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Christian Calderone

CDU 15.05.2024 7:16 min Tagungsabschnitte 19/16

Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung des Europabezuges in der Landesverfassung

<v UU>Abgeordnete Calderone.</v> <v UU>Bitte schön!</v> <v UU>Herr Präsident!</v> <v UU>Meine sehr verehrten</v> <v UU>Damen und Herren!</v> <v UU>Es war der erste Präsident der jungen</v> <v UU>Bundesrepublik, Theodor Heuss, der</v> <v UU>1950 den Satz prägte, dass Europa auf</v> <v UU>drei Hügeln errichtet wurde, nämlich</v> <v UU>auf Golgatha in Jerusalem, der</v> <v UU>Akropolis in Athen und</v> <v UU>dem Kapitol in Rom.</v> <v UU>In Athen entstanden die griechische</v> <v UU>Philosophie, die erste umfassende</v> <v UU>Staatsphilosophie und vor allem</v> <v UU>Aristoteles Grundformen der</v> <v UU>Demokratie, die dann insbesondere</v> <v UU>während der Aufklärung</v> <v UU>weiterentwickelt wurden.</v> <v UU>Rom verdanken wir das</v> <v UU>Rechtsstaatsprinzip und die</v> <v UU>verbrieften Rechte, also Staats- und</v> <v UU>Zivilrecht, und damit die nahezu</v> <v UU>wichtigsten Elemente der Demokratie;</v> <v UU>denn ohne Rechtsstaatsprinzip lassen</v> <v UU>sich andere demokratische Prinzipien</v> <v UU>leicht aushöhlen.</v> <v UU>Golgatha ist die Wiege des</v> <v UU>Christentums, welches das europäische</v> <v UU>Denken entscheidend geprägt hat.</v> <v UU>Das zeigen auch die Gottesbezüge im</v> <v UU>Grundgesetz der Bundesrepublik</v> <v UU>Deutschland und in der</v> <v UU>Niedersächsischen Verfassung.</v> <v UU>Darauf basierend ist</v> <v UU>Europa eben eine Wertehaltung.</v> <v UU>Welche Länder gehören nun eigentlich</v> <v UU>zu Europa?</v> <v UU>- Die Antwort ist mit dem</v> <v UU>Vorgenannten nicht in erster Linie</v> <v UU>eine geografische, wie wir sie</v> <v UU>vielleicht auf anderen Kontinenten</v> <v UU>definieren können.</v> <v UU>Sie ist eben</v> <v UU>eine deutlich weiter gehende.</v> <v UU>Und die Antwort ist eben auch nicht</v> <v UU>die Europäische Union.</v> <v UU>Denn auch wenn diese die Werte</v> <v UU>Europas trägt und die Nationen</v> <v UU>Europas aufgrund dieser Werte in eine</v> <v UU>doch friedliche Gegenwart geführt</v> <v UU>hat, geht Europa darüber hinaus.</v> <v UU>Mir ist daher völlig unverständlich,</v> <v UU>wieso die antragstellenden Fraktionen</v> <v UU>von SPD und Grünen auf dieser</v> <v UU>Grundlage die Formulierung der</v> <v UU>Niedersächsischen Verfassung in</v> <v UU>Artikel 1 Abs. 2 nicht nur ändern,</v> <v UU>sondern verengen wollen.</v> <v UU>Denn „Teil der europäischen</v> <v UU>Völkergemeinschaft“ ist eben weiter</v> <v UU>als „Teil der Europäischen Union“.</v> <v UU>Und diese Weite ist wichtig.</v> <v UU>Sie ist ein Hinweis auf die</v> <v UU>Gemeinsamkeiten Niedersachsens mit</v> <v UU>all jenen, die zwar nicht Teil der</v> <v UU>Europäischen Union sind, aber eben</v> <v UU>Teil des europäischen Wertekodexes.