Karola Margraf
Ergebnis IQB-Bildungstrend 2024 für Niedersachsen: Platz 13 vor NRW, Hessen und Bremen
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! 37 % der niedersächsischen Neuntklässlerinnen und Neuntklässler erreichen im Fach Mathematik und in den Naturwissenschaften nicht die für einen mittleren Schulabschluss notwendigen Standards. 165 000 Stellen im MINT-Bereich sind unbesetzt. Das Interesse junger Menschen an solchen Berufen sinkt. Das kann niemanden zufriedenstellen. Aber die Herausforderung existiert, und wir gehen sie an. Die Lösung liegt nicht in düsteren Prophezeiungen und Angstmacherei, sondern in zielgerichteter, verantwortungsvoller Arbeit in Kitas, Schulen und außerschulischen Lernorten, die von der Politik die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt bekommen müssen. Wie die Studie ebenfalls feststellt, ist das geistige Gesundheitsniveau von Jugendlichen in den letzten Jahren erheblich gesunken. Jeder fünfte Jugendliche gibt ein geringes psychisches Wohlbefinden an. Das ist leider kein deutsches Phänomen, sondern eines, das alle OECD-Länder gleichermaßen betrifft. Es muss unsere oberste Aufgabe sein, dass Kinder und Jugendliche an Leib und Seele sicher aufwachsen können. Die Onlineplattform „Jugendliche stärken", die dieses Jahr vom Niedersächsischen Kultusministerium veröffentlicht wurde, bietet Schülerinnen und Schülern Rat und Aufklärung zum Kontext psychische Gesundheit. Zudem haben sich bereits 1 800 Beschäftigte an Schulen mit dem Programm „Mentale Ersthilfe" weiterbilden lassen. Dadurch können sie leichter Anzeichen psychischer Erkrankungen in der Schule erkennen und entsprechend handeln. Unsere Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Gesundheit ist die Basis für Spaß am Lernen in den MINT-Fächern, aber auch in allen anderen. „Ein Kind, das durch selbstständige Experimente etwas erreicht, erwirbt ein ganz andersartiges Wissen als eines, dem die Lösung fertig geboten wird." Dieses Zitat stammt von Emmi Pikler, einer ungarischen Kinderärztin aus dem vergangenen Jahrhundert. Es ist dem Leitbild der Sartorius-Kita „Kleine Forscherinnen und Forscher" in Göttingen entnommen. Diese Kita ist kein Einzelfall: Im ganzen Land gibt es Kindertagesstätten mit MINT-Schwerpunkt. Die Kinder lernen dort spielerisch, die Welt um sich herum zu erforschen. Sie beginnen bereits in jungen Jahren ein lebenslanges positives Lernen mit Naturwissenschaften. Die Landesregierung und die vielen Kindertagesstätten haben hier bereits einen wichtigen Baustein zur langfristigen Trendumkehr gelegt. Schülerinnen und Schüler sammeln landauf, landab praktische Erfahrungen in Schullaboren. An der Universität Göttingen zum Beispiel steht mit dem XLAB eines der größten Deutschlands. Seit dem Jahr 2000 wurden dort über 200 000 Schülerinnen und Schüler praktisch an die Naturwissenschaften herangeführt. Die IdeenExpo, die alle zwei Jahre in Hannover stattfindet und vom Land mitfinanziert wird, bietet Jugendlichen in ganz Niedersachsen zudem einen breiten Einblick in mögliche Berufsfelder. Die schulische Bildung wird hier um außerschulische Angebote ergänzt, und durch einen Schnupperkurs an der Uni wird die Hürde für naturwissenschaftliche Studiengänge abgesenkt. Ein enormes Potenzial liegt bei Mädchen und jungen Frauen. Nur 16,4 % der MINT-Beschäftigten sind Frauen. Aber die IQB-Studie zeigt, dass Mädchen in den Schulkompetenzen stärker sind. Mit dem Girls' Day und der Initiative „Technikum" unterstützen wir junge Frauen, diese Berufe für sich zu entdecken. Die Zukunft der MINT-Kompetenzen hat höchste Priorität für die SPD und die Landesregierung. Mit diesen Maßnahmen sorgen wir für nachhaltige Besserung. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
