist wirklich unerträglich. Sie haben in Ihrer Rede das Thema verfehlt. Sie scheinen die ganze Welt nur noch durch Ihre ideologische Brille zu betrachten und in „für AfD" und „gegen AfD" einzuteilen. 80 % haben Sie nicht gewählt, und Sie werden häufiger damit rechnen müssen, dass Menschen Ihre Auffassung nicht teilen, egal wo Sie sich engagieren. - Ja, genau, regen Sie sich ruhig auf. Jetzt mal zum Sachthema. Meine Eltern haben in ihrer Küche ein Radio stehen. Das haben sie angeschafft, als ich in der Grundschule war. Ich habe damals mit einem Kassettendeck Lieder aufgenommen. Ich glaube, wenn irgendjemand noch eine Leerkassette hätte, dann würde das wahrscheinlich auch heute noch funktionieren. Das Radio steht im Übrigen auf einer Mikrowelle. Die haben sie angeschafft, als ich in der fünften Klasse war. Auch die funktioniert noch einwandfrei. Die beiden Firmen, die diese Geräte hergestellt haben, gibt es aber nicht mehr; sie haben nämlich zu gute Geräte hergestellt und wurden von Firmen verdrängt, die auf Verschleiß und darauf gesetzt haben, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem sie immer wieder neue Produkte kaufen müssen. Man hat sich daran gewöhnt, dass Produkte, bei denen man früher auf Langlebigkeit gesetzt hat, heute schnell ersetzt werden müssen, weil sie vielleicht gar nicht mehr reparierbar sind oder weil es die Geschäfte auch gar nicht mehr gibt, die diese Geräte reparieren würden. Das ist ein Problem; wir haben einen unglaublichen Ressourcenverbrauch. Knapp 5 Millionen t Elektroschrott werden jährlich in Deutschland produziert. 80 % des europäischen Elektroschrotts gehen in Länder in Asien und Afrika. Dort werden sie unter sehr fragwürdigen Bedingungen und mit einfachsten Hilfsmitteln per Hand auseinandergenommen. Wir importieren dann wieder die recycelten Rohstoffe. Das alles hat wirklich nichts mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu tun. Aber es gibt eine Gegenbewegung. In Repair-Cafés kommen diejenigen zusammen, die Produkte wieder zum Laufen bringen wollen. Erfahrene Tüftler und Tüftlerinnen helfen denjenigen, die mit ihren kaputten Haushaltsgeräten kommen. Auch politisch tut sich einiges. Die EU-Ökodesign-Verordnung ist angesprochen worden; sie soll dafür sorgen, dass eine Reparierbarkeit dieser Gerätschaften in der ganzen Bandbreite überhaupt wiederhergestellt wird. Es gibt nicht nur die Initiativen, die gerade schon angesprochen worden sind. Wir haben ungefähr 170 Reparatur-Initiativen in Niedersachsen, wo sich viele Ehrenamtliche einsetzen und damit letztendlich auch dazu beitragen, dass finanzschwache Familien und Haushalte ihren Geldbeutel schonen können. Die Szene ist sehr vielfältig. Die Menschen kommen nicht nur in eingetragenen Vereinen, sondern auch in losen Zusammenschlüssen oder mit engagierten Enthusiasten zusammen. Es ist gut, dass man sich auch noch austauscht und einen sozialen Treffpunkt hat, wo auch Kaffee getrunken werden kann. Auch das wollen wir unterstützen. Es passt sehr gut. Die Förderung des Bundes läuft aus. Wir werden die Landesförderung auf den Weg bringen, um mit geringen Mitteln Ehrenamtliche zu unterstützen. Die 3D-Drucker sind inzwischen schon für wenige 100 Euro erhältlich. Man kann so diese fehlenden Ersatzteile herstellen. Natürlich lohnt sich das alles nur, wenn man sich zusammenschließt, und nicht für das einzelne Gerät. Insofern sind das gemeinsame Reparieren und das gemeinsame Nutzen von Werkzeugen sehr wichtig. Ich freue mich, dass wir diese Förderung auf den Weg bringen können. Ich freue mich auch schon, bei Instagram zu sehen, dass viele Abgeordnete ihre Initiativen vor Ort mit einem kaputten Bügeleisen oder Föhn besuchen werden und dann glücklich wieder nach Hause gehen können. Machen Sie bitte Werbung für diese Förderung und unterstützen Sie Ihre Repair-Cafés vor Ort dabei, etwas für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Nachhaltigkeit, für Bildung und für Integration zu tun! Ich finde, das ist wirklich ein tolles gemeinsames Projekt. Vielen Dank, auch an die CDU.
