Pascal Mennen
Handys, Smartphones, Smartwatches - verlässliche Rahmen für die Mediennutzung für Schulen, Eltern, Kinder und Jugendliche erarbeiten
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich hatte mir heute für den Beginn dieser Sitzung vorgenommen, eine Stunde auf mein Handy zu verzichten. Sagen wir es mal so: Es hat nicht so wahnsinnig gut geklappt. Es kamen dann doch zu viele wichtige Nachrichten. Aber ich würde die Aufgabe jetzt gerne an Sie weitergeben. Meine Rede wird noch etwa 300 Sekunden dauern. Alle, die möchten, können ja mal versuchen, ihr Handy für diese Redezeit in die kleine Schublade unterhalb des Pultes zu legen. Warum fällt es mir, warum fällt es uns und warum fällt es den Kindern und Jugendlichen so schwer, eine Zeit lang auf das Handy zu verzichten? Ich habe mich darüber nicht nur bei meinen wöchentlichen Schulbesuchen mit vielen an Schule Beteiligten auseinandergesetzt; besonders intensiv habe ich auch mit einem Psychologen und einer Psychiaterin darüber gesprochen. Daraus die Fakten aus der internationalen Forschungslage: Das Handy ist eine üble Dopamin-Maschine. Es produziert „effortless dopamine"; das bedeutet neurochemisch, dass die Ausschüttung von Dopamin also des Stoffs, der mit Motivation, Belohnung und Glücksgefühlen verbunden ist ohne Anstrengung erfolgt. Diese mühelose Produktion des Wirkstoffes sorgt für einen kurzen Peak, dem dann ein radikales Absinken des Dopaminspiegels folgt, und zwar unter das Basisniveau. Eine Spirale kommt in Gang, die exakt aus der Drogenforschung bekannt ist vergleichbar nicht mit Cannabis, Herr Thiele, sondern mit Kokainsucht. Die Folgen: Schlafstörungen, Leistungsabfall, Konzentrationsschwäche, Motivationsdefizite und daraus folgend Kraftlosigkeit, Isolation, Depression und auch Gefahr der Vereinsamung. Sehr geehrte KollegInnen, in einem groß angelegten Versuch hat eine Gruppe von College-Studierenden in den USA das Handy auf lautlos gestellt und in der Tasche gelassen, ähnlich wie Sie mit den Schubladen. Eine zweite Gruppe hat das Handy vor dem Gebäude abgegeben. Gruppe 1 erzielte signifikant schlechtere Ergebnisse bei verschiedensten Aufgaben. Heute sagen die Forscher weltweit ist Social Media der brutalste Treiber ins psychische Elend das ist ein Zitat, und zwar für uns alle. Für den Bereich Schule zählt das natürlich gleichermaßen bzw. insbesondere. Und von Mobbing oder Pornografie, Sexting oder Gewaltdarstellung insbesondere durch Social Media Alltag in Schule habe ich da noch gar nicht gesprochen. Sehr geehrte Damen und Herren, und nun? Genauso wie ich bei einigen hier im Raum sehe, dass das mit dem Verzicht gerade nicht so wahnsinnig gut klappt, so klappt dies in unser aller Alltag nicht. Verzicht oder Verbot ist nicht die Lösung. Wir sind uns da auch mit dem Landesschülerrat einig. Unser Ziel sollte es sein, dass Verständnis, Vernunft und Verantwortung ein Verbot unnötig machen. Sehr geehrte KollegInnen, Handys, Smartwatches und Co. sind alltägliche Gebrauchsgegenstände geworden. Schulen haben einen sehr unterschiedlichen Umgang damit gefunden. So gibt es Schulen, die die Geräte der SchülerInnen genauso wie weitere Endgeräte in den Unterricht einbinden und auch KI aktiv nutzen. An anderen Schulen wiederum haben SchülerInnen erreicht, dass die Handys vor Unterrichtsbeginn eingeschlossen werden. Die Spanne ist riesig. Der Psychologe, mit dem ich gesprochen habe, geht sogar so weit, zu sagen, dass bei einer geheimen Abstimmung vermutlich eine Mehrheit der Kinder sogar für eine Einschränkung votieren würde. Viele Schulen verlangen klare Vorgaben und sind immer wieder verunsichert, was rechtlich in Ordnung ist und wie es durchgesetzt werden kann. Da wollen wir mit diesem Antrag helfen und ansetzen. Sehr geehrte Damen und Herren, wir setzen deshalb in unserem Antrag auf drei wesentliche Aspekte: Erstens kommen wir den Bitten vieler Schulen nach und stellen rechtlich geprüfte und pädagogisch sinnvolle Empfehlungen und Muster aus, damit nicht jede Schule diesen Aufwand hat, sondern die Schulen hiervon entlastet werden. Zweitens wollen wir, dass die Regelauswahl gemeinsam mit SchülerInnen und Eltern stattfindet. Ich persönlich kenne keine einzige Familie mit jugendlichen Kindern, in der dieses Thema nicht virulent ist. Wir müssen die Eltern und die Kinder bei diesen Fragen mitnehmen. Drittens wollen wir einen Blick auf die Kleinsten werfen. Schon in der Grundschule ist die Nutzung von Handys ein zunehmendes Problem. Der Druck sowohl bei Eltern als auch bei Kindern ist riesig, ebenso die Aufgaben der Lehrkräfte. Hier wollen wir eine generelle Nutzungseinschränkung prüfen lassen. Das hat auch damit zu tun, dass es viele Kinder gibt, die eben noch nicht mit Handy in die Schule kommen. Aktuell läuft dazu gerade eine NDR-Umfrage, die sehr eindeutig zeigt, dass Eltern so etwas unterstützen würden. Aber wir müssen vor allem auch darüber sprechen: Was ist eigentlich die Konsequenz? Einfach nur zu verbieten funktioniert nicht. Die Inhalte kommen trotzdem in die Schulen. Es gibt viele Schulen, die mit Verantwortungskonzepten arbeiten. Die würden durch solch ein generelles Verbot einfach wegrasiert werden, obwohl sie vielleicht schon seit zehn, zwölf Jahren gut funktionieren. Sehr geehrte KollegInnen, zusätzlich machen wir noch genau das, was auch der LandesschülerInnenrat in der Pressemitteilung gefordert hat: Wir steigern die Medienbildung. Das steht in anderen Anträgen und im Nachtragshaushalt. Sie haben das mitbekommen. Wir wissen, wie wichtig Medienkompetenz ist, und natürlich greift das eine in das andere. Sehr geehrte KollegInnen, wir wollen mit diesem Antrag den Schulen Instrumente mitgeben, die sie individuell anpassen und einsetzen können. So werden wir der notwendigen Differenzierung gerecht. Ich danke Ihnen für Ihre das ist gar nicht böse gemeint an diejenigen, die ihr Handy jetzt in der Hand haben nicht ganz ungeteilte Aufmerksamkeit.
