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Philipp Meyn

SPD 15.09.2023 7:13 min Tagungsabschnitte 19/9

Klassenräte als demokratisches Gremium an niedersächsischen Schulen einführen

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schön, dass ich nach dem Vorgängerantrag diesen Antrag einbringen darf - der etwas bringt: Es geht darum, Klassenräte als demokratisches Gremium flächendeckend an niedersächsischen Schulen einzuführen. Es geht also um Demokratiebildung. Was ist ein Klassenrat? Der Klassenrat ist eine Versammlung, an der alle Klassenmitglieder gleichberechtigt teilnehmen, ganz egal welcher Nationalität. Die Schülerinnen und Schüler haben hier die Möglichkeit, das Miteinander in der Klasse selbstbestimmt und demokratisch zu gestalten. Für welche Klassenstufen ist der Klassenrat geeignet? Die Vorbildung in den Kitas wird immer besser; dort wird immer stärker Partizipationsarbeit geleistet. Somit kann man sagen: Bereits ab Klasse 1 ist das möglich. Hier hat die Lehrkraft natürlich noch stärker eine steuernde Funktion. Aber ab der 3. oder 4. Klasse kann sich die Lehrkraft mehr und mehr zurücknehmen, und das selbstbestimmte Element kommt dann noch mehr zum Tragen. Was wird besprochen? Die Themen können die Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich planen, wodurch demokratische und selbstorganisatorische Kompetenzen gestärkt werden. Im Prinzip kann alles auf den Tisch kommen. Zum Beispiel Klassen- und Gesprächsregeln. - Meine Tochter sagt immer: Oh, da ist Streit in der Klasse; da müssen wir den Klassenrat einberufen. - Dann kann das gemeinsam gelöst werden. Es geht natürlich um Klassenfeste, Exkursionen, Projekte, Klassendienste, Raumgestaltung, aber auch über das Hausaufgabenpensum sollte dort gesprochen werden. Dieser Antrag bringt die Klassengemeinschaft, das Schulleben und letztlich die Demokratiebildung unserer Schülerinnen und Schüler aktiv voran. Aber es geht in diesem Antrag nicht nur darum, dass Schülerinnen und Schüler über Wandertage sprechen, sondern auch darum, dass sie aktiv an Planungs- und Entscheidungsprozessen mitwirken und Verantwortung für den eigenen Schulalltag übernehmen. Zu unserer Demokratie gehört, dass junge Menschen ihre Ideen, Wünsche und Forderungen ausdrücken dürfen. Sie sollen lernen, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die nach demokratischen Regeln funktioniert. Unser Land ‑ und das ist so wichtig ‑ braucht selbstbewusste Persönlichkeiten, die für die Gemeinschaft Verantwortung übernehmen und eben nicht für plumpe, einfache Antworten empfänglich sind. Ich spüre da schon eine gewisse Zustimmung im Plenum. Klassenräte sind toll und sinnvoll ‑ das wissen wir ‑, da diese Form ‑ da sind wir ja auch ganz ehrlich heute ‑ keine Revolution ist, sondern es wird häufig praktiziert. Alle Praktikerinnen und Praktiker ‑ wir wissen das aus unseren Besuchen an Schulen ‑ berichten: Die Zeit ist sinnvoll investiert. Die SPD begrüßt aus diesem Grund ausdrücklich alle Initiativen, die die Lehrerinnen und Lehrer an allen Schulformen bereits unterstützen und fördern. Dieser Antrag ist ganz ausdrücklich eine Bestätigung für die wertvolle Arbeit im ganzen Land, für die wertvolle Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer in Niedersachsen. Vielen Dank an dieser Stelle! Bitte weitermachen, kann man unter dem Strich sagen. Aber wir sind davon überzeugt, dass diese Form der niederschwelligen Demokratie eben nicht von der jeweiligen Schule abhängen soll, sondern ‑ jetzt komme ich zum Antrag ‑ dass es flächendeckend in allen niedersächsischen Schulen durchgeführt werden soll. Bei der kommenden Novelle des Niedersächsischen Schulgesetzes gilt es insbesondere drei Aspekte zu berücksichtigen: Erstens: Nach dem Vorbild von Hessen und Rheinland-Pfalz den Klassenrat als Mittel demokratischer Schulentwicklung einführen sowie als Gremium in allen Schulformen verankern. Das ist aktuell noch nicht der Fall. Deswegen habe ich gerade die Grundschulen, aber auch Sonderschulen für geistige Entwicklung hervorgehoben. Zweitens: Feste Regeln, die eine demokratische Wahl von Klassensprecherinnen und Klassensprechern sicherstellen, definieren, die möglichst auch schon im Primarbereich und im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung angewendet werden können - also hier auch in die Gremienarbeit gehen. Drittens ‑ das konkretisieren wir dort noch ein wenig ‑: die Wahl von Vertreterinnen und Vertretern in die Klassenkonferenz und deren Ausschuss auf alle Jahrgangsstufen ausweiten. Ein Beispiel: Warum sollen in Grundschulen die Schülervertretungen nicht auch mitentscheiden, was im Schulvorstand besprochen wird, und sei es, dass es um Dinge wie Klettergerüste etc. geht. Das ist wirklich zeitgemäß, dass überall dort, wo etwas für Kinder entschieden wird, Kinder auch mitentscheiden dürfen. Bis vor Kurzem war ich noch Lehrer. Daher kann ich auch berichten und hier nicht verhehlen: Das ist durchaus auch mal anstrengend im Schulalltag. - Aber wir stellen fest: Demokratie ist anstrengend. Das merken wir auch beizeiten hier in diesem Raume. Und das merken wir auch im Familienalltag. Letztens habe ich mit meiner Frau gesprochen über ein Thema, das meine Tochter ‑ sie ist neun ‑ nicht unbedingt ganz genau verstehen sollte. Dann sagte sie: Stopp! Über was redet ihr eigentlich gerade? Ich verstehe es nicht! - Es ist ein Kinderrecht, dass das, was gesprochen wird, auch Kinder verstehen können. Das habe ich im Klassenrat gelernt. Da, muss ich sagen, war ich ziemlich stolz auf meine selbstbewusste Tochter und kann auch nur sagen: An den Schulen wird da bislang wirklich gut gearbeitet. ‑ Was? Bitte! Das wäre mal etwas Neues. ‑ Darüber reden wir später! Die Einführung von Klassenräten ermöglicht unseren Schülerinnen und Schülern bereits frühzeitig, an demokratischen Prozessen teilzuhaben. Der gemeinsame Rat stellt hier einen wichtigen Baustein der Demokratiebildung; denn der Klassenrat ist das demokratische Forum innerhalb der gesamten Klasse. Hier können die Schülerinnen und Schüler ihre Ideen, Wünsche und Forderungen ausdrücken. Hier gilt es auch zu reflektieren, wie eigentlich Entscheidungen zustande kommen. Dies fördert Empathie, die gegenseitige Achtung und einen fairen Umgang miteinander. Dabei ist es völlig egal, welcher Herkunft die Schülerinnen und Schüler sind. Kurzum: Wir freuen uns schon auf die Ausschussarbeit, und wir wollen weiterhin fördern, dass wir selbstbewusste junge Persönlichkeiten haben, die sich einbringen, Unterschiede auch aushalten und letztendlich gerne zur Schule gehen. Vielen Dank.

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