</v> <v UU>Ich möchte durch eine Änderung der</v> <v UU>Niedersächsischen Verfassung eben</v> <v UU>nicht die Gemeinsamkeiten mit den</v> <v UU>Europäern in Großbritannien aufgeben.</v> <v UU>Sie ist nicht nur historisch</v> <v UU>gewachsen, insbesondere aus</v> <v UU>Hannoveraner Sicht, sondern sie</v> <v UU>bedeutet auch eine Gemeinsamkeit mit</v> <v UU>der ältesten Demokratie Europas.</v> <v UU>Ich möchte durch eine Änderung der</v> <v UU>Niedersächsischen Verfassung wie</v> <v UU>vorgeschlagen nicht die</v> <v UU>Gemeinsamkeiten mit den Bürgerinnen</v> <v UU>und Bürgern in der Ukraine aufgeben,</v> <v UU>die in einer beeindruckenden und</v> <v UU>bedrückenden Art und Weise für den</v> <v UU>europäischen Wertekodex kämpfen.</v> <v UU>Und ich möchte nicht durch eine</v> <v UU>Änderung der Formulierung die</v> <v UU>Gemeinsamkeiten mit den Menschen in</v> <v UU>Georgien aufgeben, die gerade aktuell</v> <v UU>für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit</v> <v UU>und Freiheit auf die Straße gehen und</v> <v UU>dadurch im Übrigen deutlich machen ‑</v> <v UU>auch in ihren Formulierungen ‑, dass</v> <v UU>sie sich Europa zugehörig fühlen,</v> <v UU>auch wenn sie nicht Mitglied der</v> <v UU>Europäischen Union sind.</v> <v UU>Meine Damen und Herren, die</v> <v UU>beantragte inhaltliche und faktische</v> <v UU>Verengung durch die Änderung der</v> <v UU>Formulierung „Teil der europäischen</v> <v UU>Völkergemeinschaft“ in „Teil der</v> <v UU>Europäischen Union“ führt nicht zu</v> <v UU>mehr Klarheit, sondern</v> <v UU>zu mehr Ausgrenzung.</v> <v UU>Dies sollten wir auch hinsichtlich</v> <v UU>der Verbundenheit mit all jenen, die</v> <v UU>sich den Prinzipien von Demokratie,</v> <v UU>Rechtsstaatlichkeit und Freiheit auf</v> <v UU>einer europäischen Grundlage</v> <v UU>verpflichtet fühlen,</v> <v UU>eben nicht anstreben.</v> <v UU>Nur kurz möchte ich noch auf die</v> <v UU>zweite beantragte inhaltliche</v> <v UU>Änderung eingehen, nach der in Satz 2</v> <v UU>und Satz 3 des Artikels 1 angefügt</v> <v UU>werden soll, welchen Staatsprinzipien</v> <v UU>sich die Europäische Union</v> <v UU>verpflichtet fühlt, nämlich Einheit,</v> <v UU>Demokratie, Rechtsstaatlichkeit,</v> <v UU>Sozialstaatlichkeit, Föderalismus</v> <v UU>und Subsidiarität.</v> <v UU>Das ist alles wichtig und richtig auf</v> <v UU>Grundlage des</v> <v UU>europäischen Wertekodexes.</v> <v UU>Aber die EU hat sich in den</v> <v UU>europäischen Verträgen diese</v> <v UU>Grundsätze bereits selbst gegeben.</v> <v UU>Nicht das Land Niedersachsen schreibt</v> <v UU>der EU also vor, wie sie zu sein hat.</v> <v UU>Das kann sie selber und hat sie auch</v> <v UU>schon selber geleistet.</v> <v UU>Ist die erste Änderung, meine sehr</v> <v UU>verehrten Damen und Herren, aufgrund</v> <v UU>einer aus meiner Sicht wirklich</v> <v UU>schädlichen Verengung abzulehnen, so</v> <v UU>ist es die zweite aufgrund</v> <v UU>tatsächlich fehlender Kompetenzen.</v> <v UU>Nun kann ein Bundesland in seine</v> <v UU>Verfassung schreiben, was es möchte.</v> <v UU>Jede Änderung sollte aber zumindest</v> <v UU>einen Mehrwert bringen, aber das ist</v> <v UU>hier offensichtlich nicht der Fall.</v> <v UU>Vielmehr wird hier aus unserer Sicht</v> <v UU>die schnelle Überschrift gesucht.</v> <v UU>Dafür ist die Verfassung aber eben</v> <v UU>nicht geeignet.</v> <v UU>Sie ist dazu angelegt,</v> <v UU>die Zeiten zu überdauern.</v> <v UU>Das tut sicherlich der auch</v> <v UU>sprachlich sehr gelungene Europabezug</v> <v UU>der Niedersächsischen Verfassung in</v> <v UU>seiner heutigen Form, nach der</v> <v UU>Niedersachsen „Teil der europäischen</v> <v UU>Völkergemeinschaft“ ist und eben</v> <v UU>nicht nur „Teil</v> <v UU>der Europäischen Union“.</v> <v UU>Verehrte Kollegin Glosemeyer, ich</v> <v UU>kann Ihr Anliegen durchaus verstehen,</v> <v UU>auch vor dem Hintergrund der</v> <v UU>anstehenden Europawahlen.</v> <v UU>Aber auch die anstehenden</v> <v UU>Europawahlen in schwierigen Zeiten</v> <v UU>eignen sich eben nicht dazu, die</v> <v UU>Niedersächsische Verfassung mal eben</v> <v UU>schnell zu ändern.</v> <v UU>Sie haben darüber gesprochen, dass</v> <v UU>die Zeiten aktuell für sich sprechen;</v> <v UU>ich habe Sie zitiert.</v> <v UU>Weil das so ist, müssen wir als</v> <v UU>Europäer, als europäische</v> <v UU>Völkergemeinschaft auf unser</v> <v UU>Wertefundament achten.</v> <v UU>Das tut die Niedersächsische</v> <v UU>Verfassung in</v> <v UU>ihrer aktuellen Formulierung.</v> <v UU>Sie täte es in der von Ihnen</v> <v UU>vorgeschlagenen Formulierung</v> <v UU>eben weniger.</v> <v UU>Herr Moriße, wer das</v> <v UU>Nationalstaatliche in den Vordergrund</v> <v UU>stellt, der hat die tiefgehende</v> <v UU>Einigung der Frauen und Männer, die</v> <v UU>nach den Trümmern des Zweiten</v> <v UU>Weltkrieges diesen Europagedanken</v> <v UU>implementiert haben, nicht</v> <v UU>verstanden, nämlich die Einigung,</v> <v UU>dass Freiheit, Demokratie und</v> <v UU>Rechtstaatlichkeit nur durch</v> <v UU>Zusammenarbeit möglich sind und dass,</v> <v UU>wenn die Zusammenarbeit fehlt ‑ das</v> <v UU>hat Europa in vielen Kriegen</v> <v UU>schmerzlich erlebt ‑, es in</v> <v UU>kriegerischen Auseinandersetzungen zu</v> <v UU>viel Leid zwischen</v> <v UU>den Menschen führt.</v> <v UU>Meine sehr verehrten Damen und</v> <v UU>Herren, der Europabezug in der</v> <v UU>Niedersächsischen Verfassung</v> <v UU>ist wertvoll.</v> <v UU>Wir sind eines der ersten</v> <v UU>Bundesländer, die diesen Europabezug</v> <v UU>schon in ihren Verfassungen haben.</v> <v UU>Viele haben nachgebessert.</v> <v UU>Wir sehen keinen</v> <v UU>Nachbesserungsbedarf, weil wie in</v> <v UU>keiner anderen Formulierung die Werte</v> <v UU>Europas in diesem Europabezug in</v> <v UU>unserer Verfassung</v> <v UU>zur Geltung kommen.</v> <v UU>Herzlichen Dank.</v>

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